Umfrage: Jeder Zweite findet Hartz-IV-Regelungen gut

Berliner wollen keine weitere Mauer-Gedenkstätte

Christine Richter
3 Min

Die Mehrheit ist eindeutig: 73 Prozent der Berliner lehnen eine weitere zentrale Gedenkstätte zur Erinnerung an die Mauer ab, nur 26 Prozent plädieren für eine weitere Erinnerungsstätte. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung. In der Zeit vom 15. bis 18. November wurden 1 000 Berliner befragt.Bei der Diskussion über eine neue Mauer-Gedenkstätte, die durch die private Holzkreuz-Aktion des Checkpoint Charlie Museums ausgelöst worden war, zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Berlinern. 80 Prozent der über 60-Jährigen sind der Meinung, dass es keiner neuen Stätte zur Erinnerung an die Teilung der Stadt bedarf. Die Gedenkstätte an der Bernauer Straße reiche aus. Nur 18 Prozent der Älteren hält eine zweite Gedenkstätte für erforderlich. Ganz anders die jüngeren Berliner: 39 Prozent der Menschen unter 30 Jahre plädieren für eine weitere Erinnerungsstätte, 60 Prozent dagegen.Streit um Billig-JobsFragt man diejenigen, die für eine solche neue Mauer-Gedenkstätte sind, so bevorzugt die Mehrheit die Umwandlung des privaten Mahnmals mit den aufgestellten Kreuzen am Checkpoint Charlie zu einer dauerhaften Einrichtung. 63 Prozent halten dies für die beste Lösung, weitere 33 Prozent plädieren für eine neue Gedenkstätte in der Nähe des Brandenburger Tors, um an die jahrzehntelange Teilung von Berlin zu erinnern.Wesentlich umstrittener ist bei den Berlinern die Arbeitsmarktreform Hartz IV, die von Januar an umgesetzt wird. Genau die Hälfte der Befragten hält es für richtig, dass für Langzeitarbeitslose in Zukunft fast jede Arbeit zumutbar sein soll und die Unterstützung gekürzt wird, wenn die Erwerbslosen das Arbeitsangebot ablehnen. Aber fast genauso viele Berliner halten diese Regelung für falsch (44 Prozent). Bei den Arbeitern ist der Widerstand noch sehr viel größer: 60 Prozent der Arbeiter lehnen dieses Modell ab, nur 32 Prozent halten es für richtig, dass Langzeitarbeitslose künftig nahezu jede Arbeit annehmen müssen, wenn sie die staatlichen Hilfen nicht verlieren wollen. Ganz anders sehen dies die Beamten und Selbstständigen: Jeweils rund zwei Drittel unterstützen diesen Punkt der Arbeitsmarktreform. Auch die Anhänger von SPD, CDU und FDP teilen mehrheitlich diese Ansicht, PDS- und Grünen-Sympathisanten sind zumeist gegen die Neuregelung.Problem Nr. 1: ArbeitslosigkeitAngesichts der bundesweiten Debatten über die Arbeitsmarktpolitik und der mit 17 Prozent hohen Arbeitslosenquote in Berlin halten die Berliner die Erwerbslosigkeit für das größte Problem in der Stadt. Dieser Meinung sind 56 Prozent der Befragten. An zweiter Stelle machen sich die Menschen Sorgen um die Wirtschafts- und Finanzlage der Stadt (43 Prozent), gefolgt von den sozialen Problemen (26 Prozent), die nach Ansicht dieser Befragten vorrangig gelöst werden sollten. Wer dies tun soll, darüber haben die Menschen inzwischen wieder eine klare Meinung: 22 Prozent sagen, mit den Problemen der Stadt werde die SPD am besten fertig - noch im September waren nur 13 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Seite 25------------------------------Grafik: (2) Die neuen Hartz-Regeln sind in Berlin umstritten. / Den meisten Berlinern genügt eine Mauer-Gedenkstätte.

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