Umsätze im Osten deutlich über Branchenniveau

Chemiefirmen erwarten gutes Geschäftsjahr

Peter Kirnich
2 Min

BERLIN, 12. Oktober. Die Chemieindustrie in Berlin und in den neuen Ländern boomt wie seit Jahren nicht. "In diesem Jahr erwarten wir im Ostteil Berlins und in den neuen Bundesländern einen Umsatzanstieg gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf 13 Milliarden Mark", sagte Bernd Wolter, Wirtschaftsreferent im Nordost-Verband der Chemischen Industrie, am Donnerstag der "Berliner Zeitung". Die Produktion werde um 24 Prozent zunehmen. Damit liege das Wachstum wesentlich höher als im Durchschnitt der Branche im gesamte Bundesgebiet. Der VCI in Frankfurt am Main hatte am Donnerstag einen Jahresumsatz der deutschen Chemieindustrie von 213 Milliarden Mark prognostiziert. Das entspricht einem Wachstum von zwölf Prozent.Pharma dominiert in BerlinWolter begründete die enormen Zuwächse in den neuen Ländern und in Ostberlin "mit mehreren Großinvestitionen, die nun abgeschlossen sind und somit Einfluss auf Umsatz- und Produktionszuwächse haben". Getragen werde dieser Aufschwung vor allem von den Milliarden-Investitionen im mitteldeutschen Chemiedreieck in Sachsen-Anhalt (Leuna, Bitterfeld, Buna) und bei der BASF in Schwarzheide. Wolter: "Schon ab dem kommenden Jahr werden sich die Wachstumsraten auf bundesweites Niveau angleichen, da ab 2001 die Investitionsquote im Osten auf das branchenübliche Niveau von sechs Prozent sinken wird."Auch in Berlin hätten sich die zahlreichen Investitionen in der Chemiebranche deutlich bemerkbar gemacht. Bis Mitte des Jahres hatten die Chemieumsätze in der Hauptstadt um 8,5 Prozent zugenommen. Insgesamt haben Berliner Firmen einen Anteil von drei Prozent an der gesamten Chemieproduktion in Deutschland, 2,7 Prozent davon gehen allein auf Berlin-West. Dort steuert der Pharmakonzern Schering den Mammut-Anteil bei, während im Ostteil der Stadt Berlin-Chemie seit Jahren kräftige Umsatz-Zuwächse verzeichnet. In den kommenden Jahren will das Unternehmen aus Adlershof zu den Top-ten der deutschen Pharmaunternehmen gehören."Die Pharamaindustrie dominiert die Branche in Berlin", sagte Wolter. Hatte Pharma vor der Wende noch einen Anteil von lediglich rund 50 Prozent an den Berliner Chemieumsätzen, "liegt er heute bei 89 Prozent". Stark abgebaut hätten dagegen Kosmetikfirmen und die Grundstoff-Chemie. Auch für 2001 wird ein "gutes Chemie-jahr" erwartet. "Die Umsätze werden um vier Prozent steigen", prognostiziert der VCI. Das könnte zusätzliche Jobs in der Branche zur Folge haben. Zumindest jedoch bleibe die Zahl der Mitarbeiter stabil.

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