„Terrorkampagne“

UN-Ermittler sehen Merkmale eines Völkermords im Sudan – USA verhängen Sanktionen

Die Vereinten Nationen werfen der sudanesischen RSF-Miliz Verbrechen bei der Belagerung von Al-Faschir vor. Washington verhängt Sanktionen gegen Kommandeure.

Peter Steiniger
3 Min
Die Konflikte im Sudan fordert weiter viele zivile Opfer.

Die Konflikte im Sudan fordert weiter viele zivile Opfer.

© Marwan Ali/AP

Die Vereinten Nationen und die US-Regierung haben am Donnerstag nahezu zeitgleich schwere Vorwürfe gegen die paramilitärische Miliz Rapid Support Forces (RSF) im Sudan erhoben. Während die UN-Untersuchungsmission dem Vorgehen der Miliz bei der Eroberung der Stadt Al-Faschir in der Region Darfur „die charakteristischen Merkmale eines Völkermords“ attestierte, verhängte das US-Finanzministerium laut Reuters Sanktionen gegen drei RSF-Kommandeure wegen ihrer Rolle bei der 18-monatigen Belagerung und Einnahme der Stadt.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, erklärte UN-Missionsleiter Mohamed Chande Othman in Genf, die RSF habe bei ihrer Offensive Ende Oktober „drei Tage des absoluten Grauens“ verursacht. „Das Ausmaß, die Koordinierung und die öffentliche Unterstützung der Operation durch die Führungsspitze der RSF zeigen, dass die in und um Al-Faschir begangenen Verbrechen keine zufälligen Auswüchse des Krieges waren“, sagte Othman. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Berichte über Gewaltexzesse und Massenmorde

Dem UN-Bericht zufolge verübten RSF-Kämpfer und verbündete Milizen während der Belagerung der Provinzhauptstadt Massentötungen, Massenhinrichtungen, sexuelle Gewalt, Entführungen zur Lösegelderpressung, Folter, Verschleppungen und Plünderungen. Zudem setzten sie Kinder in Kampfhandlungen ein und nutzten Hunger gezielt als Kriegsmittel, hieß es. Die Ermittler befragten 320 Augenzeugen und werteten Videomaterial aus.

Das US-Finanzministerium warf der RSF  in einer Erklärung vor, „eine grauenhafte Kampagne ethnischer Tötungen, Folter, Aushungerung und sexueller Gewalt“ geführt zu haben. Nach der Einnahme der Stadt im Oktober hätten RSF-Kämpfer die systematischen Tötungen, Inhaftierungen und sexuellen Übergriffe noch ausgeweitet, heißt es in einem Bericht von Reuters. Laut dem Ministerium versuchte die Miliz zudem gezielt, Beweise für Massentötungen zu beseitigen, indem sie Zehntausende Leichen vergrub, verbrannte oder anderweitig beseitigte.

Machtkampf verlagert sich nach Nord-Kordofan

Unter den mit Sanktionen belegten Kommandeuren befindet sich nach Angaben des US-Finanzministeriums ein RSF-Brigadegeneral, der sich selbst dabei filmte, wie er unbewaffnete Zivilisten tötete. Ebenfalls betroffen sind ein Generalmajor und ein Feldkommandeur der Miliz.

US-Finanzminister Scott Bessent forderte die RSF zu einem sofortigen humanitären Waffenstillstand auf: „Wir werden diese andauernde Terrorkampagne und das sinnlose Töten im Sudan nicht dulden.“

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Mehr als 100.000 Menschen sind laut Berichten seit Ende Oktober aus Al-Faschir geflohen. Überlebende berichteten von ethnisch motivierten Massentötungen und massenhaften Verhaftungen. Viele Menschen gelten weiterhin als vermisst.

Im drittgrößten Land Afrikas kämpfen seit April 2023 die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und die RSF-Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo um die Kontrolle. Zuletzt verlagerten sich die Gefechte zunehmend von Darfur in die ressourcenreiche Region Nord-Kordofan, wo die RSF seit Monaten versucht, die Regionalhauptstadt Al-Obeid einzunehmen.

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