Leitungswasser ist eine Delikatesse. Man denke nur an die deutschen Anstrengungen um dessen Reinheit. Die Berliner Wasserwerke betonen bei jeder Gelegenheit, dass der Tropfen nirgendwo auf der Welt so rein aus dem Hahn fließt wie in Deutschland. Dass damit hierzulande auch das Auto gewaschen, die Blumen gegossen und die Toilette gespült wird, empfinden allerdings, in Anbetracht der Wassernot in vielen armen Ländern, immer mehr Bürger als moralisch bedenklich.Außerdem stiegen die Wasserpreise während der letzten fünf Jahre um rund ein Viertel. Inzwischen kosten 1000 Liter Trinkwasser in Berlin etwa 2,20 Euro. Für die 111 Liter, die jeder Durchschnittsberliner täglich aus dem Versorgungsnetz laufen lässt, bezahlt er also über 100 Euro im Jahr. "Zu viel!" sagen die Anbieter ökologischer Sparalternativen. Zwar sank dieser Verbrauch in Berlin seit dem Mauerfall ohnehin schon um 30 Liter durch den Wegfall von Industrie und die bessere Technik moderner Haushaltsgeräte. Aber es geht noch sparsamer, beispielsweise mit Regenwassernutzungsanlagen."Die Systeme sind einfach: Man schließt den Regenrinnenablauf an eine Zisterne an. Dazwischen ist ein Sieb zum Schutz gegen größere Fremdstoffe wie Blätter", beschreibt Ingenieur Erwin Nolde. "Außerdem wird eine Pumpe benötigt, die in regenarmen Zeiten Trinkwasser zuschießt. Der aufwändigste Teil ist das separate Leitungssystem im Haus. Das Regenwasser darf sich nicht mit dem Wasser aus dem Versorgungsnetz vermischen.Weiches WasserMit dem Regenwasser lassen sich die zwei größten Verbraucher im privaten Haushalt versorgen: "Wir empfehlen die Nutzung für die Waschmaschine und die Toilettenspülung", sagt Nolde. Sie brauchen durchschnittlich etwa 50 Liter am Tag und pro Person. "Regenwasser für die Waschmaschine hat sogar noch einen Nebeneffekt: Es ist weicher als das Berliner Trinkwasser, man spart Waschmittel bei gleicher Reinigungsleistung", erklärt der Technologieberater für Wasserkonzepte. Seinen Erfahrungen nach reicht die durchschnittliche Dachfläche eines Einfamilienhauses für den Betrieb eines zweiten Leitungssystems. Die nötige Investition schätzt er auf 2000 bis 5000 Euro, je nachdem, ob neugebaut oder nachträglich verlegt wurde.Wer Regenwasser nutzt, spart außerdem das Niederschlagswasserentgeld. Etwa 1,70 Euro muss für den Quadratmeter versiegelter Dachfläche pro Jahr gezahlt werden, damit das Regenwasser in die Kanäle geleitet werden darf. "Viele Kommunen fördern lieber die Nutzung des Regenwassers durch die Verbraucher, als viel Geld für Sammelbecken auszugeben", weiß Nolde. Im regenreichen Berlin seien zu Spitzenzeiten die Mischkanäle mit Regen und Abwasser überfordert. Um Belastungen der Flüsse und Seen durch Abwasser zu verhindern, müsse viel in Rückhaltebecken investiert werden.Das scheint allerdings nicht das Problem der Berliner Wasserbetriebe zu sein. Berlin kämpft wegen des gesunkenen Wasserverbrauch eher mit zu viel Wasser. "Eine flächendeckende Nutzung von Regenwasser hätte weniger Trinkwassergebrauch und damit eine längere Verweildauer in den Leitungen zur Folge", sagt der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz. "Ein ungleich höherer Aufwand, es keimfrei zu halten, wäre nötig." Entsprechend wenig hält er von solchen Ansätzen in Berlin. "Das ist in Gebieten mit wenig Wasser sinnvoll, in Namibia zum Beispiel, wo die Berlinwasser Gruppe auch aktiv ist."Emotionaler FaktorAuch die Einsparungen der anderen Abgaben lässt Natz als Argument nicht gelten: "In der Peripherie Berlins, wo die Einfamilienhäuser stehen, zahlt man meist kein Niederschlagswasserentgelt, da es dort nur Schmutzwasserkanäle gibt, in die kein Regenwasser fließen darf. Und für Mehrfamilienhäuser im Zentrum ist der finanzielle Aufwand für eine Regenwasseranlage erheblich höher." Die Hauptmotivation, den Regen zu nutzen, sei für ihn weniger sachlich, sondern eher emotional zu begründen: "Zum Teil gilt es schon als Statussymbol, zum Teil beruhigt es auch das Gewissen: Hier handle ich ökologisch!" Ökonomisch und technisch dagegen wiegelt er ab. Wenn es so stark regnet wie zurzeit, seien die Zisternen voll und brauchten doch eine Ableitung in die Kanäle. Dann fällt wieder Niederschlagswasserentgelt an.Doch das Argument kennen auch die Regenwassersammler und nennen eine einfache Lösung, um auf natürliche Art um die Abgabe an die Wasserwerke herumzukommen. Sie lassen das Wasser mithilfe einer so genannten "Rigiole" versickern. Die nimmt das Wasser auf und führt es langsam der Erde zu. "Früher war das ein Kiesbett, inzwischen gibt es Kunststoffkörper, deren Volumen zu 95 Prozent aus Poren besteht", sagt Nolde. Da könne es schon eine ganze Weile regnen.------------------------------InvestierenRatgeberDie siebte Auflage des Ratgebers "Regenwassernutzung von A -Z" gibt es nur noch als Download, dafür aber kostenlos unter www.mall.info/regenwassernutzung-von-a-z.htmlWirtschaftlichkeitIst der Spareffekt durch Regenwassernutzung bei Einfamilienhäusern umstritten, so gilt er bei Gewerbegebäuden mit großen Dächern als lohnend.FörderungIn Städten wie Berlin, Frankfurt und Köln wird die Regenwassernutzung nicht gefördert, umliegende Kommunen dagegen schießen dagegen einen Teil zu.HerstellerRewatec Niederlassung Berlin-Tempelhof,Tel. 440 13 80www.rewatec.deOtto Graf,Hauptsitz Teningen,Tel. 76 41 58 90www.graf-online.deIntewaTel. 0241/ 96 60 50www.intewa.deSteinheimer Tankhandel,Steinheim, Tel. 07144/ 200 39, www.steinheimer-tankhandel.deRhebau Rheinische Beton- und Bauindustrie, Dormagen, 02133/ 770 30, www.rhebau.de------------------------------Foto : Regenwassernutzung zapft die Dachrinne an. Moderne Systeme leiten das Wasser von dort über einen Filter in eine stabile Kunststoffzisterne, die im Garten vergraben ist.
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