Kurz vor dem 34. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1961 haben Unbekannte das Gedenkkreuz für Peter Fechter geschändet. Er wurde im August 1962 nahe dem Checkpoint Charlie erschossen. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, daß die Grenze mehr Tote forderte, als bisher angenommen.Die Täter zersägten in der Nacht zu Donnerstag das Holzkreuz in der Zimmerstraße und befestigten einen NVA-Stahlhelm sowie ein Spruchband. "Zum Gedenken an die Gefallenen und vom BRD-Imperialismus verfolgten Grenzsoldaten und die Opfer des Mauerfalls. Ihre Opfer sind uns Verpflichtung im Kampf für eine unabhängige DDR", stand auf dem Band, das die Täter an den Stumpf des Kreuzes nagelten. Nach Angaben der Polizei gab es gestern noch keine Hinweise zu den Tätern. "Helft mir!" Fechters Tod zählt zu den spektakulärsten Fällen an der Mauer. Am Nachmittag des 17. Augusts 1962 schossen NVA-Soldaten den 18jährigen beim Fluchtversuch an und ließen ihn vor den Augen Hunderter West-Berliner qualvoll verbluten. "Helft mir, helft mir!" schrie der junge Mann. In ihrer Verzweiflung warfen die Zeugen Verbandspäckchen über die Mauer. Die NVA-Soldaten blieben in ihren Verstecken. Erst als Fechter schon das Bewußtsein verloren hatte, trugen sie ihn davon.Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) verurteilte den Anschlag scharf. Die Tat verhöhne die Opfer des Totalitarismus, erklärte ein Senatssprecher. "Blindheit" warf Bürgerrechtler Wolfgang Templin den Tätern vor. Manche Menschen identifizierten sich so stark mit der DDR, daß sie das Bewußtsein für das Andenken an die Opfer verloren hätten. Die Tat verlange nach einer harten Bestrafung.Besonders erschüttert zeigte sich der Leiter des Museums Haus am Checkpoint Charlie, Rainer Hildebrandt. Trotz seiner Trauer über die Tat setzte er sich für einen Dialog mit den Tätern ein. "Es ist unsere Aufgabe, mit den Menschen, die als belastet gelten, intensiver zusammenzuarbeiten", sagte er. "Auch wir haben Fehler gemacht." Hildebrandt berichtete, daß es sich bereits um das dritte Kreuz für Peter Fechter handele. Die Gedenkstelle sei schon einmal geschändet worden. Die Polizei reparierte das Holzkreuz am Vormittag notdürftig.Bei einer Pressekonferenz der "Arbeitsgemeinschaft 13. August" hieß es gestern, insgesamt 681 Menschen seien seit dem Mauerbau an den Grenzen der DDR ums Leben gekommen. Das seien mehr als bisher angenommen. Polen und Ungarn Zunehmend hätten sich auch osteuropäische Länder wie Polen und Ungarn dazu bekannt, DDR-Flüchtlinge an ihren Grenzen getötet zu haben, erklärte der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Rainer Hildebrandt. Im Laufe des letzten Jahres habe man 18 neue Fälle recherchiert. Allein an den Grenzen zu West-Berlin starben 235 Menschen. Die Forschungen zu den tödlichen Grenzzwischenfällen gelten damit als nahezu abgeschlossen. Die Gesamtzahl der Toten seit 1949 hat sich auf 825 erhöht. Nicht nur Versuche in den Westen zu gelangen, endeten tödlich. Auch DDR-Grenzsoldaten kamen bei Zwischenfällen um, teilweise wurden sie von Fluchthelfern erschossen. Unter den 681 Opfern sind laut Arbeitsgemeinschaft 16 DDR-Grenzsoldaten und fünf sowjetische Fahnenflüchtige. +++
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