Anschlag auf die Ausstellung "Die Welt der Anne Frank 1929-1945": Unbekannte haben in der Nacht zu gestern das Transparent am Eingang des Prenzlauer Berg-Museums gestohlen und einen Plakatständer zerstört."Das ist eine feige Aktion, die über Vandalismus weit hinaus geht", urteilte gestern Antje Winter, Mitarbeiterin des Ausstellungs-Projekts. Das vier Meter breite Plakat mit dem Titel der Ausstellung ist seit gestern morgen verschwunden. Es hing rund zweieinhalb Meter über der Erde zwischen zwei Bäumen. Den Plakatständer mit drei Flächen fanden die Mitarbeiter rund 30 Meter weiter. Er lag zerstört in einem Gebüsch.Die Täter hätten die beiden Blickfänge entfernt, die Besucher in die Ausstellung locken sollten. Es entstand dadurch ein Schaden von rund 4 500 Mark, schätzt Antje Winter. Die Veranstalter haben Anzeige erstattet.Noch gibt es keine Erkenntnisse über die Täter und ihre Motive. "Wir haben keine Nachrichten oder Briefe bekommen. Niemand hat uns angesprochen", sagte Antje Winter. Sie vermutete aber, daß hinter der Aktion genau das politische Denken steht, gegen das die Ausstellung arbeitet. Sie wendet sich gegen Antisemitismus.Die Ausstellung mit Fotos und Dokumenten aus dem Leben der Schülerin Anne Frank ist erst in der vergangenen Woche im Prenzlauer Berg-Museum an der Prenzlauer Allee 75 eröffnet worden. Dabei war auch Miep Gies anwesend, die letzte lebende Helferin aus der Zeit der Familie Frank in Amsterdam. Die 83jährige hatte die Berliner Jugendlichen aufgefordert, keinen Haß gegenüber Menschen zu hegen. "Unabhängig von ihrem Glauben sind alle ein Teil dieser Welt. Keiner kann etwas dafür, eine andere Hautfarbe zu haben", sagte Frau Gies zur Berliner Zeitung. Die Nachgeborenen treffe keine Schuld. Die Vergangenheit dürfe aber nicht vergessen werden.In den zurückliegenden Monaten war die Ausstellung bereits in Mitte und Spandau zu sehen. Dort gab es keine Zwischenfälle. Bis zum 19. März ist sie in Prenzlauer Berg, anschließend geht sie nach Wilmersdorf und Neukölln. "Noch haben wir ein zweites Transparent", erklärte Antje Winter, "wird das auch gestohlen, bleibt uns nichts." Die Ausstellung stammt von der Amsterdamer Anne Frank Stiftung und wird in Berlin mit Hilfe eines Fördervereins gezeigt. Seine Mittel seien äußerst begrenzt, so Frau Winter und reichten nicht zur Herstellung neuer Transparente. +++
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