Die Welt ist derzeit vollauf mit dem Irak und Afghanistan beschäftigt. In beiden Ländern sind die USA und ihre Verbündeten in kriegerische Konflikte verwickelt, die sie provoziert haben und deren Entwicklung sie nicht mehr beherrschen. In einer solchen Situation, so sollte man meinen, werden die USA und ihre Partner wohl nicht auf die Idee kommen, eine weitere Front zu eröffnen - indem sie zum Beispiel in den kommenden Monaten den Iran militärisch angreifen.Doch die Kriegstrommeln sind nicht verstummt. Nicht jede Analyse, nicht jedes Statement eines Politikers macht zwar solche Schlagzeilen wie die Äußerung eines US-Senators im Juni dieses Jahres, der unumwunden für die Bombardierung des Irans plädierte, sollte Teheran weiter die Aufständischen im Irak unterstützen. Die Vorbereitungen auf einen Angriff auf den Iran aber laufen verbal-propagandistisch, praktisch-militärisch und auch politisch weiter. Jüngste Beispiele: Der Sonderberater des britischen Premiers für Sicherheitsfragen, Patrick Mercer, konstatiert öffentlich, dass eine noch immer einflussreiche Gruppe neo-konservativer Politiker alles daran setze, Iran als direkte Bedrohung der USA hinzustellen, um damit dann Militärschläge gegen den Iran zu rechtfertigen. Die angeführten Beweise aber, so Mercer, sollten mit Skepsis aufgenommen werden.Nur zwei Tage später ist diese Skepsis schon gefragt: Der US-Oberbefehlshaber im Irak, General Petraeus, will erfahren haben, dass der iranische Botschafter in Bagdad zur Führung der iranischen Revolutionsgarden gehöre. Diese Garden aber sollen nach Ansicht der US-Regierung die Aufständischen im Irak unterstützen und damit für den Tod von US-Soldaten verantwortlich sein. Selbst der irakischen Regierung aber, die sonst gern die Schuld bei anderen sucht, war das zu viel: Diese Anschuldigungen gegen den iranischen Diplomaten seien nicht neu und so unbewiesen wie zuvor, beschied ein Sprecher des Außenministeriums.Aber steter Tropfen soll den Stein höhlen. Nur kurze Zeit danach wollen amerikanische Soldaten an der iranisch-irakischen Grenze drei Mitglieder einer "von Iran unterstützten Miliz" festgenommen haben, die sich auch noch schuldig bekannten, im Mai fünf britische Experten im Finanzministerium entführt zu haben. Auch dafür wurden keine Beweise erbracht.Solche Nachrichten haben keine unmittelbaren Konsequenzen. Sie schaffen es nicht auf die Titelseiten. Aber sie sind Teile eines großen Mosaiks.Dieses Mosaik wird vervollständigt durch den massiven amerikanischen Militäraufmarsch am Golf; durch die steten Forderungen der USA nach strikteren Sanktionen bei gleichzeitiger Verweigerung von direkten Verhandlungen über die Nuklearfragen; durch die Berichte über arabische Regimes, die Angst vor dem schiitischen Iran haben und die USA angeblich sogar zu Angriffen drängen; durch die fast täglich erscheinenden Analysen, die sich mit der Wahrscheinlichkeit, dem Verlauf und den Folgen von Militärschlägen geg en den Iran befassen. Die Angriffe würden binnen der nächsten sechs Monate stattfinden, wird ein US-Geheimdienstler zitiert. Bush wolle sich so einen "wagnerianischen Abgang" verschaffen. Der Journalist Seymour Hersh schreibt im Magazin "The New Yorker", die Regierung favorisiere Angriffe auf die Revolutionsgarden statt auf die Nuklearanlagen des Irans. Israel, Frankreich und Großbritannien seien schon informiert.Aus der Sicht einiger Spitzenpolitiker Washingtons sind solche Angriffe tatsächlich sinnvoll. Der Iran mit seinen nuklearen Plänen und seinen regionalen Ambitionen, seinem Selbstbewusstsein und den anti-israelischen Tiraden seines Präsidenten stellt ein Problem dar. Wann und wie Sanktionen sich auswirken, ist ungewiss. Also will man durch Angriffe Chaos im Iran provozieren und einen Regimesturz ernten. Zumindest ließe sich so die Umsetzung der Nuklearprojekte bremsen. Es sollen ja auch keine Truppen ins Land geschickt, sondern Ziele aus der Luft angegriffen werden. Die Bush-Regierung glaubt nicht zu Unrecht, dass die wichtigsten Verbündeten - Großbritanniens Premier Brown, Frankreichs Präsident Sarkozy und Deutschlands Kanzlerin Merkel - dieses Mal an ihrer Seite stehen werden.Der Nutzen solcher Angriffe gegen den Iran scheint groß, das Risiko beherrschbar. Dieser Illusion gaben sich die USA allerdings auch hin, bevor sie Afghanistan und dann später den Irak angriffen.------------------------------Die Bush-Regierung glaubt nicht zu Unrecht, dass die wichtigsten Verbündeten - Großbritannien, Frankreich und Deutschland - dieses Mal an ihrer Seite stehen.
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