Niedrigwasser

Ungarns einziges AKW wird abgeschaltet: Donau-Niedrigwasser bedroht Stromversorgung

Die Donau sinkt auf einen Rekordtiefstand. Ungarns einziges Kernkraftwerk Paks muss deshalb erstmals vom Netz. Droht dem Land jetzt eine Energiekrise?

4 Min
Das Kraftwerk Paks nutzt Wasser aus der Donau, um seine vier Reaktoren zu kühlen.

Das Kraftwerk Paks nutzt Wasser aus der Donau, um seine vier Reaktoren zu kühlen.

© Attila Kisbenedek/AFP

Zum ersten Mal in seiner Geschichte steht das Kernkraftwerk Paks in Ungarn vor einer vollständigen Abschaltung. Grund ist ein Rekordtiefstand der Donau, deren Wasser normalerweise die Reaktoren kühlt. Das teilte Ministerpräsident Péter Magyar am Freitag bei einer Pressekonferenz am Kraftwerk mit, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete.

Das Kernkraftwerk Paks liegt rund 90 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest und deckt fast die Hälfte der ungarischen Stromproduktion. Für Millionen Menschen im Land stellt sich damit die Frage, ob und wann nun eine Energiekrise droht. Magyar zufolge könnte das gesamte Kraftwerk bereits am Dienstag oder Mittwoch heruntergefahren werden – und danach womöglich mehrere Wochen offline bleiben. Die EU erwägt ein Notfall-Treffen.

Warum die Donau das Kernkraftwerk Paks lahmlegt

Das Kraftwerk nutzt Wasser aus der Donau, um seine vier Reaktoren zu kühlen. Der außergewöhnlich niedrige Pegel stellt die Fähigkeit der Pumpen, genug Wasser in die Anlage zu befördern, jedoch derzeit auf eine gefährliche Probe.

Aktuell arbeitet Paks daher mit weniger als der Hälfte seiner normalen Leistung. Statt der üblichen 2000 Megawatt produziert es laut AP nur noch 965 Megawatt. Eine weitere Drosselung war laut Magyar bereits für Freitagabend absehbar.

Das Kernkraftwerk Paks, dessen Reaktor 3 bereits aufgrund extrem niedriger Wasserstände an der Donau abgeschaltet werden musste.

Das Kernkraftwerk Paks, dessen Reaktor 3 bereits aufgrund extrem niedriger Wasserstände an der Donau abgeschaltet werden musste.

© Daniel Kiss/MTI/AP/dpa

Der bisherige Rekordtiefstand der Donau stammt aus dem Jahr 2018 und lag bei minus 98 Zentimetern. Aktuell liegt der Pegel bereits darunter. Ein negativer Wert bedeutet, dass der Fluss unter den Nullpunkt der Messlatte gefallen ist – nicht, dass er leer ist.

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Nach den jüngsten Prognosen könnte der Pegel bei Paks auf bis zu minus 144 Zentimeter sinken. Bereits bei einem Stand von minus 134 Zentimetern muss das Kraftwerk laut Magyar vollständig heruntergefahren werden.

Erstmals seit über 40 Jahren komplett vom Netz

Das von der Sowjetunion errichtete Kraftwerk mit vier Reaktoren ging im Jahr 1982 in Betrieb. Seither wurde es nach Angaben von Magyar noch nie vollständig abgeschaltet.

Der ungarische Premierminister betonte laut dem ukrainischen Nachrichtenportal Telex, die Abschaltung selbst könne sicher durchgeführt werden und stelle keine Gefahr für die Bevölkerung oder die Umwelt dar. Telex zitierte den Ministerpräsidenten mit der Aussage, es bestehe keine nukleare Bedrohung für das Land.

Der stellvertretende technische Leiter des Kraftwerks, László Nagy, beschrieb die Lage dem Bericht zufolge als extrem und beispiellos. Sie sei weder durch Statistiken noch durch Prognosen vorhersehbar gewesen. Das Sicherheitskühlsystem müsse weiter in Betrieb bleiben, benötige jedoch deutlich weniger Leistung.

Nagy verwies darauf, dass der Donaupegel üblicherweise im August und September am niedrigsten ist. Sobald sich die Lage bessere, wolle man die Stromproduktion so schnell wie möglich wieder hochfahren.

Droht Ungarn jetzt eine Energiekrise?

Ungarn und weite Teile Mitteleuropas leiden seit Monaten unter einer anhaltenden Dürre. Sie trifft Tourismus, Landwirtschaft und Industrie. Für die kommenden Tage und Wochen wird kein nennenswerter Regen erwartet, sodass der Donaupegel vorerst nicht steigen dürfte.

Die Regierung hat große Energieverbraucher gebeten, ihren Verbrauch freiwillig zu senken – besonders in den Spitzenzeiten zwischen 17 und 22 Uhr. Der ungarische Energiekonzern MOL sagte laut AP zu, seinen Strombedarf um 65 Megawattstunden zu reduzieren, ein Minus von 40 Prozent gegenüber dem Normalverbrauch.

Nach Angaben von Magyar hat seine Partei zudem empfohlen, die für Montag und Dienstag geplanten Parlamentssitzungen auszusetzen, um Energie zu sparen. Alle staatlichen Einrichtungen sollten bis Montag ihre dekorative Beleuchtung abschalten.

EU könnte Notfall-Treffen für Ungarn einberufen

Die Europäische Kommission erklärte gegenüber Euronews derweil, sie sei bereit, ein Ad-hoc-Treffen ihrer Stromkoordinierungsgruppe einzuberufen. Ein Ereignis dieser Art könne die regionale Strombilanz zusätzlich belasten, so Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen. Zugleich betonte sie, es gebe derzeit keine unmittelbaren Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit.

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