Der 1. FC Union Berlin sucht einen Stürmer. Einen, der Bälle festmacht, Kopfballduelle gewinnt und Abwehrreihen mit bloßer Präsenz beschäftigt. Ausgerechnet so einen hat der Klub im Sommer abgegeben, wenn auch nur auf Zeit.
Denn Dmytro Bogdanov trägt in dieser Saison das Trikot von Energie Cottbus. Während Andrej Ilic den Köpenickern weiterhin fehlt, wäre Bogdanov eigentlich genau derjenige, der den Serben vertreten und die Rolle als physisch starker Stürmer neben jemandem wie Emmanuel Latte Lath einnehmen könnte – so wie er es schon in der Vorbereitung, vor seiner Leihe, getan hatte.
Zu allem Übel kommt, aus Union-Sicht, dass der junge Stürmer in der Zweiten Bundesliga noch immer auf seinen ersten Einsatz von Anfang an wartet. Während er in Köpenick also gebraucht würde, kommt er in der Lausitz nicht so recht zum Zug.
Cottbus hat einen Platz für Bogdanov frei
War die Leihe also ein Fehler? Nun, so ganz kann diese Frage noch nicht beantwortet werden. Denn der Wechsel hat durchaus gute Gründe. Der erste: Bei Cottbus ist ein Platz für den Ukrainer frei. Als Erik Engelhardt ausfiel, Cottbus’ Toptorschütze der Vorsaison (22 Tore in der 3. Liga), verpflichtete Energie keinen gestandenen Zweitligastürmer. Stattdessen kam Bogdanov.
In der Vorbereitung erhielt Dmytro Bogdanov noch reichlich Einsatzzeit bei Union Berlin.
© imago/O.Behrendt
Die Konkurrenz im Angriff heißt Lucas Copado und Justin Butler. Letzterer zeigte zwar zuletzt seine Torgefahr, schoss drei Tore. Klassische Mittelstürmer sind aber beide nicht. Das ist nur Bogdanov. Und auch wenn er bisher nur als Joker Minuten sammelte, wusste er diese doch zu nutzen. Zwei Tore stehen für ihn schon zu Buche. Eines davon war der Ausgleich in der Nachspielzeit beim spektakulären 4:4 gegen den VfL Wolfsburg.
Und obwohl Butler zwar aktuell die Nase vorn hat, muss Trainer Claus-Dieter Wollitz sich gar nicht zwangsläufig zwischen den beiden entscheiden. Sie könnten auch gemeinsam auflaufen und sich dabei gut ergänzen. Der Weg in die Startelf ist Bogdanov also nicht zwangsläufig verbaut.
Wollitz lässt Offensivfußball spielen
Vor allem aber der Trainer könnte langfristig für einen Erfolg der Leihe verantwortlich sein. Der hat nicht nur im Sommer betont: „Stürmer haben bei mir immer funktioniert.“ Er unterstreicht diesen Satz auch mit der Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt. Cottbus hat in der 2. Bundesliga als Aufsteiger nach sechs Spielen bereits 14 Tore erzielt – nur Hertha BSC, der 1. FC Nürnberg und der VfL Wolfsburg trafen öfter.
„Gern nehme ich zwei Gegentore, wenn ich sehe, dass wir die Möglichkeit haben, vier oder fünf zu schießen“, sagt Wollitz. Bogdanov, der sich bei Union früher oder später wieder hinter Ilic hätte anstellen müssen, könnte davon profitieren.
Union Berlin hat ein Stürmerproblem – Ist Joselu doch die Lösung?
In Cottbus ist die Konkurrenz auf seiner Position dagegen überschaubar. Und die ersten Entwicklungsschritte, die er in der Lausitz gehen konnte, fanden bereits Anerkennung: Am Sonnabend gab Bogdanov beim 2:2 in der Türkei sein Debüt in der U21-Nationalmannschaft der Ukraine.
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