Fußball

Freude beim 1. FC Union Berlin: TV-Revolution in der Bundesliga

Die Eisernen sind Bundesliga-Spitze bei den Zuschauerzahlen. Nun könnten neue TV-Zeiten den Fan-Liebling zusätzlich stärken.

Sebastian Schmitt
Sebastian Schmitt
4 Min
Zu den Spielen der Union-Frauen kommen Tausende Zuschauer in die Alte Försterei. Bald könnten es sogar noch mehr werden.

Zu den Spielen der Union-Frauen kommen Tausende Zuschauer in die Alte Försterei. Bald könnten es sogar noch mehr werden.

© IMAGO/Nordphoto / Engler

Immer wieder haben die Fans des 1. FC Union Berlin gegen Montagsspiele und zerstückelte Spieltage protestiert. Nun zeichnet sich für die Frauen-Bundesliga (FBL) tatsächlich eine grundlegende Änderung ab: Montagsspiele sollen der Vergangenheit angehören, zugleich soll die Zahl der verschiedenen Anstoßzeiten deutlich sinken. In Köpenick wird man die geplante TV-Revolution mit Wohlwollen verfolgen. Denn Union könnte von den geplanten Änderungen besonders profitieren.

Nach Fan-Protesten: Frauen-Bundesliga plant Reform

Die FBL plant mit der Vergabe der Medienrechte ab der Saison 2027/28 einen neuen Spieltag. Und der soll mit dem ungeliebten Montag aufräumen. Statt bislang sieben verschiedenen Anstoßzeiten an vier Tagen soll die Frauen-Bundesliga künftig nur noch drei feste Termine von Freitag bis Sonntag anbieten. Geplant sind ein Freitagabendspiel, eine Partie am Sonnabend und fünf Begegnungen am Sonntag, die parallel in einer Konferenz laufen.

Konkret nimmt die Vergabe der Medienrechte jetzt Fahrt auf. Bis zum 6. Oktober 2026 konnten interessierte Medienunternehmen ihre Teilnahme anmelden. Seit dem heutigen 7. Oktober laufen die bilateralen Gespräche zwischen der Liga und den potenziellen Rechteinhabern. Im November sollen verbindliche Angebote vorgelegt werden. Die Entscheidung über die Vergabe der Medienrechte ist im Rahmen der Mitgliederversammlung des Frauen-Bundesliga FBL e.V. am 30. November vorgesehen.

Die Fans des 1. FC Union Berlin feuerten die Frauen-Mannschaft bereits in der Regionalliga Nordost zahlreich an. In der Bundesliga kommen mittlerweile die meisten Zuschauer im Schnitt nach Köpenick.

Die Fans des 1. FC Union Berlin feuerten die Frauen-Mannschaft bereits in der Regionalliga Nordost zahlreich an. In der Bundesliga kommen mittlerweile die meisten Zuschauer im Schnitt nach Köpenick.

© IMAGO/Matthias Koch

Für Union Berlin ist das mehr als eine Änderung im TV-Plan. Die Köpenickerinnen haben in ihrer ersten Bundesliga-Saison gezeigt, welches Publikum sie erreichen können. Mit durchschnittlich 8202 Zuschauern pro Heimspiel war Union als Aufsteiger sogar der Verein mit dem höchsten Zuschauerschnitt der Frauen-Bundesliga. Gerade Familien gehören zu den Besuchern in der Alten Försterei. Und genau für diese Zielgruppe waren Montagabendspiele um 18 Uhr ein Problem.

Warum Union von den neuen TV-Plänen profitiert

Dass bei den Überlegungen auch die Interessen der Fans eine Rolle spielen, macht FBL-Präsidentin Katharina Kiel deutlich. „Wir stellen die Frauen-Bundesliga neu auf – und der Spieltag ist ein zentraler Teil davon“, sagt sie. „Wir wollen neue Impulse setzen und zugleich stärker auf das eingehen, was unseren Fans wichtig ist.“ Gerade Familien und ein junges Publikum seien wichtige Zielgruppen, die die Liga künftig noch besser erreichen wolle.

Die Fans haben das immer wieder deutlich gemacht und im Stadion An der Alten Försterei gegen die Ansetzungen protestiert. Beim 4:1 gegen Werder Bremen im Frühjahr hing vor der Partie das Banner „Alle vereint - gegen Montagsspiele“. Trotz des ungeliebten Termins kamen 6907 Zuschauer.

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Nun könnte sich der Protest tatsächlich auszahlen, auch wenn sich nicht seriös sagen lässt, wie groß der Einfluss der Fanaktionen auf die neue TV-Strategie war. Unions sportliche Leiterin Jennifer Zietz hatte jedenfalls früh einen anderen Umgang mit dem Spielplan gefordert. „Wir sind nicht glücklich mit den zerstückelten Spielzeiten. Der Montagabend ist nicht hilfreich für unsere Zielgruppe“, sagte sie.

Jennifer Zietz fordert familienfreundlichere Anstoßzeiten

Damit meinte Zietz nicht nur den Montag. Auch die Aufteilung des Spieltags auf immer neue Anstoßzeiten stößt bei ihr auf Kritik. Der Frauenfußball habe sich in kurzer Zeit stark verändert. „Wir müssen da alle mitziehen und ein Aspekt davon ist, dem Frauenfußball die richtige Plattform zur richtigen Zeit zu geben.“

Jennifer Zietz, Geschäftsführerin der Frauen des 1. FC Union Berlin, macht sich wiederholt für andere Anstoßzeiten in der Bundesliga stark.

Jennifer Zietz, Geschäftsführerin der Frauen des 1. FC Union Berlin, macht sich wiederholt für andere Anstoßzeiten in der Bundesliga stark.

© IMAGO/Matthias Koch

Genau hier wird die neue Sonntagskonferenz interessant. Fünf Spiele gleichzeitig, ein gemeinsamer Fußball-Nachmittag statt sieben Partien, die sich über vier Tage verteilen. Was beim Männerfußball längst zum festen Bestandteil des Wochenendes gehört, soll nun auch den Frauen helfen, ein eigenes TV-Erlebnis zu schaffen.

Sonntagskonferenz soll mehr Zuschauer erreichen

Zietz kann sich das gut vorstellen. „Ich persönlich finde das sehr spannend. Wenn ich die Möglichkeit habe, die Samstagskonferenz der Männer zu gucken, tue ich das definitiv.“ Warum sollte das beim Frauenfußball nicht funktionieren? „Ich glaube, wir können den Mut haben, das auch anzustreben.“

Für Union wäre das ein wichtiger Schritt. Die Mannschaft von Marie-Louise Eta hat gezeigt, dass Interesse vorhanden ist. Jetzt könnte die Liga endlich versuchen, Fernsehen und Stadion zusammenzudenken.

Denn Reichweite entsteht nicht nur vor dem Bildschirm. Sie entsteht auch auf den Tribünen. Wenn Familien am Wochenende gemeinsam zur Alten Försterei gehen können, gewinnt der Fußball. Sollte die TV-Revolution kommen, wäre das ein Erfolg für die Fans. Und für den Frauenfußball vielleicht der Beginn einer neuen Zeitrechnung.

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