Fußball

1. FC Union Berlin: Unbequeme Fragen an Horst Heldt

Während Trainer Mauro Lustrinelli nach dem Fehlstart weiter Rückendeckung erhält, wächst die Kritik am Manager.

Sebastian Schmitt
Sebastian Schmitt
4 Min
Manager Horst Heldt steht beim 1. FC Union Berlin nach dem Fehlstart in der Kritik.

Manager Horst Heldt steht beim 1. FC Union Berlin nach dem Fehlstart in der Kritik.

© imago/Frank Hoermann/Sven Simon

Horst Heldt hat beim 1. FC Union Berlin eine Aufgabe übernommen, die zunehmend schwerer zu erklären ist. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2024 hat sich der Verein sportlich nicht aus dem Abstiegskampf befreien können.

Nach einem Punkt aus den ersten vier Spielen und dem 0:7 beim FC Bayern ist die Geduld vieler Anhänger bereits zum Beginn der Saison erschöpft. Am Dienstag stellt sich der Manager gemeinsam mit Trainer Mauro Lustrinelli den Fragen der Fans. Allein das ist ihm anzurechnen. In der aktuellen Lage gäbe es sicher angenehmere Termine als einen Abend mit kritischen Anhängern.

Warum die Kritik vieler Fans vor allem Horst Heldt trifft

Wie so oft bei Union trifft die Kritik nicht zuerst die Mannschaft. Auch Lustrinelli, der erst seit diesem Sommer für Union arbeitet, genießt bei vielen Anhängern weiterhin Vertrauen. Der Schweizer ist neu in Köpenick und steht für einen Ansatz, der stärker auf spielerische Lösungen setzt.

Heldt dagegen wurde von Teilen der Fans schon bei seinem Amtsantritt skeptisch gesehen. Vielen galt der langjährige Bundesliga-Funktionär als Verkörperung des Fußball-Establishments und damit nicht unbedingt als die typische Union-Lösung. Die sportliche Entwicklung der vergangenen beiden Jahre hat diese Vorbehalte eher verstärkt.

Nach dem 0:7 beim FC Bayern wächst die Unruhe

In den sozialen Netzwerken und Union-Foren wird seine Arbeit zunehmend kritisch bewertet. Nach dem 0:7 in München schrieb ein Nutzer unter dem Namen „Zonengott“ mit deutlichem Sarkasmus: „Vor dem Hintergrund des Erfolges, dass es nicht zweistellig wurde, an dieser Stelle auch noch einmal herzlichen Dank an Horst Heldt für seine großartige Arbeit.“ Ein anderer forderte: „Heldt sollte so langsam seinen Hut nehmen.“

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Gesprächsbedarf: Trainer Mauro Lustrinelli und Manager Horst Heldt erwartet am Dienstag beim Fantreffen kein gemütlicher Abend.

Gesprächsbedarf: Trainer Mauro Lustrinelli und Manager Horst Heldt erwartet am Dienstag beim Fantreffen kein gemütlicher Abend.

© Matthias Koch/imago

Auch der Satz „Heldt muss raus!“ findet sich inzwischen unter den Reaktionen auf die sportliche Krise. Objektiv fällt die Bilanz unter Heldt bislang überschaubar aus. Auch die Trainerentscheidungen haben bislang nicht den erhofften Effekt gebracht. Nach Bo Svensson setzte Heldt auf Steffen Baumgart, um den sportlichen Umschwung einzuleiten. Nun fiel die Wahl auf Mauro Lustrinelli. Die erhoffte nachhaltige Stabilisierung blieb bislang aus.

Lustrinelli genießt Vertrauen, Heldt steht unter Druck

Zur Kritik gehört auch der Vorwurf, der Kader habe in den vergangenen Jahren eher an Qualität verloren als gewonnen. Allerdings wäre es zu einfach, die Entwicklung allein an Heldt festzumachen. Nach dem finanziell aufwendigen Ausflug in die Champions League muss Union weiterhin sehr genau auf die Ausgaben achten. Die Spielräume auf dem Transfermarkt sind deutlich kleiner, als viele Fans es sich wünschen würden.

Für Union geht es bei dem Treffen deshalb um mehr als um eine Abrechnung mit einzelnen Verantwortlichen. Der Verein muss nach dem Fehlstart wieder eine gemeinsame Richtung finden. Kritik gehört dazu. Weil Heldt sich den Fragen stellt, bietet der Abend zugleich die Chance, Entscheidungen und Rahmenbedingungen zu erklären. Entscheidend wird sein, was daraus entsteht.

Fan-Treffen an der Alten Försterei als wichtiger Stimmungstest

Viel Zeit bleibt allerdings nicht. Am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) kommt mit der SV Elversberg der nächste Aufsteiger an die Alte Försterei. Gegen die Saarländer muss der erste Saisonsieg her, damit sich die Stimmung rund um die Wuhle dreht. Blickt man in die Vergangenheit, war es immer eine besondere Stärke des 1. FC Union Berlin, dass der gesamte Verein trotz aller Unterschiede an einem Strang zieht. Ein Anhänger formulierte es nach der jüngsten Niederlage so: „Wir sind Union und wir stehen zu unserem Verein, egal was kommt, egal was ist.“

Es ist ein Satz, der zu diesem Verein passt. Er bedeutet nicht, dass Kritik verstummen muss. Im Gegenteil. Aber Union hat seine schwierigsten Phasen selten dadurch bewältigt, dass man sich gegenseitig zerlegt hat.

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