Union protestiert gegen Abbau der Kreuze am Checkpoint Charlie - Mittes Bürgermeister Zeller will die echte Mauer abreißen

Mauergedenken à la CDU

Uwe Aulich
3 Min

Mit Demonstrationen hat sich die Berliner CDU vehement für den Erhalt der nachgebauten Mauer am Checkpoint Charlie eingesetzt, an anderer Stelle im Bezirk Mitte will sie jetzt aber einen originalen Abschnitt der Hinterlandmauer opfern. Das Bezirksamt Mitte hat mit Bezirksbürgermeister Joachim Zeller (CDU) an der Spitze am Dienstag beschlossen, 90 Meter des insgesamt 410 Meter langen Betonwalls auf dem Gelände des Nordbahnhofs abzureißen. Der Teil der Hinterlandmauer soll weg, damit an dieser Stelle ein Fußballplatz gebaut werden kann.Zeller will damit eine seit Jahren geplante Neugestaltung des Nordbahnhofs durchsetzen. Außer dem Fußballplatz sollen dort Erholungsflächen für Anwohner entstehen, eine Beachvolleyballanlage mit 22 Feldern wurde in diesem Jahr schon errichtet. Zwischen dieser Anlage und dem Parkgelände stehen die übrigen 320 Meter Hinterlandmauer, die Zeller erhalten will.Für CDU-Generalsekretär Frank Henkel passt es nicht zusammen, dass seine Partei einerseits für den Erhalt aller Mauerreste eintritt, Zeller aber den Abriss der Hinterlandmauer billigt. "Ich hätte mir einen sensibleren Umgang des Bezirksamtes gewünscht", sagt Henkel. Dennoch hält er die Planung des Bezirks für einen "Kompromiss, den man heute eingehen muss". Schließlich könnten durch den Abriss die anderen Mauerreste auf dem Gelände erhalten werden.Mit dieser Argumentation befindet sich die CDU auf einer Wellenlänge mit Mittes Baustadträtin Dorothee Dubrau (Grüne). Anders als die CDU vermeidet die Stadträtin aber das Wort Abriss und spricht von einer Verlagerung der Mauerteile. "Die Hinterlandmauer ist an vielen Stellen kaputt. Den 90 Meter langen Abschnitt wollen wir dazu benutzen, die Lücken in dem nördlichen Abschnitt zu schließen und dort kaputte Mauerteile zu ersetzen", sagt Dubrau. Die Sanierung des 320 Meter langen Abschnitts werde knapp 80 000 Euro kosten.Im Senat weiß man erst seit wenigen Tagen von der Abrissplanung des Bezirks. Senatsbaudirektor Hans Stimmann äußert sich in einem Schreiben an Kultursenator Thomas Flierl (PDS) besorgt, weil der Mauerabriss das bislang allseits getragene Gedenkkonzept Berliner Mauer im Kern berühre. Auch der Kultursenator ist von dem Vorgehen des Bezirks überrascht. In einem Brief fordert Flierl Zeller auf, die Umsetzung des Abriss-Beschlusses auszusetzen. Andernfalls werde die letzte Chance vertan, in Berlin die flächenhaften Dimensionen des Mauerregimes darzustellen, so Flierl.Konzept wird überflüssigBereits im Februar hatten sich Senat, Bezirk, Historiker und Vertreter des Bundestages auf ein neues Konzept für die Bernauer Straße verständigt. So sollen auf dem einstigen Todesstreifen zwischen Gartenstraße und Strelitzer Straße alle noch vorhandenen Spuren der Mauer gesichert werden, um auf der gesamten Fläche die Mauergeschichte deutlich zu machen. Auch ein Zusammenhang zum Mauerpark in Prenzlauer Berg und zum Nordbahnhof soll hergestellt werden. Unter anderem ist an der Gartenstraße eine Aussichtsplattform geplant, von der man den Mauerstreifen in der Bernauer Straße und die Brachfläche auf dem Nordbahnhof sehen und damit das Ausmaß des Todesstreifens nachvollziehen kann. Sollten die Mauerteile abgerissen werden, sei das nicht mehr möglich, kritisiert Maria Nooke, die Leiterin der Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße. "Statt auf die Hinterlandmauer sieht der Besucher auf einen Sportplatz, das Mauerkonzept ist damit an einem zen- tralen Ort zerstört."------------------------------Grafik : Bezirkskonzept: Ein Teil der Hinterlandmauer soll einem Sportplatz weichen.------------------------------Foto : Löchrige Hinterlandmauer: Der Bezirk Mitte will 90 Meter abreißen lassen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner