ABC, ABC (1969): 1969 war ich noch gar nicht geboren. Und als ich in den Achtzigern den Kindergarten besuchte, brachte mich der "King of Pop" nur täglich zur Weißglut: "Mai-ke-he Jackson, Mai-ke-he Jackson!" riefen mir die Jungs hinterher. Ich hatte keine Ahnung, von wem die Rede ist. Erst mit Anfang 20, habe ich meinen Beinahe-Namensvetter für mich entdeckt: mit "ABC".Maike Schultz, VolontärinCan You Feel It, The Jacksons Live! (1981): Als dieser Titel erschien - ein Jahr vor "Thriller" - drehten sich die Discokugeln schon langsamer, die elektronische Musik klopfte an die Clubs. Überall? Nicht in Ost-Berlin. Dort donnerte es: Can You Feel It? Und wir konnten es fühlen! Dabei ging es im Titel um Hunger, Hass und Versöhnung. Darum, dass wir bessere Menschen werden sollten. Immerhin waren wir für ein Lied Brüder und Schwestern.Abini Zöllner, FeuilletonBeat It, Thriller (1982): Anfang der Achtziger saß ich tagelang vor dem Kassettenrekorder und hörte Radio, den Zeigefinger auf der Rekord-Taste. Eines Abends kam endlich "Beat it" von Michael Jackson - ich war überglücklich. Immer wieder spulte ich zurück, wirbelte meine kleine Schwester durchs Zimmer und spielte das Gitarrensolo auf der Luftgitarre mit. Die Kassette ging irgendwann kaputt. Die Hülle, auf der in Kinderschrift "Meikel Dschäksen - Bidid" stand, hatte ich noch lange.Silke Janovsky, VolontärinThriller, Thriller (1982): Dieses Album war erschütternd. Nicht, weil Michael Jackson in dem Video zum Werwolf mutierte, sondern weil "Thriller" so tränentreibend war, und erst das Video. Man konnte es nicht oft genug sehen. 1984 hatte die DDR-Plattenfirma Amiga ein Erbarmen und gab Devisen aus, um "Thriller" einzukaufen und bezahlte für 20 000 Platten Lizenzgebühren. Wie viele tatsächlich verkauft wurden (Preis: 16,10 Mark), ist ein noch immer gehütetes Geheimnis.Birgit Walter, FeuilletonSmooth Criminal, Bad (1987): Schon geschmeidig, dieser cremeweiße Anzug mit den mal wieder zu kurzen Hosen. Und erst die Nonchalance, mit der Jackson angreifende Schurken durch ein Hüftzucken erledigt. Das waren noch Videos! Für dieses bekam der Künstler sogar ein Patent: Der 45-Grad-Winkel, in dem sich die Tänzer vorwärts lehnen, wurde durch Keile im Boden ermöglicht, die sich in die Schuhsohlen einpassten. Ein heimwerkerhafter Triumph über die Schwerkraft.Carmen Böker, FeuilletonMan in the mirror, Bad (1987):Wenn ich mich mal wieder selbst bemitleide, fällt mir dieser Song ein. Ich war zehn, als meine Oma mir die Musikkassette des Albums schenkte. Mühsam übersetzte ich die Lieder Wort für Wort, bei "Man in the mirror" verstand ich die Botschaft sofort. Es geht um Veränderungen. Dass wir mit uns selbst anfangen müssen, mit dem Menschen, den wir jeden Tag im Spiegel sehen. Mir macht der Song noch immer Mut. Danke.Nancy Krahlisch, OnlineDirty Diana, Bad (1987): Das Lied ist viel rockig-sexier als andere Jackson-Songs. Hatte er doch verruchte Träume, bevor der Affe Bubbles sein bester Freund wurde? Als das Lied auf einer Schulparty gespielt wurde, drehte sich meine beschwipste Freundin so wild, dass sich ihre Haare am Knopf der Jacke eines Jungen verhedderten. Das sah ziemlich "dirty" aus. Ihr Name war Ute. Aber er verlor trotzdem den Verstand.Olivia Schoeller, Seite 3Jam, Dangerous (1991): In einer staubigen Turnhalle blödelt der größte Sportler mit dem größten Künstler der Neunziger Jahre. Michael Jordan übt tanzen, Michael Jackson lernt, wie man einen Ball wirft. Sie drehen das Video zu "Jam", dem Song zur Ära, als man Amerika noch ungestraft cool finden durfte. Als bei MTV noch Musikvideos kamen, als Kassettenrekorder in Ghettoblaster umbenannt wurden und als es auf dem Schulhof nur eine wichtige Frage gab: Nike oder Reebok?Boris Herrmann, SportHeal the World, Dangerous (1991): Es ist mir peinlich, aber wenn ich dieses Lied höre, bin ich gerührt. Weil es zwar Pop ist, aber es darin darum geht, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Weil es davon erzählt, dass alle zusammen das tun müssen, und diese Utopie niemand je wieder so simpel ausgesprochen hat. Und weil ich nie mehr so daran glauben konnte wie mit sechzehn.Marin Majica, Seite 3Billie Jean, The Bates, Pleasure and Pain (1995): Großartige Musik wird manchmal noch großartiger, wenn andere Musiker sie covern. Mit "Billie Jean" erging es mir so. Als die Nummer herauskam, konnte ich mit dem Popsong nichts anfangen (geht mir heute noch so). Aber die Version der deutschen Punkrock-Band The Bates von 1995, mit der herrlich aggressiven Gitarre, höre ich heute noch laut und gerne.Tobias Miller, Politik
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