Kubas Regierung hat in einer bemerkenswerten Doppelbewegung bestätigt, dass kubanische Funktionäre kürzlich Gespräche mit Vertretern der US-Regierung geführt haben. Gleichzeitig kündigte das Außenministerium in Havanna die Freilassung von 51 Gefangenen an, die im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Vatikan in den kommenden Tagen erfolgen soll.
Díaz-Canel bricht das Schweigen
In einer Ansprache vor dem Politbüro, dem Sekretariat des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei und dem Exekutivkomitee des Ministerrats erklärte Präsident Miguel Díaz-Canel, dass „kubanische Funktionäre kürzlich Gespräche mit Vertretern der US-Regierung geführt“ hätten. Die Gespräche seien darauf ausgerichtet, „auf dem Weg des Dialogs Lösungen für die bilateralen Differenzen zwischen beiden Nationen zu finden“. Es gebe „internationale Faktoren“, die diesen Austausch erleichtert hätten.
Díaz-Canel betonte, dass Kuba diesen Prozess auf der Grundlage von „Gleichheit und Respekt gegenüber den politischen Systemen beider Staaten, der Souveränität und Selbstbestimmung“ führe. Die Gespräche dienten dazu, bilaterale Probleme zu identifizieren, Lösungen zu erarbeiten und Kooperationsbereiche für Sicherheit und Frieden in der Region Lateinamerika und Karibik zu bestimmen. Der Prozess werde „mit Ernsthaftigkeit und Verantwortung“ geführt, weshalb die kubanische Führung nicht auf „spekulative Kampagnen“ zu diesem Thema reagiere.
Damit bestätigte Díaz-Canel indirekt das, was die kubanische Regierung zuvor noch bestritten hatte: dass offizielle Gespräche mit Washington stattfinden. Kubas Botschafterin in den USA, Lianys Torres Rivera, erklärte gegenüber der Los Angeles Times, ihr Land sei „bereit, mit den USA über bilaterale Beziehungen in Kontakt zu treten“, solange Kubas Souveränität respektiert werde. „Wir sind sicher, dass es möglich ist, eine Lösung zu finden“, sagte sie.
Der Enkel als Geheimkanal
Laut Berichten von Axios und dem Miami Herald soll Raúl Guillermo Rodríguez Castro, der 41-jährige Enkel des früheren Präsidenten Raúl Castro, in geheimen Gesprächen mit US-Außenminister Marco Rubio gestanden haben; laut einem weiteren Bericht traf er zudem mit Personen aus dem Umfeld Rubios zusammen. Der unter dem Spitznamen „El Cangrejo“ (Die Krabbe) bekannte Rodríguez Castro gilt als einer der engsten Vertrauten seines 94-jährigen Großvaters, der trotz seines Rücktritts als Präsident im Jahr 2018 und als Parteichef 2021 weiterhin großen Einfluss ausübt.
Rodríguez Castro war als ehemaliger Leibwächter Raúl Castros während dessen gesamter Präsidentschaft an seiner Seite, teilweise in der Militäruniform des Innenministeriums. Er soll den Rang eines Oberstleutnants bekleiden. Seine Mutter Deborah Castro Espín ist eine Tochter Raúl Castros. Rodríguez Castro hat sich nie öffentlich geäußert und keine Interviews gegeben. Die kubanische Regierung reagierte nicht auf Anfragen zu seiner Biografie oder einer möglichen Rolle in Verhandlungen.
Der US-Abgeordnete Mario Díaz-Balart bestätigte gegenüber dem Miami Herald, dass die Trump-Regierung „geheime Gespräche auf hoher Ebene mit mehreren Personen aus dem inneren Kreis Raúl Castros“ führe. Damit würde Rodríguez Castro eine ähnliche Rolle einnehmen wie zuvor sein Onkel Alejandro Castro Espín, der unter Präsident Barack Obama geheime Verhandlungen mit Washington geführt hatte, die damals zu einer historischen Annäherung führten. Alejandro Castro Espín, 60 Jahre alt und Oberst im Innenministerium, soll nach dem Ausscheiden seines Vaters aus dem Amt an Einfluss verloren haben.
Gefangenenfreilassung unter Druck
Die Ankündigung der Freilassung von 51 Häftlingen erfolgt zwei Wochen nachdem Außenminister Bruno Rodríguez Papst Leo im Vatikan getroffen hatte. Das kubanische Außenministerium erklärte, die Entscheidung stehe im „Geist des guten Willens und der engen Beziehungen zwischen dem kubanischen Staat und dem Vatikan“. Alle Betroffenen hätten einen erheblichen Teil ihrer Strafe verbüßt und sich im Gefängnis gut geführt.
Die Regierung verwies darauf, seit 2010 insgesamt 9.905 Häftlingen Begnadigungen gewährt und in den vergangenen drei Jahren weitere 10.000 vorzeitig entlassen zu haben. Im März 2025 seien bereits 553 Gefangene im Rahmen einer vom Vatikan vermittelten Vereinbarung freigekommen. Die aktuelle Freilassung falle mit den bevorstehenden religiösen Feierlichkeiten der Karwoche zusammen, so das Ministerium.
Menschenrechtsorganisationen weisen allerdings darauf hin, dass die kommunistische Regierung Hunderte politische Gefangene festhält – die Schätzungen variieren. Unklar bleibt, wie viele der 51 zur Freilassung vorgesehenen Personen wegen gewöhnlicher Straftaten oder wegen öffentlich geäußerter Kritik an der Regierung inhaftiert waren.
Trumps Drohkulisse
Die Gespräche und die Gefangenenfreilassung fallen in eine Phase extremen Drucks aus Washington. Am 3. Januar ließen die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festnehmen – damit verlor Kuba seinen wichtigsten ausländischen Unterstützer. Zudem hat die Trump-Regierung eine nahezu vollständige Ölblockade gegen den Karibikstaat verhängt, die Kubas ohnehin schwere Wirtschaftskrise weiter verschärft.
Trump selbst verschärfte die Rhetorik zuletzt erheblich. Am Montag erklärte er in Doral, Florida, Kuba könne Gegenstand einer „freundlichen Übernahme“ werden, fügte dann aber hinzu: „Es muss keine freundliche Übernahme sein.“ Kuba laufe „auf dem letzten Tropfen“, habe „keine Energie und kein Geld“, sagte Trump gegenüber Reportern. In den Wochen zuvor hatte er wiederholt erklärt, Kuba stehe entweder kurz vor dem Zusammenbruch oder sei begierig darauf, einen Deal mit den USA zu schließen.
Die kubanische Regierung betonte stets, keine Entscheidungen unter US-Druck zu treffen. Die für dieses Jahr geplante Wahl eines Nachfolgers für Díaz-Canel auf einem Parteitag der Kommunistischen Partei wurde auf Vorschlag Raúl Castros angesichts der Wirtschaftskrise auf unbestimmte Zeit verschoben – das Zentralkomitee stimmte im Dezember 2025 einstimmig zu. Bei seiner Vereidigung 2018 hatte Díaz-Canel noch erklärt, Raúl Castro werde „die wichtigsten Entscheidungen für Gegenwart und Zukunft der Nation leiten“.
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