Unteroffiziere feierten den Geburtstag des "Führers"

Peter Pragal
3 Min

BERLIN, 23. Februar. In Ostdeutschland gibt es mehr fremdenfeindliche Gewalttaten, gewaltbereite Aktivisten und von Rechtsextremisten dominierte Orte als im Westen. Das ist belegbar und wird von vernünftigen Leuten nicht angezweifelt. Heftig gestritten wird über die Ursachen. Die Probleme seien aus der alten Bundesrepublik importiert, sagen die einen und verteidigen den Mythos vom Antifaschismus der DDR. Der Rechtsradikalismus Ost sei hausgemacht und ein Erbe der SED-Herrschaft, sagen die anderen.Zu ihnen gehört Bernd Eisenfeld, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stasi-Unterlagen-Behörde. "Der Rechtsextremismus, wie er sich seit 1990 in den neuen Ländern zeigt, hat seine entscheidende Prägung über Generationen hinweg in der DDR erfahren", lautet seine zentrale These, die er bei einer Podiumsdiskussion im Hause der Bundesbeauftragten vortrug. Er untermauerte sie mit Zahlen und neuen Forschungsergebnissen, die auf Untersuchungen des MfS über rechtsextremistische Vorfälle beruhen. In Schulen, Jugendeinrichtungen und in der Nationalen Volksarmee.Von den 2 400 NVA-Angehörigen, die zwischen 1965 und 1980 von der Stasi wegen angeblicher Hetze in einer Kartei erfasst wurden, musste etwa ein Drittel wegen rechtsextremistischer Handlungen zur Rechenschaft gezogen werden, berichtete Eisenfeld. Die Dunkelziffer schätzt er weit höher ein. Wie die Auswertung der Stasi-Berichte ergab, waren am häufigsten Fälle, in denen das "Dritte Reich" glorifiziert wurde. Auch Wehrmachts- und Nazilieder, die Verwendung des Hitlergrußes, die Verherrlichung des "Idols Hitler" und antisemitische Äußerungen kamen vor. Eisenfeld sprach von Einzelerscheinungen, äußerte aber Verwunderung darüber, wie lange sich solche Aktivitäten in der NVA halten konnten.Mitte der 70er-Jahre etablierte sich etwa eine Gruppe von sechs Unteroffizieren als "Parteizelle der ehemaligen NSDAP". "Mit ihnen zog in die Unterkünfte der Hitlergruß als normaler Umgangston ein", berichtete Eisenfeld. Sie feierten "Führers Geburtstag", hetzten gegen Juden und Farbige und drangsalierten Untergebene, die nicht mitmachten. Selbst in den eigenen Reihen wurde die Stasi fündig. Im Wachregiment sei rechtsextremistisches Gedankengut "in mehreren Einzelfällen innerhalb von Gruppen- und Stubenkollektiven" aufgetreten, hieß es 1981. Bernd Wagner vom Zentrum für Demokratische Kultur, früher im DDR-Innenministerium tätig, kann derartige Fälle bestätigen: "Nicht in Massen, aber es gab sie." Er hat bei einem Teil der heutigen Rechten im Osten starke Sympathie für die DDR ausgemacht. Die sei für sie der bessere, weil antikapitalistische deutsche Staat gewesen - mit dem Manko, dass Kommunisten herrschten. Jan Behrends von der Uni Bielefeld schlussfolgerte, dass die rechte Szene im Osten "ohne den Blick auf die DDR nicht zu verstehen ist".Bundeswehr zieht Rechte an // Rechte Jugendliche drängen in die Bundeswehr. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, sind 16 Prozent der potenziellen Freiwilligen Sympathisanten von Parteien wie NPD, DVU und Republikanern. Das habe eine vom Verteidigungsministerium in Auftrag gegebene Umfrage ergeben. Im Herbst 1999 lag die Zahl noch bei zwölf Prozent. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil von Rechtssympathisanten unter jungen Männern konstant bei fünf Prozent. Im Osten sind es laut Umfrage mittlerweile elf Prozent.Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund werden für die Bundeswehr zu einem immer ernsteren Problem. Wie der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner (SPD), der "Sächsischen Zeitung" sagte, stieg die Zahl der Delikte im vergangenen Jahr im Vergleich zu 1999 um 135 auf insgesamt 196 sprunghaft an. Dabei handelte es sich vor allem um Schmierereien an Bundeswehrgebäuden, das Grölen von Naziparolen durch angetrunkene Soldaten und das Abspielen von CDs mit rechter Musik, sagte Penner.

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