Till Reiners ist ein deutscher Comedian, der sicher einige Fans hat, sonst würde ihm das öffentlich-rechtliche Fernsehen keine Bühne geben. Obwohl ...
Ich persönlich kenne ihn nicht, denn jemand mit Klasse, Schärfe und wunderbar böser Blitzgescheitheit wäre mir aufgefallen. Die Harald-Schmidt-Rubrik zum Beispiel, aber ach, schade, die Neunziger sind ja leider – zumindest, was das angeht – vorbei.
Reiners verbinde ich nur mit einem Gag, der nicht völlig danebenging, weil er Friedrich Merz einen „Provinzdulli“ nannte. Das war nah dran und konnte man gelten lassen. Aber ich werde ganz sicher auch in Zukunft die Finger von ihm lassen, denn jetzt hat er entweder zu tief in die Substanzenkiste gegriffen, steht kurz vor dem Aus oder hat sich beim Brainstormen mit der 3sat-Redaktionsleitung so richtig tief reingesteigert ins „Wie geben wir’s der AfD?“-Delirium.
Weist 3sat die Kanalisation als Kulturprogramm aus?
In seiner 3sat-Sendung „Happy Hour“ sprach der Comedian folgenden Satz, den hier zu wiederholen, ich mich wirklich schäme: „Alice Weidel liebt Ausländerfeindlichkeit und Homophobie“, so der blassblonde Duisburger, „noch mehr liebt sie, von einer Frau aus Sri-Lanka geleckt zu werden. Das findet sie richtig geil, geil, geil, geil.“ Die letzten Worte stieß der 41-Jährige (!) im Brustton sexueller Übererregung aus – oder aber sein Gegrunze täuschte dieses nur vor.
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MehrJa, das muss man erst mal sacken lassen: ein Witz, so geschmacklos, so tief unten im Gully herumdümpelnd, dass man sich fragen darf, ob 3sat inzwischen auch die Kanalisation als Kulturprogramm ausweist. Man muss nicht verklemmt sein, um hier keinen Lachreiz zu spüren. Man darf sogar – selbst als Nicht-Fan von Alice Weidel – rechtschaffen entsetzt sein. Dabei würde ich gern mal einen richtig gut-bösen und ins Mark gehenden Weidel-Witz hören. Aber selbst die muss man sich im Programm der Öffentlich-Rechtlichen selbermachen.
Ist das nun das neue Niveau im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? (War auch nur ein Joke, als wäre das Niveau nicht schon lange Thema.) Nein, ehrlich, 3sat: Muss man, um seine Abneigung gegen eine Politikerin zu illustrieren, so weit sinken im eigenen Anspruch? Damit auch der letzte begriffsstutzige Gebührenzahler versteht, dass der ÖRR Alice Weidel ganz doll bäh findet? Muss man selbst in der Jauche stehen, um Politiker, die man für Jauche hält, auch so aussehen zu lassen? Ich jedenfalls fühle mich in meiner Intelligenz brutalst beleidigt: Zwischen einer gelungenen Bosheit und einer lausigen Kanalratte liegen für mich Welten. Hat 3sat schon davon gehört?
Wichtig zu erwähnen wäre noch, dass Till Reiners, ja genau, dieser Till Reiners, dann doch durchaus zu Eindrücklichkeit in der Lage ist. Zumindest ab und zu, denn auch dieser Satz stammt von ihm, gute alte Komikerregel, wenigstens im angelsächsischen Raum: „Für jeden Witz, den man über andere macht, muss man auch einen über sich selbst machen.“ Mir läge einer auf der Zunge, aber der hat nur Reiners-Niveau. Und wie wir alle wissen, teilt das zumeist fragile männliche Ego zwar gern aus, steckt aber nix ein.
Soll der Ekeleffekt es jetzt richten?
Jetzt bleibt nur spannend, wie sich 3sat selbst zu dieser Zote äußert. Tatsache ist, im linksliberalen, grünen Comedy-Milieu, das politisch konform geht mit dem ÖRR-Milieu, muss die Angst inzwischen ziemlich groß sein. Wussten wir bis vor ein paar Jahren noch nicht mal, dass Kurt Krömer heftigst depressiv war, ist er jetzt wieder so gut drauf, AfD-Wähler „Schweinegesichter“ und „stinkend“ zu nennen. Kann man alles machen, aber ist es auch lustig? Hat es Größe? Eleganz?
Oder soll es jetzt der Ekeleffekt richten, da man sich über die Haltungsnoten des eigenen Publikums nicht mehr sicher sein kann? Könnten ja schließlich auch viele AfD-Wähler dabei sein. Fiktiver Talk unter ÖRR-Comedians: „Die sind so doof, die zahlen sogar für ihre eigene Beschimpfung! Mit dem Wort ‚Abschaum‘ haben wir sie in den letzten zehn Jahren zwar null kleingekriegt, aber vielleicht klappt’s ja, wenn man ganz flache Kacka-Pippi-Sex-Tourette-Witze über ihre Anführer reißt.“
Es scheint nicht gut zu stehen um unser aller Fernsehfunk: Neulich noch der ARD-Chef Florian Hager, der sich im Ronzheimer-Podcast ordentlich zerknirscht gab: Darüber, dass der ÖRR oftmals belehrend daherkomme, AfD-Wähler doch nicht völlig plemplem seien und die Leitmedien und der ÖRR zu viel links-grünen Nachwuchs aus Akademikerhaushalten in die Redaktionsstuben geholt hätten. Und nun: Till Reiners.
Ich will auch keine AfD, aber Kurt Krömers Wähler-Schelte stört mich trotzdem
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