SCHÖNEICHE. Über 5 300 Fahrgäste der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) haben sich mit ihrer Unterschrift in den vergangenen 14 Tagen für den Erhalt der Traditionslinie und damit für die Arbeitsplätze der Mitarbeiter eingesetzt. "Der Zuspruch war sensationell", sagt Hans-Günter Fischbach, der Betriebsratsvorsitzende der SRS, zur Resonanz der Aktion "Wir wehren uns". Die 39 Mitarbeiter hatten sie gemeinsam mit der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Transport und Verkehr (ÖTV) des Kreisverbandes Frankfurt/Oder durchgeführt. Am gestrigen Sonntag ging sie zu Ende. Auslöser für die Unterschriftensammlung war die Ankündigung des Landkreises Märkisch-Oderland, in diesem Jahr die Zuschüsse um 360 000 Mark auf 120 000 Mark zu kürzen. Das wäre das Aus der Straßenbahn, die seit 90 Jahren verkehrt. Denn die drei anderen Gesellschafter, der Landkreis Oder-Spree und die Gemeinden Schöneiche und Rüdersdorf, können das Defizit nicht ausgleichen."Haben Sie schon unterschrieben", fragt Christine Naehring einen jungen Mann an der Endhaltestelle in Berlin-Friedrichshagen. Die 43-jährige Tram-Fahrerin verzichtet auf ihre 14-minütige Pause, bevor sie die Bahn in Richtung Alt-Rüdersdorf wieder startet. Der junge Mann aus Woltersdorf trägt sich in die Liste ein - "weil ich sonst nicht wüsste, wie ich zu meinem Freund nach Schöneiche kommen soll". Auch Liselotte Stolle ist auf die Straßenbahn angewiesen. "Wenn die Bahn eingestellt wird, müsste ich umziehen. Das kann ich mir aber nicht leisten", sagt die 79-Jährige. Die Schöneicherin hat eine Jahreskarte, denn sie benützt die Tram, wenn sie zum Einkaufen, zum Arzt oder zu Freunden will.Fast 3 500 Berufspendler, Schüler und Berlin-Besucher nutzen die Bahn täglich. Aber auch viele Touristen, die zum Museumspark nach Rüdersdorf, in den Kleinen Spreewaldpark nach Schöneiche wollen oder sich in dem wald-und seenreichen Gebiet Entspannung suchen.In den Wagen der Tram selbst hängt auch eine Unterschriftenliste. Neugierig betrachten sie vier Männer, ausgerüstet mit Fotoapparaten. "Wir unterschreiben auch", sagt Mathias Richter. Er arbeitet gemeinsam mit seinen Begleitern bei den Dresdner Verkehrsbetrieben. Sie haben sich die beiden Landstraßenbahnen in Woltersdorf und eben die Tram 88 angesehen. "Wir unterstützen die Aktion", sagt Richter. Denn auch in Dresden seien Streckenstilllegungen im Gespräch. "Wir kämpfen für unsere Straßenbahn und damit um unsere Arbeitsplätze", sagt Christina Naehring. Denn für die Älteren sei es schwierig, eine neue Anstellung zu finden. "In meinem Alter ist es fast unmöglich wieder eine Arbeit zu finden", sagt die 43-Jährige. Deshalb hatte die Mutter von zwei Kindern vor einem Jahr auch den Tram-Führerschein gemacht. Vierzehn Tage im Monat fährt sie Bahn, die anderen zwei Wochen verkauft sie Fahrkarten. Die 22 Fahrer - darunter sechs Frauen - hätten zu viele Überstunden, deshalb habe sie sich entschlossen, Straßenbahn zu fahren. Da nehme sie auch in Kauf, dass sie durch den Schichtdienst ihren Mann nur selten sehe. Listen werden Kreistag übergebenDer SRS-Betriebsratsvorsitzende Fischbach will die Unterschriften gemeinsam mit der ÖTV dem Kreistag in Seelow übergeben. Weitere Aktionen wie ein Bürgerforum und ein Gespräch mit Politikern sind geplant. "Wir lassen uns doch die Bahn nicht kaputtmachen", sagt er. Und der Zuspruch durch die Fahrgäste hat ihn bestärkt."Wenn die Tram eingestellt wird, müsste ich umziehen. Aber das kann ich mir nicht leisten. " Liselotte Stolle
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