UNWETTER - Das Unglück beim Karneval der Kulturen ist noch nicht aufgeklärt. Meteorologen gehen davon aus, dass es in diesem Sommer stürmisch bleibt.

Sommerzeit - Gewitterzeit

Thorkit Treichel
3 Min

Das Unwetter vom vergangenen Sonntag wird nicht das Letzte in diesem Sommer gewesen sein. "Allein in den nächsten zwei Wochen werden sich immer wieder Gewitter ausbilden. Da kann es auch weitere Unwetter geben", sagte der Leiter des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam, Georg Kerath, am Dienstag. Gewitter seien im Sommer normal, auch das jüngste sei ein ganz normales Sommergewitter gewesen. Auffällig sei nicht die Stärke, sondern die Häufigkeit von Gewittern im Sommer. Diese Jahreszeit hat den Herbst als Zeit der Stürme und Unwetter mittlerweile abgelöst. Für den Meteorologen ist dies eine Folge des Klimawandels. Er sagte, die globale Erwärmung bewirke, dass sich mehr schwülwarme Luft in der Atmosphäre befindet. "So eine Luftmasse braucht nur einen kleinen Anschub von einer Kaltfront, damit starke Gewitterwolken entstehen", sagte Kerath. Die kalte Luft schiebt sich wie ein Keil unter die warme, die dann bis zu einer Höhe von zwölf oder 13 Kilometer in den Himmel schießt. Dort kühlt sie sich ab, Regentropfen oder Hagelkörner bilden sich. Kerath sagte, dass auch Laien in der Lage seien, ein aufziehendes Gewitter zu erkennen. "Die Gewitterwolke wird durch eine Eisschicht an der Obergrenze sichtbar. Sie sieht aus wie ein zerfaserter Amboss." Neben Gewitterwolken seien Böenwalzen sichere Vorboten. Unterhalb dieser dunklen Wolken verläuft waagerecht eine hellere Linie. "Wer solche Wolken sieht, sollte sehr schnell in ein Haus gehen, und wenn das nicht möglich ist, sollte er aufpassen, dass keine Bäume in der Nähe sind", sagte Kerath. Bäume seien im Sommer besonders gefährlich: "Sie sind voll be- laubt, das ist wie bei einem aufgetakelten Segelboot. Wenn da der Wind reinfährt, ist es weg." Am Sonntag wütete in der Region das Unwetter in der Niederlausitz am heftigsten, dort wurden die meisten Blitze gezählt. Den meisten Schaden richtete es aber in Berlin an. "Wir sind empfindlicher geworden", sagte der Meteorologe. "Vor 20 Jahren gab es noch keinen Karneval der Kulturen und nicht so viele Biergärten. Deswegen ereigneten sich weniger Unfälle." Obendrein seien die Menschen in der Großstadt unvorsichtig und würden Unwetterwarnungen häufig nicht beachten. Das kritisiert auch der Berliner Feuerwehrchef Albrecht Broemme. "Bringen Sie mal einen Berliner vom Caipirinha-Stand weg", sagte er. Viele Besucher des Festes am Blücherplatz hätten am Sonntag den Unwetterwarnungen keinen Glauben geschenkt. Aber auch das Frühwarnsystem sei verbesserungsbedürftig. So werde im Bundesinnenministerium erwogen, die Sirenen bei drohendem Unwetter heulen zu lassen und Warnungen per SMS zu übermitteln. "Man sollte alle verfügbaren Medien nutzen", sagte Broemme.BERLINER ZEITUNG/RITA BÖTTCHER Kalte und warme Luft treffen zusammen, Wolken laden sich elektrisch auf. In diesem Jahr gab es bereits sieben Unwetterwarnungen, 2002 waren es 19 und 2000 nur drei.

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