Unwetter

361 Liter pro Quadratmeter: Regenflut trifft Kreta – nächstes Unwetter naht

Straßen werden zu reißenden Flüssen, Autos landen im Meer, Hunderte Notrufe gehen ein. Doch die nächste Starkregenphase auf Kreta steht bereits bevor.

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Das Hochwasser des über die Ufer getretenen Flusses Drakouliaris überschwemmt ein Geschäft in der Nähe von Heraklion auf der Insel Kreta.

Das Hochwasser des über die Ufer getretenen Flusses Drakouliaris überschwemmt ein Geschäft in der Nähe von Heraklion auf der Insel Kreta.

© InTime News/AP

Heftige Regenfälle haben auf Kreta Überschwemmungen, Erdrutsche und schwere Schäden verursacht. Besonders außergewöhnlich waren die Niederschlagsmengen im Bergland: In Anogia im Regionalbezirk Rethymno registrierte das Messnetz des Nationalen Observatoriums Athen zwischen Mittwoch und Donnerstagmittag 361,4 Millimeter Regen. Das entspricht mehr als 361 Litern Wasser auf jedem Quadratmeter.

Ein 80-jähriger Viehzüchter kam griechischen Medien zufolge im Regionalbezirk Rethymno ums Leben. Der Mann aus Karines war am Mittwochabend zu seinem Stall gegangen und anschließend nicht zurückgekehrt. Feuerwehrleute fanden ihn am Donnerstag nahe einem Bachlauf unter angeschwemmtem Material. Zehn Feuerwehrleute, mehrere Fahrzeuge und eine Drohneneinheit waren an der Suche beteiligt.

Autos im Meer, Brücke von Wassermassen mitgerissen

Die Wassermassen richteten auf der Insel erhebliche Schäden an. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks ERT liefen Häuser und Geschäfte voll, Straßen wurden überflutet und Erdrutsche behinderten den Verkehr. In der Region Iraklion wurden Fahrzeuge bis ins Meer gespült. Der Fluss Drakouliaris trat über die Ufer.

Im bergigen Mylopotamos wurde eine Brücke von einem reißenden Bach beschädigt beziehungsweise weggerissen. Ein Paar stürzte mit seinem Fahrzeug in das Flussbett und wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Nach ersten Angaben bestand keine Lebensgefahr.

Die griechische Feuerwehr erhielt allein bis Donnerstagabend 255 Notrufe wegen des Unwetters. Einsatzkräfte pumpten Gebäude aus, beseitigten umgestürzte Bäume und brachten Menschen aus gefährdeten Bereichen in Sicherheit. In der Region Iraklion wurden nach offiziellen Angaben 13 Menschen an sichere Orte gebracht, im Raum Rethymno weitere drei.

Anwohner versuchen auf Kreta, ein Auto aus einer vom Unwetter schwer beschädigten Straße zu bergen. Die Fahrbahn war durch die Wassermassen teilweise weggebrochen.

Anwohner versuchen auf Kreta, ein Auto aus einer vom Unwetter schwer beschädigten Straße zu bergen. Die Fahrbahn war durch die Wassermassen teilweise weggebrochen.

© InTime News/AP

Kreta bleibt im „Red Code“

Entwarnung gibt es noch nicht. Der griechische Zivilschutz hat Kreta bis Sonntag in die höchste Bereitschaftsstufe „Red Code“ versetzt. Damit befindet sich der Katastrophenschutz der Insel in voller Einsatzbereitschaft. Die Behörden begründen den Schritt mit der hohen Gefahr weiterer Überschwemmungen.

Der staatliche Wetterdienst EMY erwartet von Freitagnachmittag an erneut eine deutliche Verschärfung. Besonders intensive Regenfälle und Gewitter werden auf Kreta am Freitagabend und im Verlauf des Samstags erwartet. Im südlichen Ägäischen Meer können die starken Niederschläge nach der aktuellen Prognose bis Sonntagmittag anhalten.

Problematisch ist dabei, dass die Böden vielerorts bereits mit Wasser gesättigt sind. ERT warnt deshalb unter Berufung auf Meteorologen und Behörden vor einer erhöhten Gefahr weiterer Überschwemmungen und Erdrutsche.

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Stürmischer Wind beeinträchtigt Fährverkehr

Zusätzlich zum Regen ziehen starke nordöstliche Winde über die Ägäis. EMY erwartet örtlich acht bis neun Beaufort, also stürmischen Wind bis Sturm mit Böen von teils mehr als 80 Kilometern pro Stunde. Die sehr starken Winde sollen bis Samstagnachmittag anhalten.

 Das hat bereits Auswirkungen auf den Schiffsverkehr. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur AMNA galt am Freitag unter anderem für die Häfen Rafina und Lavrio ein Auslaufverbot. Zahlreiche Fährverbindungen wurden eingeschränkt oder gestrichen.

Schon die erste Unwetterphase hatte auf Kreta enorme Regenmengen gebracht. Nach einer kurzen Abschwächung am Freitagvormittag richtet sich der Blick der Einsatzkräfte deshalb nun auf die zweite Wetterfront. Nach Angaben des Nationalen Observatoriums soll der neue Starkregen vor allem die nördlichen und bergigen Teile der Insel treffen.

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