Die monatelangen amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran haben dessen Fähigkeit zum Bau einer Atomwaffe nach Einschätzung von US-Geheimdiensten offenbar nicht weiter eingeschränkt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.
Der Iran wäre demnach weiterhin in der Lage, innerhalb von neun Monaten bis zu einem Jahr eine Atomwaffe zu bauen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit den Bewertungen der US-Geheimdienste vertraute Personen. An dieser Einschätzung habe sich seit dem vergangenen Sommer nichts geändert – obwohl seit Ende Februar erneut gekämpft wird.
Vor dem zwölftägigen Krieg im Juni seien die Dienste noch von drei bis sechs Monaten ausgegangen, hieß es weiter. Die damaligen US-Schläge gegen die Anlagen in Natans, Fordo und Isfahan hätten den Zeitraum verlängert, die seither laufenden Operationen aber dem Bericht zufolge nicht zusätzlich. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Informationen jedoch nicht.
Streit um den Verbleib des Urans – Weißes Haus widerspricht
Als Grund nennen die Reuters-Quellen die Ausrichtung der jüngsten Angriffe: Diese hätten sich vor allem gegen die konventionelle Militärführung und die Rüstungsindustrie gerichtet. Israel habe zwar einzelne Nuklearziele getroffen, doch die nach Juni verbliebenen Anlagen seien für US-Munition kaum erreichbar.
Im Zentrum steht laut Reuters der Verbleib von rund 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertem Uran. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) könne diesen Bestand seit der Aussetzung ihrer Inspektionen nicht überprüfen. Etwa die Hälfte werde in einem Tunnelsystem unter der Forschungsanlage Isfahan vermutet. Bei weiterer Anreicherung würde die Menge nach IAEA-Berechnungen für zehn Sprengköpfe reichen.
Die Sprecherin des Weißen Hauses, Olivia Wales, wies die Darstellung gegenüber Reuters zurück. Die im Juni durchgeführte Operation „Midnight Hammer“ habe Irans Atomanlagen zerstört, die laufende Operation „Epic Fury“ die Rüstungsbasis des Landes geschwächt. Präsident Donald Trump bluffe nicht, wenn er erkläre, dass der Iran niemals eine Atomwaffe besitzen werde.
Fachleute uneins über Bedeutung der Schläge
Eric Brewer, früherer US-Geheimdienstanalyst und heute beim Thinktank Nuclear Threat Initiative, sagte Reuters, der Iran verfüge nach derzeitigem Kenntnisstand noch über sein gesamtes Nuklearmaterial. Tief vergrabene Lager seien mit konventionellen Waffen nicht zu erreichen. US-Regierungsvertreter erwägen laut Reuters auch Bodeneinsätze, um das Uran in Isfahan zu bergen.
David Albright vom Institute for Science and International Security verwies auf die israelischen Tötungen iranischer Nuklearwissenschaftler. „Wissen lässt sich nicht wegbomben, Know-how dagegen sehr wohl“, sagte er. Der Iran bestreitet seinerseits, den Bau von Atomwaffen anzustreben.
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