Die US-Marine hat erstmals ein größeres unbemanntes Schiff in den regulären Einsatz einer Flugzeugträgerkampfgruppe integriert. Die rund 41 Meter lange „Seahawk“ begleitet den Verband um den atomgetriebenen Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt. Das Schiff kann weitgehend selbstständig navigieren und benötigt im normalen Betrieb keine Besatzung. Für die amerikanischen Streitkräfte ist der Einsatz ein wichtiger Schritt bei der Einführung autonomer Kriegsschiffe.
Der kommissarische US-Marineminister Hung Cao bestätigte die Premiere am Mittwoch bei einer Militärkonferenz in Washington. Erstmals sei eine Flugzeugträgerkampfgruppe gemeinsam mit einem größeren unbemannten Überwasserschiff in den Einsatz gegangen. Cao bezeichnete die neue Technologie als „Kräftemultiplikator“. Die Integration könne die militärischen Fähigkeiten bestehender Flottenverbände erweitern, berichtete das Fachmedium Inside Defense.
Die USS Theodore Roosevelt war Ende September von ihrem Heimathafen San Diego ausgelaufen. Am Freitag traf der Flugzeugträger gemeinsam mit einem Lenkwaffenkreuzer und einem Zerstörer im japanischen Marinestützpunkt Yokosuka ein. Der Verband bereitet sich dort auf das amerikanisch-japanische Militärmanöver „Keen Sword“ vor. Ob die Seahawk ebenfalls in Yokosuka angekommen ist, wurde nicht mitgeteilt.
Drohnenschiff Seahawk: 41 Meter lang und über 140 Tonnen schwer
Bei der Seahawk handelt es sich nicht um eine kleine Seedrohne, wie sie etwa die Ukraine im Schwarzen Meer gegen russische Kriegsschiffe einsetzt. Das amerikanische Drohnenschiff ist vielmehr so groß wie ein größeres Patrouillenboot.
Nach Angaben der US-Marine ist die Seahawk rund 41 Meter lang und hat bei voller Beladung eine Verdrängung von etwa 142 Tonnen. Entwickelt wurde sie vom amerikanischen Technologieunternehmen Leidos.
Ihr Rumpf besteht aus drei miteinander verbundenen Schwimmkörpern, einer sogenannten Trimaran-Konstruktion. Diese Bauweise soll das Schiff auch bei längeren Fahrten auf offener See stabil halten.
An Bord befinden sich Navigationssysteme, Sensoren und Computer, die zahlreiche Aufgaben selbstständig übernehmen können. Dazu gehören die Berechnung der Route, die Erkennung von Hindernissen und das Ausweichen vor anderen Schiffen.
Nach Angaben des Herstellers Leidos kann die Seahawk sogar dann weiter navigieren, wenn vorübergehend keine GPS-Signale verfügbar sind. Auch für den Ausfall einer Kommunikationsverbindung wurden alternative Übertragungswege vorgesehen. Menschen können den Betrieb weiterhin überwachen und bei Bedarf aus der Ferne eingreifen.
Wie die US-Marine ihre Flugzeugträger mit Drohnenschiffen schützen will
Die amerikanische Marine möchte unbemannte Schiffe künftig für zahlreiche Aufgaben einsetzen. Dazu zählen die Aufklärung, die Überwachung großer Meeresgebiete und die Suche nach feindlichen U-Booten.
Die Seahawk kann als zusätzliche Sensorplattform dienen. So könnten Kriegsschiffe ihre Umgebung über größere Entfernungen überwachen, ohne selbst ständig in gefährdete Gewässer fahren zu müssen.
Austin Gray, Mitgründer des amerikanischen Unternehmens Blue Water Autonomy, erklärte gegenüber Business Insider, dass mittelgroße und große Drohnenschiffe für solche Einsätze besonders interessant seien. Anders als kleinere unbemannte Boote könnten sie mit Flugzeugträgerverbänden über längere Strecken mithalten und mehr technische Ausrüstung transportieren.
Künftige Systeme könnten neben Aufklärungssensoren auch elektronische Störgeräte, weitere Drohnen oder Raketen tragen. Solche Ausstattungen würden es erlauben, bemannte Kriegsschiffe bei militärischen Operationen zu unterstützen.
Für die jetzt eingesetzte Seahawk ist eine Bewaffnung allerdings nicht bestätigt. Nach den öffentlich verfügbaren Angaben dient sie vor allem dazu, autonome Navigation, Sensorik und die Zusammenarbeit mit bemannten Schiffen unter realen Einsatzbedingungen zu erproben.
Das unbemannte Schiff Seahawk wird am 11. September 2026 vom US-Zerstörer USS Chafee auf hoher See betankt.
© U.S.Navy
US-Zerstörer betankte Drohnenschiff bereits auf hoher See
Eine technische Herausforderung bleibt die Versorgung der unbemannten Schiffe. Zwar können sie über längere Zeit ohne Besatzung fahren. Treibstoff benötigen sie dennoch.
Am 11. September erprobte die US-Marine deshalb ein besonderes Betankungsmanöver. Der Zerstörer USS Chafee versorgte die Seahawk während der Fahrt mit Treibstoff. Dazu wurde eine Leitung zwischen beiden Schiffen verlegt.
Wie das Fachportal USNI News berichtet, mussten dafür allerdings noch Seeleute an Bord der Seahawk gebracht werden. Bereits im April hatte die Marine eine vergleichbare Betankung mit dem Versorgungsschiff USNS Guadalupe getestet.
Die Experimente zeigen, dass die Technik noch nicht vollständig ohne menschliche Unterstützung auskommt.
Die Seahawk wurde bereits 2021 an die Marine übergeben und zunächst als Versuchsschiff eingesetzt. Bei Übungen sammelte sie Erfahrungen mit bemannten Kriegsschiffen. Im April dieses Jahres wurde sie nach Angaben des Herstellers schließlich vom experimentellen Betrieb in den regulären Flottenbetrieb übernommen.
Der aktuelle Einsatz ist deshalb keine Premiere auf See, sondern der Übergang von der Erprobung zu einer längeren militärischen Mission innerhalb eines Flugzeugträgerverbandes.
US-Flugzeugträger in Japan: Einsatz im Iran-Krieg nicht bestätigt
Der Zeitpunkt ist auch wegen der amerikanischen Militäroperationen im Nahen Osten bemerkenswert. Die USA und Israel führen seit Februar Krieg gegen den Iran. Amerikanische Kriegsschiffe beteiligen sich an der Seeblockade iranischer Häfen.
Business Insider berichtete am Donnerstag, dass die USS Theodore Roosevelt voraussichtlich weiter in Richtung Naher Osten verlegt werden könnte. Eine entsprechende endgültige Einsatzplanung liegt jedoch nicht öffentlich vor.
Stattdessen bestätigte die US-Marine am Freitag zunächst die Ankunft des Flugzeugträgers im japanischen Yokosuka. Laut einer offiziellen Mitteilung bereitet sich der Verband dort auf das Manöver „Keen Sword“ mit den japanischen Streitkräften vor. Welche Aufgaben die Seahawk dabei übernehmen könnte, wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Die amerikanischen Streitkräfte haben kleinere unbemannte Überwasserschiffe bereits im Nahen Osten eingesetzt, unter anderem bei Rettungsoperationen. Auch die Ukraine demonstrierte im Schwarzen Meer, dass Seedrohnen größere Kriegsschiffe erheblich gefährden können.
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