BERLIN. Ein blauer Pappesel und einige rote Luftballons, soviel Patriotismus muss sein. Ansonsten geht es multinational zu im Kreuzberger Restaurant Max und Moritz, das die Berliner Abteilung der US-Auslandsdemokraten in dieser Superdienstagsnacht zum Wahllokal umfunktioniert hat. Es gibt Flammkuchen aus dem Elsass, Klaviermusik aus Australien und Bier aus Berlin. Ganz gleich, ob das nun ein Planungsfehler oder eine Strategie war, es passt zu diesem Senator aus Illinois, der ja angetreten ist, um als künftiger Präsident das Bush-Amerika mit dem Rest der Welt zu versöhnen. Es passt zu Barack Obama.Auch die rund 500 US-Demokraten, die derzeit in Berlin wohnen, haben sich von seinem flegelhaften Charme anstecken lassen. Ihr Ortsvorsitzender Michael Steltzer sagt zwar: "Ich strenge mich tierisch an, dass wir nicht so polarisiert in die Wahl gehen." Aber so sehr er sich auch anstrengt, am Ende gibt er zu: "Obama ist derjenige, der Amerika seinen guten Ruf zurückgeben kann." Zwar werden die Auslandsdemokraten die Ergebnisse ihrer "Global Primary" erst am 21. Februar verkünden, bei einer informellen Befragung im Max und Moritz aber kam Obama auf knapp 80 Prozent, nur jeder Fünfte sprach sich für seine parteiinterne Konkurrentin Hillary Clinton aus. In keinem Staat der USA lag Barack Obama am Superdienstag so weit vorne wie in Berlin.Wenn Deutschland Bush vermisstNun wird die Wahl des US-Präsidenten nicht in Berlin entschieden. Aber sie wird hier nicht allein aufgrund ihres filmreifen Spannungsbogens so aufmerksam verfolgt wie selten. Außer Frage steht, dass der Ausgang des Rennens einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Berliner Republik haben wird. Der Koordinator der Bundesregierung für die Zusammenarbeit mit den USA, Karsten Voigt (SPD), wies am Mittwoch erneut darauf hin, dass der künftige US-Präsident, egal wie er am Ende heißen wird, Deutschland noch stärker in die Pflicht nehmen könnte als bisher. Diese Einschätzung teilt auch der Präsident des Amerikanischen Councils für Deutschland, William Drozdiak, der mit Blick auf die deutsch-amerikanischen Unstimmigkeiten hinsichtlich des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr feststellte: "Die Erleichterung über den Abgang von George Bush könnte sich in Deutschland bald drehen." Die Begeisterung über Barack Obama ebenfalls, sollte das wohl heißen.Auf Einladung der US-Botschaft analysierte Drozdiak am Mittwochmorgen bereits die Ergebnisse der Wahlnacht, als in Kalifornien noch ausgezählt wurde. "Der Wahlkampf der Demokraten wird sich nun auf die Frage konzentrieren, wer ist der bessere Herausforderer von John McCain. Hier sehe ich Obama im Vorteil", sagte Drozdiak. Gegen den Kriegsveteran McCain, 71, werde Obama seine Botschaft, er sei der Anführer einer Jugendbewegung, noch besser zur Geltung bringen als bisher. Hillary Clinton sei nicht nur mit McCain befreundet, sondern insgesamt zu sehr im Establishment verwurzelt. Die Unterstützung ihres Mannes, des früheren Präsidenten Bill Clinton, habe ihr ohnehin eher geschadet. Drozdiak stellte die Frage, was eigentlich mit Bill passiere, wenn seine Frau ins Weiße Haus einziehen sollte. Im Stab von Hillary Clinton kursiere bereits eine mögliche Lösung: "Man muss ihn in ein Flugzeug setzen und das ganze Jahr durch die Welt fliegen lassen."Das Dossier zur Wahl unter: www.berliner-zeitung.de/us-wahl
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