US-WAHL - Kurz vor dem Nominierungskonvent der Demokraten hat Barack Obama seinen potenziellen Vize-Präsidenten vorgestellt. Denver erwartet eine große Show.

Antreten zum Endspurt

Olivia Schoeller
5 Min

DENVER. So etwas hat die ehemalige Goldgräberstadt noch nie erlebt: Parteimitglieder und Delegierte, Journalisten und Lobbyisten, Aktivisten und Demonstranten, Prediger und Manager und Hunderte von Schaulustigen werden in Denver erwartet, wo die Demokraten ihren Parteitag zelebrieren. In den kommenden vier Tagen sollen insgesamt 50 000 Gäste durch die Straßen der eher gemütlichen Western-Stadt am Fuße der Rocky Mountains drängeln - zum Pepsi-Center, dem Ort des Parteikonvents und zum Invesco-Football-Stadion, wo am letzten Abend Barack Obama vor 70 000 Fans und schätzungsweise mehr als 20 Millionen Fernsehzuschauern die Nominierung seiner Partei annehmen wird. Beobachter sprechen von einer Krönung.In den drei Tagen zuvor will die Partei mit vielen prominenten Rednern und Rockstars das Publikum gewinnen. Mit der Betonung auf seine "typisch amerikanischen Wurzeln", wird Obamas Frau Michelle am ersten Abend die Rede zur besten Einschaltquoten-Zeit halten. Offenbar fällt ihr die Aufgabe zu, den Kandidaten Obama mit seiner "ungewöhnlichen Herkunft" (Vater aus Kenia, Mutter aus Kansas, in Hawaii und Indonesien aufgewachsen, ungewöhnlicher Name) dem Wähler näher zu bringen. An dem Familien-Abend soll auch Obamas Schwester Maya Soetero-Ng sprechen. Von der Politprominenz nehmen Umweltschützer Al Gore und Ex-Präsident Jimmy Carter das Mikrofon.Mit großer Spannung erwarten Beobachter die Rede von Obamas ehemaliger Rivalin Hillary Clinton am folgenden Tag. Lange haben die Teams der beiden gestritten, wie Clinton auf dem Parteitag zu würdigen sei, ohne Obama zu schaden. Am Ende einigte man sich darauf, ihren Namen auf der Wahlliste zu lassen, damit ihre Delegierten zumindest symbolisch für sie abstimmen können. Das Prozedere ist noch nicht festgelegt, aber am Ende wird Hillary Clinton ihre Delegierten auffordern, Obama zu unterstützen. Das ist zwar ungewöhnlich für einen Parteitag, aber nach dem bitteren Vorwahlkampf offenbar nötig, um die Partei zu einen. So werde man der historischen Rolle Clintons gerecht, sagte Obama.Lange war auch gerätselt worden, wie Bill Clinton den Schulterschluss mit Obama zelebrieren würde. Nach der Niederlage seiner Frau hatte sich der ehemalige Präsident zunächst unwillig gezeigt, Obama zu unterstützen. Er soll nun am dritten Abend sprechen. Damit sichern sich die Clintons eine prominente Rolle auf diesem Parteitag. Ob aber damit die Partei geeint wird? Umfragen zufolge sind einige Clinton-Anhänger nicht bereit, Obama zu wählen. 21 Prozent von ihnen wollen lieber für den Republikaner McCain stimmen.Vielleicht ist es kein Zufall, dass das Thema Nationale Sicherheit eine zentrale Rolle auf dem Konvent spielt. Dafür holen die Demokraten am dritten Abend neben Bill Clinton die Größen ihres nationalen Sicherheitsteams aufs Podium: John Kerry, der 2004 für das Präsidentenamt kandidierte, Senator Joe Biden, soeben zum Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft ernannt, und Senator Harry Reid. Den Parteitag beschließen wird am Donnerstag Obamas Nominierung, für die Eintrittskarten auf dem Schwarzmarkt für mehr als 3 000 Dollar gehandelt werden. An diesem Abend wird in Denver Geschichte geschrieben. Erstmals wird eine der beiden großen amerikanischen Parteien einen Schwarzen zu ihrem Präsidentschaftskandidaten machen. Und es ist kein Zufall, dass Obama diese Nominierung just an dem Tag annehmen wird, an dem vor 45 Jahren Martin Luther King seine "I have a dream"-Rede hielt.------------------------------Obamas langer Weg zur KandidaturIn einem langen und hart geführten Vorwahlkampf schlug Barack Obama, der Senator aus Illinois, seine innerparteiliche Konkurrentin und Senatskollegin Hillary Clinton aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur. Ein Blick zurück auf die wichtigsten Stationen:16. Januar 2007: Obama startet seinen Wahlkampf mit der Gründung eines Sondierungskomitees.20. Januar: Hillary Clinton steigt in das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur ein, sie gilt als Favoritin.10. Februar: Obama gibt seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten offiziell bekannt. Ihm werden Außenseiterchancen eingeräumt.Januar 2008: Obama gewinnt die Vorwahlen in Iowa und South Carolina, Clinton siegt in New Hampshire, Michigan, Nevada und Florida.5. Februar: Am "Super Tuesday" gewinnt Obama die Vorwahlentscheidungen in 13 Staaten, Clinton siegt in neun Staaten. Obama gewinnt außerdem in Louisiana, Maine, Washington, Nebraska, D.C., Maryland, Virginia, Hawaii und Wisconsin.4. März: Clinton siegt in Texas, Ohio und Rhode Island, Obama in Vermont, Wyoming (8.3.) und Mississippi. (11.3.)18. März: Obama distanziert sich von seinem langjährigen Pfarrer Jeremiah Wright und dessen radikalen Äußerungen zum Verhältnis von Weißen und Schwarzen.22. April: Clinton gewinnt die Vorwahl in Pennsylvania.Mai: Clinton siegt in Indiana, West Virginia und Kentucky, Obama in North Carolina und Oregon. Am 31. Mai beschließt die Führung der Demokratischen Partei, dass die wegen eines Terminkonflikts umstrittenen Vorwahlen in Michigan und Florida nur zur Hälfte gewertet werden, was für Obama von Vorteil ist.3. Juni: Bei den beiden letzten Vorwahlen gewinnt Barack Obama in Montana, Clinton in South Dakota. Weitere in ihrer Entscheidung ungebundene "Superdelegierte" stellen sich nun hinter Barack Obama. Er sichert sich damit die Mehrheit für die Kür zum Präsidentschaftskandidaten. Am 8. Juni gratuliert Hillary Clinton Obama und sichert ihm Unterstützung zu.------------------------------Foto: Hillary Clinton muss jetzt auch an Obamas Wandel-Wünsche glauben.------------------------------Foto: Barack Obama und seine Frau Michelle in Springfield

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