Die USA kommen bei der Produktion ihrer neuen Atombombe B61-13 deutlich schneller voran als geplant. Nach Angaben der US-Atombehörde NNSA sind inzwischen sämtliche zentralen nuklearen Bauteile für die vorgesehene Serie fertiggestellt worden.
Die Komponenten werden im Atomwaffenkomplex Y-12 im Bundesstaat Tennessee gefertigt und anschließend nach Texas gebracht. Dort werden sie im Pantex-Werk mit weiteren Teilen zu den vollständigen Bomben zusammengesetzt. Die gesamte B61-13-Serie ist damit noch nicht fertig, ein zentraler Produktionsschritt aber bereits abgeschlossen.
Damit war die Fertigung und Abnahme dieser Komponenten rund sieben Monate früher abgeschlossen als geplant, wie die National Nuclear Security Administration am 10. September mitteilte.
Bei den jetzt fertiggestellten Teilen handelt es sich um sogenannte Canned Subassemblies. Vereinfacht gesagt sind das zentrale Bestandteile des nuklearen Sprengsatzes. Sie enthalten unter anderem Komponenten der zweiten Stufe einer thermonuklearen Waffe und werden in einem Metallgehäuse zusammengebaut.
Atomwaffen-Vertrag von USA und Russland ausgelaufen: Fünf Staaten schlagen Alarm
Erste B61-13 fast ein Jahr früher fertig
Schon zuvor hatte das Programm den Zeitplan deutlich unterboten. Im Mai 2025 meldete die NNSA die Fertigstellung des ersten vollständigen Exemplars der B61-13 in Pantex – fast ein Jahr vor dem ursprünglich vorgesehenen Termin und weniger als zwei Jahre nach der offiziellen Ankündigung des Programms.
Der Kongress hatte die Finanzierung erst rund 13 Monate zuvor freigegeben. Nach Angaben der Sandia National Laboratories gelang das ungewöhnlich hohe Tempo vor allem deshalb, weil Konstruktion, Qualifikation und Produktionsverfahren in weiten Teilen auf der unmittelbar zuvor gefertigten B61-12 aufbauen. Bereits geprüfte Daten und Montageverfahren konnten übernommen werden.
Die B61-13 war im Oktober 2023 vom Pentagon angekündigt worden. Damals begründete das Verteidigungsministerium das Projekt mit einem sich verändernden sicherheitspolitischen Umfeld und wachsenden Bedrohungen durch mögliche Gegner. Zugleich stellte das Pentagon klar, die Entscheidung sei nicht als Reaktion auf ein einzelnes aktuelles Ereignis getroffen worden.
B61-13 hat höhere Sprengkraft als B61-12
Technisch ist die B61-13 keine vollständige Neukonstruktion, sondern eine neue Variante der seit Jahrzehnten eingesetzten B61-Familie. Sie übernimmt nach Angaben von Pentagon und NNSA die modernen Sicherheits-, Sicherungs- und Präzisionsmerkmale der B61-12, verfügt aber über eine höhere Sprengkraft. Diese soll mit der älteren B61-7 vergleichbar sein und über derjenigen der B61-12 liegen.
Eine konkrete Sprengkraft in Kilotonnen nennen die aktuellen offiziellen Unterlagen nicht.
Die B61-13 soll dem US-Präsidenten zusätzliche Optionen gegen bestimmte gehärtete und großflächige militärische Ziele geben. Die NNSA betont zugleich, dass das Pentagon gemeinsam mit der Atombehörde separat an einer umfassenderen Strategie gegen harte und tief verbunkerte Ziele arbeitet.
Anders als die B61-12, die auch von verschiedenen Kampfflugzeugen getragen werden kann, soll die B61-13 ausschließlich für strategische Bomber zertifiziert werden. Nach Angaben der NNSA ist ihre Stationierung auf Stützpunkten im kontinentalen Gebiet der Vereinigten Staaten vorgesehen.
Zahl der US-Atomwaffen soll nicht steigen
Die Einführung der B61-13 soll nach den offiziellen Planungen nicht zu einem zahlenmäßig größeren US-Atomwaffenarsenal führen. Das Pentagon erklärte bereits bei der Ankündigung 2023, dass ein Teil der vorhandenen B61-7 ersetzt werde. Zugleich soll die Zahl der produzierten B61-12 um ebenso viele Exemplare reduziert werden, wie B61-13 gebaut werden.
Trotz der früh erreichten Produktionsmeilensteine ist das B61-13-Programm noch nicht abgeschlossen. Im Haushaltsentwurf der NNSA für das Finanzjahr 2027 wird die Bombe weiterhin in Phase 6.6 geführt, der Serienproduktion. Dort sind weitere Arbeiten und die Auslieferung der vorgesehenen Waffen an das US-Militär eingeplant.
NNSA-Chef Brandon Williams begründete das beschleunigte Tempo in einer Behördenmitteilung vom 10. September mit der Aufrüstung anderer Atommächte. Gegner der USA modernisierten und erweiterten ihre Nukleararsenale „in hohem Tempo“, erklärte er. Deshalb müsse auch die amerikanische Atomwaffen-Infrastruktur schneller neue Fähigkeiten bereitstellen.
Bundeswehr: Drohnenregiment mit 600 Soldaten und 500 km Reichweite
Nato entwickelt „Theorie des Sieges“: Drohnen und KI gegen Russlands Angriff
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]