Die US-Streitkräfte haben ihre Luftangriffe auf den Iran in der sechsten Nacht in Folge fortgesetzt und dabei zunehmend Infrastruktur ins Visier genommen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hat Teheran derweil die verbündeten Huthis in Jemen angewiesen, sich für eine Schließung des Bab al-Mandeb im Roten Meer bereitzuhalten.
Bei den jüngsten US-Angriffen seien im Süden des Iran mindestens fünf Brücken, der Bahnhof der Küstenstadt Bandar Khamir sowie der Flughafen von Iranshahr getroffen worden, berichteten iranische Staatsmedien. In Bandar Khamir seien nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA sieben Menschen ums Leben gekommen. Die Stadt liegt an der Küste der Straße von Hormus.
Das US-Regionalkommando Centcom teilte mit, Kampfflugzeuge, Drohnen und Kriegsschiffe hätten „Dutzende iranische Militärziele" wie Küstenüberwachungs- und Luftabwehrstellungen sowie maritime Anlagen nahe Bandar Abbas und auf der Insel Qeschm getroffen.
Bandar Abbas beherbergt den größten Hafen des Landes sowie wichtige Marinestützpunkte, die Insel Qeschm liegt strategisch günstig in der Meerenge. Ziel der Angriffe sei es, „die militärischen Fähigkeiten Irans weiter zu schwächen“, so Centcom.
Streit um die Straße von Hormus – Soldaten entern Schiff
Auslöser der erneuten Eskalation ist die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert wurde. Der Iran hatte die Meerenge in der vergangenen Woche erneut für gesperrt erklärt, US-Präsident Donald Trump verhängte daraufhin am Dienstag wieder eine Seeblockade iranischer Häfen.
Nach Centcom-Angaben leiteten US-Streitkräfte drei Handelsschiffe um, setzten ein weiteres Schiff außer Gefecht und enterten die „M/T Wen Yao“ im Golf von Oman.
Trump hat mit Angriffen auf iranische Kraftwerke und weitere Brücken gedroht, sollte Teheran nicht in Verhandlungen zurückkehren. In einer Fernsehansprache sagte er, die USA gewännen „auch im Iran deutlich“.
Neue Drohkulisse im Roten Meer
Nach Angaben zweier iranischer und einer regionalen Quelle gegenüber Reuters hat die Führung in Teheran die Huthis angewiesen, Angriffe auf Schiffe im Bab al-Mandeb vorzubereiten, falls Washington die iranische Stromversorgung angreift. Eine den Huthis nahestehende Quelle sagte, die Miliz habe Raketen und Drohnen im jemenitischen Hochland nahe der Meerenge stationiert und warte auf den Befehl. Die Entscheidung über eine Sperrung liege bei Vertretern der iranischen Revolutionsgarden, die bereits in Jemen seien.
Eine Sperrung des Bab al-Mandeb würde nach Einschätzung von Reuters neben der bereits geschlossenen Straße von Hormus die zweite große Ölexportroute des Nahen Ostens lahmlegen. Rund sieben Prozent der globalen Energielieferungen laufen derzeit über das Rote Meer, unter anderem über den saudischen Hafen Janbu. Regionale Quellen sagten Reuters, Saudi-Arabien nehme die Drohungen sehr ernst.
Gegenangriffe auf US-Stützpunkte
Als Reaktion auf die US-Angriffe griff der Iran nach eigenen Angaben US-Einrichtungen in Bahrain und Kuwait an. Am Freitagmorgen wurden zudem Angriffe auf die US-Militärbasis Al-Tanf in Syrien bekannt.
In der katarischen Hauptstadt Doha waren mehrere Explosionen zu hören, das Innenministerium teilte mit, ein Kind sei durch Splitter verletzt worden. Katar vermittelt gemeinsam mit Pakistan in den bislang ergebnislosen Verhandlungen.
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