Der Mann, dessen Porträt seit mehr als 20 Jahren den in Rom verkauften „Calendario Romano“ ziert, ist kein Priester und war es nie. Das berichtete die Nachrichtenagentur AP nach einem Gespräch mit ihm in Verona. Aufgegriffen hatte den Fall zuvor die Tageszeitung La Repubblica.
Vom Foto in Palermo zum Souvenir in Rom
Giovanni Galizia ist 39 Jahre alt und arbeitet als Flugbegleiter bei einer spanischen Fluggesellschaft, wo er nach eigenen Angaben Kabinenpersonal ausbildet. Der Fotograf Piero Pazzi habe ihn mit 17 Jahren über gemeinsame Bekannte angesprochen. Das Bild entstand vor einer Barockkirche in Galizias Heimatstadt Palermo. „Es war das Lächeln eines verlegenen Jungen, weil ich meine Freunde vor mir lachen sah, weil ich angezogen war wie ein Priester“, sagte Galizia gegenüber AP.
Der „Calendario Romano“ wird seit mehr als zwei Jahrzehnten als Rom-Souvenir verkauft und zeigt jedes Jahr zwölf Schwarz-Weiß-Porträts junger Männer, meist in Priesterkleidung. Viele Aufnahmen werden laut AP von Jahr zu Jahr wiederverwendet. Verkauft wird der Kalender in Souvenirläden rund um den Vatikan und im historischen Zentrum Roms. Der Kalender ist kein offizielles Produkt des Vatikans, sondern ein unabhängiges Fotoprojekt des Fotografen Piero Pazzi; der Heilige Stuhl wollte sich gegenüber AP nicht äußern.
Wenige echte Geistliche unter den Modellen
Pazzi sagte der AP, mindestens ein Drittel der für die Ausgabe 2027 abgebildeten Männer seien tatsächlich Priester, nannte aber keine Details. Galizia kannte nach eigenen Angaben nur einen weiteren Mann aus dem Kalender: einen Franzosen, der ebenfalls kein Geistlicher war. Gegenüber der Tageszeitung Il Fatto Quotidiano sagte Galizia, er habe nie Geld für das Foto verlangt; er habe damals eine Einverständniserklärung unterschrieben. Pazzi erhält eigenen Angaben zufolge Lizenzgebühren. Zur Auflage machte er keine Angaben, schätzte den jährlichen Absatz gegenüber AP aber auf mehrere Tausend Exemplare.
Der Vatikan ist Sitz der katholischen Weltkirche und ein Anlaufpunkt für Rom-Besucher. Die Vatikanischen Museen ziehen jährlich rund sieben Millionen Menschen an; die Sixtinische Kapelle wird nach Angaben des Vatikans von mehr als sechs Millionen Besuchern im Jahr betreten. Zum Heiligen Jahr 2025 kamen nach vatikanischen Angaben mehr als 33 Millionen Pilger und Besucher nach Rom.
Galizia berichtete La Repubblica auch von einem juristischen Nachspiel: Sein Foto sei einmal von einem kirchennahen Online-Medium verwendet worden, um über einen Priester zu berichten, dem Drogenhandel vorgeworfen worden sei. Er habe die Entfernung des Bildes auf dem Klageweg erreicht.
Galizia kann nach eigenen Worten nicht nachvollziehen, dass die Porträts als „sexy“ wahrgenommen werden. „Viele verwechseln Schönheit mit Sinnlichkeit“, sagte er laut AP. In seinem Bild sehe er ein Porträt ohne Anzüglichkeit.
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