Das US-Militär hat am Samstag in Caracas eine Evakuierungsübung an der US-Botschaft abgehalten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters war es der erste Einsatz amerikanischer Streitkräfte in Venezuela seit dem Angriff mit der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro und dessen Ehefrau Cilia Flores am 3. Januar. Bei jener Operation kamen nach Angaben venezolanischer Behörden mindestens 100 Menschen ums Leben.
Zwei Ospreys landen an der Botschaft
Beteiligt waren zwei Maschinen des Typs MV-22B Osprey, ein Kipprotorflugzeug der US-Marineinfanterie, das wie ein Hubschrauber starten und landen kann. Die Soldaten landeten auf dem Parkplatz der erst kürzlich wiedereröffneten Botschaft. Zusätzlich liefen laut Reuters US-Marinefahrzeuge in venezolanische Gewässer in der Karibik ein.
Die venezolanische Regierung hatte den Einsatz zuvor genehmigt. Außenminister Yván Gil sagte laut AP, die Übung diene der Vorbereitung auf medizinische Notfälle oder Katastrophen. Das venezolanische Kommunikationsministerium sprach am Samstag von einem üblichen Verfahren für diplomatische Vertretungen. Die venezolanische Regionalzeitung El Impulso berichtet, das Manöver sei von venezolanischen Luftfahrtbehörden überwacht und am Boden von Rettungsdiensten, Zivilschutz und dem Roten Kreuz begleitet worden.
Südkommando-Chef trifft Übergangsregierung
Die US-Botschaft erklärte auf Instagram, sie halte am dreistufigen Venezuela-Plan von Präsident Donald Trump fest, „insbesondere an der Stabilisierung Venezuelas“. General Francis Donovan, der Chef des US-Südkommandos, das die Militäreinsätze der USA in Lateinamerika leitet, flog laut AP in einem Osprey mit nach Caracas und traf dort Vertreter der Übergangsregierung.
Washington stützt laut Reuters die Regierung von Delcy Rodríguez, der früheren Vizepräsidentin Maduros. Sie hat Gesetze verabschiedet, die den venezolanischen Öl- und Bergbausektor für private und ausländische Investoren stärker öffnen. Nach ihrer gewaltsamen Entführung wurden Maduro und Flores nach New York gebracht und stehen dort vor Gericht. Die US-Justiz wirft ihnen vor, in den Drogenhandel verwickelt zu sein. Maduro weist die Vorwürfe zurück. Er spricht von politisch motivierten Anschuldigungen. Beide haben sich für nicht schuldig erklärt.
Geteilte Reaktionen in Caracas
Die Reaktionen in der venezolanischen Hauptstadt fielen unterschiedlich aus. „Das beunruhigt uns“, sagte die 57-jährige Verwaltungsangestellte Evelyn Rebolledo der Nachrichtenagentur Reuters. Andere Bewohner verfolgten den Anflug aus Neugier, wie die ecuadorianische Zeitung Primicias schildert. AP berichtet zugleich von einigen Dutzend Demonstranten an anderer Stelle in Caracas, die ein Banner mit der Aufschrift „Nein zur Yankee-Übung“ zeigten.
Die Oppositionsführerin María Corina Machado sprach laut Reuters am Samstag in Panama-Stadt vor mehreren hundert venezolanischen Auswanderern. „Der Moment, in dem ich in unser Land zurückkehren werde, rückt näher“, sagte die Friedensnobelpreisträgerin. Sie hatte Venezuela im Dezember verlassen, nachdem sie monatelang im Verborgenen gelebt hatte. Machados Lager reklamiert den Sieg bei der Wahl von 2024; die Behörden erklärten Maduro zum Sieger.
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