Venezuela hat nach Angaben der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez 50 strategische Abkommen im Öl- und Gassektor mit privaten und internationalen Investoren geschlossen. Damit sollten mehr als 76 Öl- und Gasfelder im ganzen Land entwickelt werden, sagte Rodríguez am Montag in einer Ansprache in Caracas, wie das Wirtschaftsportal Banca y Negocios berichtete. Das südamerikanische Land mit rund 28 Millionen Einwohnern verfügt über die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven.
Rodríguez zog eine Bilanz ihrer Regierungsarbeit zwei Monate nach den Erdbeben vom 24. Juni, bei denen nach offiziellen Angaben mindestens 6.509 Menschen ums Leben kamen. Die Ölförderung sei trotz der Notlage nicht zum Erliegen gekommen und liege derzeit bei mehr als 1,23 Millionen Barrel pro Tag. Das sei der höchste Stand seit Februar 2019.
Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatte laut der unabhängigen Nachrichtenseite El Diario für Juli allerdings eine etwas geringere Fördermenge von 1,117 Millionen Barrel pro Tag ausgewiesen.
Öffnung für ausländische Investoren
Nach Angaben der Regierung stieg die Fördermenge seit Januar um knapp 30 Prozent. Im selben Monat hatte die Nationalversammlung eine Reform des Öl- und Gasgesetzes beschlossen, die ausländische Investitionen erleichtern soll.
Der 2013 verstorbene Hugo Chávez hatte ab 1999 die staatliche Kontrolle über den Öl- und Gassektor verschärft und ausländische Konzerne zurückgedrängt. Erlöse aus dem Rohstoffgeschäft finanzierten umfangreiche Sozialprogramme, mit denen der Linksnationalist seine politische Bewegung, den Chavismus, im Land verankerte. Analysten werteten die aktuelle Öffnung laut El Diario als Abkehr von diesem Kurs.
Hugo Chávez prägte Venezuelas Politik über Jahre mit Sozialprogrammen und einer stärkeren staatlichen Kontrolle des Ölsektors.
© IMAGO/Diko Betancourt
Flankiert wird der neue Weg von Erleichterungen aus Washington. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erteilten US-Behörden Generallizenzen, die ausgewählten Unternehmen den Betrieb von Öl- und Gasprojekten in Venezuela erlauben und weiteren Firmen vorbereitende Tätigkeiten ermöglichen. Das US-Finanzministerium habe zudem eine Lizenz erteilt, die Finanzinstituten Geschäfte mit der venezolanischen Zentralbank gestatte, berichtete die Financial Times.
Rodríguez übernahm die Amtsgeschäfte, nachdem US-Streitkräfte im Januar Präsident Nicolás Maduro bei einer Militäroperation gefangen genommen hatten. Seither treibt sie in enger Abstimmung mit Washington eine Öffnung strategischer Sektoren für ausländisches Kapital voran.
US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt erklärt, Venezuela gehe es „mit dem Öl besser als je zuvor“ – und die USA erhielten davon einen guten Anteil.
Annäherung an internationale Finanzinstitutionen
Die amtierende Präsidentin verwies zudem auf die laufende Normalisierung der Beziehungen zum Internationalen Währungsfonds, zur Weltbank und zur Interamerikanischen Entwicklungsbank. Das Land brauche Geld, Technologie, Märkte und Investitionen, sagte sie.
Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) rechnet Rodríguez zufolge für dieses Jahr mit einem Wachstum von 6,5 Prozent in Venezuela. Zugleich räumte sie ein, es bleibe „noch viel zu tun“, um eine durch Sanktionen eingeschränkte Wirtschaft zu beleben.
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