Venezuelas Präsident: Beide Kolumbianerinnen wohlauf

Farc-Rebellen lassen Geiseln nach fünf Jahren frei

Wolfgang Kunath
3 Min

CARACAS/BOGOTA. Nach monatelangem Tauziehen hat die kolumbianische Rebellenorganisation Farc gestern zwei seit fünf Jahren festgehaltene Geiseln freigelassen. Hubschrauber aus Venezuela nahmen Clara Rojas und Consuelo Gonzalez in der Nähe der Stadt San José del Guaviare im kolumbianischen Dschungel an Bord. Die Freigelassenen, eine Beraterin der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt und eine frühere Kongressabgeordnete, seien bei guter Gesundheit, sagte Venezuelas Präsident Hugo Chavez, der vermittelt hatte.Die beiden Frauen seien dem Roten Kreuz übergeben worden, sagte Chavez, der unmittelbar nach der Übergabe ihnen telefonierte. "Ich habe zu ihnen gesagt: Willkommen zurück im Leben", sagte Chavez. Sein Innenminister Ramon Chacon, der bei der Übergabe dabei war, sei "hörbar bewegt" gewesen. Am Abend trafen die Freigelassenen in Venezuela ein. In der Hand der Rebellen sind nach wie vor Ingrid Betancourt, die frühere Präsidentschaftskandidatin der kleinen grünen Partei Kolumbiens, drei US-amerikanische Militärberater und zahlreiche weitere kolumbianische Politiker und Militärs. Nach Angaben der Stiftung Pas Libre, die Entführungsopfer betreut, fielen rund ein Drittel der 23 144 Menschen, die in Kolumbien zwischen 1996 und 2006 entführt wurden, der Farc in die Hände.Während zu einem ersten Übergabetermin zu Neujahr sieben Beobachtermissionen und zahlreiche Journalisten anreisten, war das Rot-Kreuz-Personal am Donnerstag nur vom venezolanischen Innenminister, einem Mitarbeiter und dem kubanischen Botschafter in Caracas, German Sanchez, begleitet. Die kolumbianische Armee hatte ihre Kampfhandlungen in der Zone der Übergabe ausgesetzt.Die frühere Abgeordnete Consuelo Gonzalez, 57, und die 44-jährige Clara Rojas, waren ihren Entführern 2002 in die Hände gefallen. Carla Rojas hat in Gefangenschaft ihren heute dreieinhalbjährigen Sohn Emmanuel geboren, dessen Freilassung die Farc im Dezember ebenfalls angekündigt hatte. Die von Chavez vermittelte Freilassung der drei scheiterte jedoch, als sich herausstellte, dass das Kind gar nicht mehr in der Gewalt der Farc ist. Die Führung der Farc wusste offenbar nicht, dass ihre Leute das kranke Kind bereits Anfang 2005 an einen Mann abgegeben hatte, über den Emmanuel dann in ein Heim in der Hauptstadt Bogota kam.Die erste Freilassung von Farc-Geiseln in der jüngeren Geschichte war bereits im Herbst vorbereitet worden, als der rechtsgerichtete kolumbianische Präsident Alvaro Uribe überraschend zustimmte, dass sein linker Amtskollege Chavez einen Gefangenenaustausch vermittle. Obwohl Uribe dem Venezolaner nach einem Streit das Verhandlungsmandat entzog, blieb Chavez weiterhin mit der Farc im Gespräch. Die Farc bietet seit Jahren an, Geiseln gegen gefangene Anhänger auszutauschen. Darauf wurde aber nie etwas, weil Uribe stets die Bedingungen der Farc ablehnte und dabei eine Mehrheit der Kolumbianer hinter sich wusste. Im vergangenen Jahr kam es jedoch zu einem Stimmungsumschwung. Uribe stand nun unter Druck, dem Austausch zuzustimmen, selbst wenn er durch die Hilfe von Chavez zustande kommen sollte.------------------------------Vier Jahrzehnte BürgerkriegIn Kolumbien mit seinen mehr als 44 Millionen Einwohnern herrschen seit mehr als vier Jahrzehnten bürgerkriegsähnliche Zustände. Rebellen der linksgerichteten Gruppen Farc und ELN kontrollieren über ein Drittel des Anden-Staates, zumeist jedoch unzugängliche Dschungelgebiete.Lösegelder für die oft jahrelang festgehaltenen Geiseln sind eine Haupteinnahmequelle der kolumbianischen Rebellen. Auch der Kokain-Export gilt als Finanzierungsmittel der Aufständischen. Nach Militärangaben ist die Farc eines der größten Drogenkartelle Lateinamerikas.Rechte Paramilitärs verübten in der Vergangenheit immer wieder schwere Massaker in Ortschaf- ten, aus denen die Rebellen angeblich unterstützt wurden. Auch der Armee werden Bluttaten vorgeworfen. In den 32 Provinzen des Landes gibt es mehrere hunderttausend Binnenflüchtlinge.------------------------------Foto: Consuelo Gonzales, im Gespräch mit Chavez------------------------------Foto: Clara Rojas, Mutter eines Dreijährigen

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