Verbände, Kirchen und Ureinwohner bitten um Gehör

Umweltschützer fühlen sich vom Klimagipfel ausgesperrt

Jörg Michel
3 Min

Bonn, 19. Juli. Die großen deutschen Umweltverbände haben zum Auftakt der entscheidenden Gespräche der Bonner Klimaschutzkonferenz die mangelnde Beteiligung der Öffentlichkeit und von Umweltexperten kritisiert. Kirchen und Vertreter von Ureinwohnern forderten mehr Tempo in den Verhandlungen über das Kyoto-Protokoll. Der Geschäftsführer des BUND, Gerhard Timm, sagte am Donnerstag in Bonn: "Die bisherigen Gespräche sind sehr intransparent gelaufen." Für Umweltexperten und Medienvertreter sei es kaum möglich, "an die Delegierten heranzukommen".Im Vergleich zur letzten Klimakonferenz im vergangenen Jahr in Den Haag fühle man sich vom Konferenzpräsidenten Jan Pronk regelrecht "ausgeschlossen", beklagte Timm. In Den Haag habe man Zugang zu allen Verhandlungen gehabt. Von diesem "offenen Geist" sei in Bonn nichts zu spüren. Timm appellierte an die Politiker, strittigen Diskussionen nicht auszuweichen. "Wenn das Ergebnis genauso in- transparent wird wie die bisherigen Verhandlungen, dann wird es ein schlechtes Ergebnis." Regine Günther von der Naturschutzorganisation WWF beklagte den bislang schleppenden Gesprächsverlauf. Zwar befinde man sich noch immer in einer "Sondierungsphase". Um die Verhandlungen aber bis spätestens Montag erfolgreich abschließen zu können, sei ein "schnelleres Verhandlungstempo" nötig. Jochen Flasbarth vom Naturschutzbund Nabu warnte vor einem "Zurückfallen hinter Kyoto". Die Bonner Delegationen dürften sich nicht weiter hinter den Amerikanern "verstecken", forderte Flasbarth.Alle Organisationen lehnten einen ersten Verhandlungsvorschlag der so genannten Umbrella Group- bestehend aus Australien, Kanada, Japan und Russland - ab. Die Länder hatten am Morgen in einer gemeinsamen Initiative verlangt, Änderungen bei der Anrechnung von Wäldern und Ackerflächen auf die in Kyoto vereinbarten Klimaschutzleistungen vorzunehmen. Statt eine einheitliche Formel für alle Nationen zu finden, müsse für jedes Land eine eigene Quote festgelegt werden, so die Forderung. Die Umbrella Group erhofft sich dadurch eine deutliche Minderung ihrer eigenen Verpflichtungen.WWF-Sprecherin Regine Günther lehnte dies strikt ab. "Wenn wir das zulassen, fallen wir hinter die Vereinbarung von Kyoto zurück." Das Protokoll werde auf diese Weise "scheibchenweise ausgehöhlt". Die Europäer hatten in den letzten Tagen angedeutet, gegenüber Japan zu entsprechenden Zugeständnissen bereit zu sein. Diese lehnte das asiatische Land aber als nicht weit gehend genug ab. Ohne die Zustimmung Japans ist nach dem Nein der USA eine Ratifizierung des Kyoto-Protokolls aber nicht möglich. Vertreter von Ureinwohnern aus Asien, Nord- und Südamerika und Afrika forderten, dass ihre Stimmen in den Klimaverhandlungen gehört werden müssten. Im Kyoto-Protokoll seien die Urvölker kein einziges Mal erwähnt, sagte Indianersprecher Hector Huertas (Panama). Eine Delegation des Weltkirchenrats übergab Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) eine Klimaschutz-Petition mit 38 000 Unterschriften.

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