Verbrauchsarme Modelle sollen forciert werden

Umweltschützer dringen auf sparsame Autos

Christian Lipicki Anke Springer
3 Min

BERLIN, 28. April. Angesichts des Rekordniveaus bei den Benzinpreisen haben Umweltverbände und -institutionen die deutschen Autohersteller zu einem stärkeren Engagement für verbrauchsarme Neuwagen aufgefordert. "Die Hersteller setzen bei ihren Autos zu sehr auf Leistung und zu wenig aufs Spritsparen", sagte der Sprecher des Umweltbundesamtes Thomas Hagbeck der Berliner Zeitung. Der Energie-Experte von Greenpeace, Karsten Smid, betonte, "die Ingenieure der Autoindustrie könnten wesentlich verbrauchsärmere Fahrzeuge entwerfen. Aber das Gegenteil ist der Fall." Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte ebenfalls ein Umdenken. "Die Konzerne sollten mehr verbrauchsarme Modelle anbieten", sagte VCD-Sprecher Daniel Kluge. Die Autoindustrie nannte die Vorwürfe haltlos.Bessere Kennzeichnung gefordert"Viele deutsche Hersteller setzen vor allem auf große Fahrzeug-Modelle, von denen sie sich höhere Profite versprechen", sagte Kluge. Das es anders geht, zeigten die ausländischen Autokonzerne. "Man kann auch mit verbrauchsarmen Fahrzeugen Geld verdienen. Sonst würden sich die Japaner in diesem Segment nicht so stark engagieren."Um dem Verbraucher beim Autokauf eine bessere Orientierung zu verschaffen, plädiert das Umweltbundesamt für eine übersichtlichere Verbrauchskennzeichnung, wie es sie bereits bei Kühlschränken gibt. Ziel sei es, den Kunden besser darüber zu informieren, wie hoch der Kraftstoffverbrauch seines Wunschautos ist und ob dieser Wert im Vergleich zu anderen Autos zu hoch ist. Hagbeck betonte, "entweder kommt die Industrie dieser Forderung nach oder es wird langfristig eine gesetzliche Regelung geben".Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält die Vorwürfe der Umweltschützer für unberechtigt und wies sie entschieden zurück. "Wer so etwas sagt, der kennt die Fakten nicht", sagte Verbandssprecher Eckehart Rotter. "Die Hersteller können es sich im scharfen Wettbewerb gar nicht leisten, das Thema Spritverbrauch zu vernachlässigen." Er unterstrich, die Industrie werde ihre Zusage erfüllen, den Kraftstoffverbrauch bis 2005 um 25 Prozent gegenüber 1990 abzusenken. Bereits jetzt seien über 22 Prozent Einsparung erreicht worden.Appell an die OpecDie Autofahrer müssen sich auf weitere Preisrunden an den Tankstellen einstellen. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) strebt eine Erhöhung des Preiskorridors von jetzt 22 bis 28 Euro auf 32 bis 34 Euro je Barrel (159 Liter) an. Das Finanzministerium teilte mit, dass die Bundesregierung angesichts des steigenden Preisniveaus einen Appell an die Förderländer gerichtet hat, wonach diese sich ihrer Verantwortung für die Weltkonjunktur bewusst sein und für einen Aufschwung Sorge tragen sollten."Wir stehen am Anfang eines gigantischen Problems", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Albert Schmidt dieser Zeitung. Greenpeace-Mann Smid unterstrich: "Wir können den Benzinpreiserhöhungen nur begegnen, indem sparsamere Autos gebaut werden."------------------------------Foto: Verbrauchsarme Autos helfen ihren Besitzern, Geld zu sparen.

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