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Verdacht auf Wahlbetrug: Wie eine Nachricht an die OAZ die Recherche ins Rollen brachte

Um 14.04 Uhr meldet sich Klaus-Lothar Bebber bei der OAZ. Einen Tag später ist der mutmaßliche Wahlbetrug um seine demente 95-jährige Tante öffentlich – und beschäftigt ganz Deutschland.

Dirk Jehmlich
Dirk Jehmlich
3 Min
In einem Altersheim soll eine ältere Dame ohne Kenntnis Ihres Vormunds gewählt haben (Symbolbild).

In einem Altersheim soll eine ältere Dame ohne Kenntnis Ihres Vormunds gewählt haben (Symbolbild).

© Sven Hoppe

Am Dienstag um 14.04 Uhr landete eine kurze Nachricht in unserem Open-Door-Postfach: „Ich hätte da eine brisante Wahlsache zur Veröffentlichung. Bei Interesse bitte ich um Rückruf.“ Darunter eine Telefonnummer und der Name Klaus-Lothar Bebber. Unser Reporter Willy Weyhrauch griff zum Telefonhörer.

Bebber erzählte von seiner 95-jährigen Tante, die seit Jahren dement ist und in einer Seniorenresidenz in Dessau lebt. Ihre Wahlunterlagen seien angeblich geschreddert worden. Im Wahlbüro habe er dann erfahren: Die Unterlagen waren bereits beantragt worden. Und seine Tante hatte bereits gewählt. Wenig später saß unser Reporter im Auto nach Dessau.

Dann begann das Telefonieren

Bebber zeigte ihm den Strafantrag und die Unterlagen und erzählte noch einmal, was passiert war. Willy Weyhrauch ging die Dokumente sorgfältig durch, stellte Fragen und verglich Bebbers Angaben mit dem, was sich nachvollziehen ließ. Dann begann das Telefonieren.

Was sagt die Stadt Dessau? Was sagt die Seniorenresidenz? Ist der Vorgang bei der Staatsanwaltschaft bekannt? Was lässt sich bestätigen, was nicht? Bebber hatte sich zuvor selbst an verschiedene Stellen gewandt. Doch als Privatperson stößt man schnell an Grenzen. Eine Redaktion kann nachhaken, Unterlagen abgleichen und diejenigen mit Fragen konfrontieren, die etwas dazu sagen können oder müssen.

Genau dafür gibt es bei uns Open Door: Menschen schicken uns Beobachtungen, Dokumente oder Hinweise. Wir schauen, ob daraus eine Geschichte wird. Am nächsten Tag erschien der Artikel. Seitdem gehört er zu den meistgelesenen Beiträgen der OAZ der vergangenen Wochen.

Und die Geschichte ist noch nicht vorbei. Nach der Veröffentlichung haben sich weitere Menschen bei uns gemeldet. Unser Reporter prüft nun, ob Dessau ein Einzelfall ist – oder ob es weitere ähnliche Vorgänge gibt.

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So kann eine Geschichte irgendwo anfangen, wo gerade niemand von uns sitzt. Am Dienstag dieser Woche war es Dessau. Um 14.04 Uhr. Mit einer Nachricht von Klaus-Lothar Bebber.

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