Verdi-Studie: Fast jeder Vierte besitzt Wohneigentum

Erwerbslose haben Angst vor Umzügen

Marlies Emmerich
2 Min

POTSDAM. Überraschen können die Ergebnisse kaum: Nur 1,3 Prozent der Arbeitslosen sehen in der Arbeitsmarktreform eine Verbesserung, fast 62 Prozent eine Verschlechterung. Die Gewerkschaft Verdi hat 4 600 erwerbslose Mitglieder aus Nordwestbrandenburg befragt. Verdi ist mit 15 Prozent arbeitslosen Mitgliedern in Brandenburg und bundesweit die größte Erwerbslosenorganisation.Einige Antworten verdienen besondere Beachtung. So befürchtet fast jeder Sechste der Erwerbslosen, bald umziehen zu müssen. Diese Angst vor Ablauf der Übergangszeit von sechs Monaten scheint berechtigt, denn in den ländlichen Gebieten (u.a. Teltow-Fläming, Havelland oder Prignitz) besitzen - anders als in Berlin - mehr als 27 Prozent und damit fast jeder Vierte heute noch Wohneigentum. Nicht wenige wollen keine genauen Angaben zu diesem Punkt machen. Fast jeder sechste Antrag auf Unterstützungsleistungen ist abgelehnt worden. Rund 21 Prozent wollen sich mit solchen Ablehnungen oder mit der Berechnungssumme für Hartz IV nicht abfinden, legen Widerspruch ein oder klagen. Mehr als sieben Prozent haben aber gar nicht versucht, finanzielle Hilfe zu erhalten. "Das macht mich traurig", sagt Verdi-Bezirkschef Werner Ruhnke.In einigen Bereichen bleibt die Befragung - die Erste ihrer Art überhaupt - leider etwas ungenau: 27,8 Prozent erhalten demnach weniger Geld als im letzten Jahr - größtenteils zwischen 50 und 230 Euro, in einzelnen Fällen bis zu 550 Euro. Weniger als fünf Prozent bekommen mehr Geld, 3,6 Prozent das Gleiche wie bisher. Über den Rest macht die Studie keine Angaben. Ruhnke lehnt - wie die Gewerkschaften überhaupt - Ein-Euro-Jobs als "staatlich gefördertes Lohndumping" entschieden ab. So soll eine 58-jährige Diplombibliothekarin in Brandenburg ihre als Vorruheständlerin aufgegebene Tätigkeit inzwischen auf Ein-Euro-Basis machen - wegen des Alters für drei Jahre genehmigt. Dagegen sind Erwerbslose überwiegend froh über die aus Verdi-Sicht "rechtswidrigen" Jobs. Denn gänzlich ohne Job fühlen sich die Arbeitslosen an den untersten Rand der Gesellschaft gedrängt.In der Studie fehlen ganze Berufszweige - etwa die einst in der Gegend wichtige Metallindustrie, Optik und Chemie, für die andere Gewerkschaften zuständig sind.

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