Die Besucher sind die gleichen geblieben, aber deren Probleme und Nachfragen haben sich verändert", sagt Marina Tischer. Tischer ist Mitarbeiterin der "Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg" und kümmert sich um die sogenannten Vertragsarbeiter, die in den 80er Jahren aus dem südostasiatischen Land in die DDR geholt worden waren. Wie viele Ostdeutsche blickten auch sie nach der Wende in eine unsichere Zukunft. "Bis vor kurzem stand der Kampf für das Bleiberecht der Vertragsarbeiter im Mittelpunkt unserer Arbeit", berichtet Tischer.Im Oktober 1997 trat dann die Neufassung des Ausländergesetzes in Kraft. Zwar habe es insgesamt eine Verschlechterung der Lage der Ausländer gebracht, so Tischer, doch in einem Punkt können die Vietnamesen profitieren: Ihnen werde nun die Zeit vor 1990 auf die Aufenthaltsdauer in Deutschland angerechnet. Viele können leichter eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis bekommen. Dazu muß man acht Jahre im Land leben, Arbeit und Wohnung haben und nicht vorbestraft sein. "Endlich können die Familien mit einer langfristigen Lebensplanung beginnen", so die gelernte Dolmetscherin.Ihre Kollegin Le Thi Cuc Phuong kennt die Problematik bestens. Die ständige Ungewißheit aufgrund der begrenzten Aufenthaltsbefugnisse brachte viele Nachteile. "Ich lebe seit über zehn Jahren in Deutschland und war nur acht Monate arbeitslos. Trotzdem war ich nicht kreditwürdig", schildert Phuong, die als Dolmetscherin in die DDR kam. Außerdem gingen Sozialleistungen wie Kinder- und Erziehungsgeld verloren.Trotzdem steht bei der Vereinigung, die seit 1992 in Marzahn tätig ist, auch jetzt die Hilfestellung bei Problemen mit den Behörden ganz oben auf der Rangliste. Parallel dazu soll das Vereinsgebäude zu einem kulturellen Mittelpunkt für die Vietnamesen entwickelt werden. "Wir wollen ein Lese-Café mit vietnamesischer Literatur einrichten," berichtet Tischer. Vietnamesische Feste werden schon seit einiger Zeit regelmäßig gefeiert. Auch die Drachentanzgruppe ist inzwischen über die Grenzen des Bezirks hinaus bekannt.Vor allem am Wochenende wird das Zentrum zur Begegnungsstätte. "Viele Vietnamesen treffen sich hier, um Traditionen zu pflegen", erklärt Tischer. Das Haus diene aber auch dazu, die ehemaligen Vertragsarbeiter und ihre Familien, die bis vor wenigen Jahren isoliert in Wohnheimen lebten, in die Gesellschaft zu integrieren. Aber auch den Deutschen soll Vietnam näher gebracht werden. Doch der Arbeit der nur zwei Mitarbeiterinnen sind Grenzen gesetzt. "Deshalb hat der Verein mehrere ABM-Stellen beantragt," sagt Marina Tischer.
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