Verein "Kunst und Knast" zeigt Arbeiten von Gefangenen aus Berliner Haftanstalten

Vom Bombenleger zum Gitter-Künstler

BLZ
3 Min

Er war Knecht, Bergmann und Hotelbesitzer. 1989 wurde er zum Verbrecher, als er Bomben im KaDeWe legte. Rudolf Grütz, der "Vorgänger Dagoberts", wie er sich nennt, wurde zu elf Jahren Haft verurteilt und hat sich im Gefängnis zum Künstler gewandelt. Der Verein "Kunst und Knast" ermöglichte ihm und anderen Gefangenen, Skulpturen aus Zellengittern zu schaffen."Der Schatten, den die Gitter werfen, wird uns unser ganzes Leben begleiten", sagt der 66jährige Grütz. Von der Idee des Vereins "Knast und Kunst", ausgedienten Zellengittern in Skulpturen Symbolik zu verleihen, war er begeistert. Der Aktionskünstler Ben Wargin, der das Projekt leitete, habe ihm wertvolle Tips gegeben, sagt Grütz.Grütz baute zunächst zwei Modelle unter dem Thema: "Schatten der Gitter". Eins realisierte er zusammen mit drei Mithäftlingen. Es steht jetzt im "Lindentunnel" am Maxim Gorki Theater in Mitte. Das andere Modell konnte nicht umgesetzt werden, weil die massiven Zellengitter sich nicht so stark verbiegen ließen, wie es sich Grütz vorgestellt hatte.Eine weitere Skulptur, die die Gefangenen schufen, ist derzeit in der Galerie im Saalbau in Neukölln zu besichtigen. Dort stellt der Verein "Kunst und Knast", der seit fünf Jahren in Berliner Haftanstalten Projekte mit Künstlern und Inhaftierten initiiert, erstmalig Werke vor, die seit 1991 entstanden sind.Die Bilder, Plastiken und Skulpturen haben Frauen und Männer aus den Anstalten Moabit, Tegel und Plötzensee geschaffen. Sie stehen unter der Überschrift: "Isolation, Freiheit, Angst und Sicherheit." Um dem Besucher vor Augen zu führen, daß nicht freie Menschen, sondern Gefangene die Schöpfer der Werke sind, muß er sie durch einen Gitterzaun betrachten, der in der Galerie aufgestellt ist."Durch Kunst soll der Knast auf keinen Fall einfach schöner werden", sagt der Sozialarbeiter Bernd Sprenger, der den Verein mitbegründet hat. Vielmehr solle die Kreativität der Gefangenen gefördert und eine öffentliche Diskussion über das Leben hinter Gittern angeregt werden. "Der Knast soll transparenter werden."Wie Rudolf Grütz sind auch die meisten anderen Gefangenen vor ihrer Inhaftierung nie künstlerisch aktiv gewesen. Großen Zulaufs erfreuen sich die Projekte darum auch nur selten. Sprenger ist aber froh, daß dennoch alle Vorhaben zu Ende gebracht werden konnten. In der Männerhaftanstalt Plötzensee werden derzeit keine künstlerischen Angebote gemacht, im gegenüberliegenden Frauengefängnis aber hat sich eine Theatergruppe gebildet, in Moabit und Tegel können die Männer fotografieren, malen und Theater spielen.Rudolf Grütz, der als Freigänger täglich die Anstalt verlassen darf, setzt nun sein kreatives und handwerkliches Geschick für andere ein. In Prenzlauer Berg baut er mit Jugendlichen aus sozial schwachen Familien Flugzeugmodelle.die Die Ausstellung in der Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141 in Neukölln, kann bis zum 23. Februar von mittwochs bis sonntags zwischen 12 und 18 Uhr besichtigt werden. +++

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