Verein räumt nach Streit mit dem Bezirk den Schauraum auf der Zitadelle

Fledermäuse erhalten Asyl im Zoo

Marcel Gäding
3 Min

SPANDAU. Ganz vorsichtig ist er. Wie in einer Zeitlupenaufnahme setzt Carsten Kallasch einen Fuß vor den anderen. In der einen Hand hält er einen Käscher, der einem Schmetterlingsnetz ähnelt. Über die andere Hand hat er einen Handschuh gestreift. Er spricht leise, atmet langsam und wartet. Und plötzlich schlägt er mit dem Käscher zu. Ein Flughund zappelt im Netz, wenig später gelingt es Kallasch, den anderen zu erwischen. Carsten Kallasch fängt seine Tiere im Keller von Haus 4 auf der Spandauer Zitadelle ein. Das hätte er sich noch vor einem Jahr nicht vorstellen können. Da waren die Beziehungen zwischen dem Biologen und dem Bezirksamt noch in Ordnung. Die Behörde stellte ihm und seinem Verein Vespertilio 1998 den Raum zur Verfügung. Besucher konnten dort die aus Südamerika stammenden Blattnasen, Vampire und Flughunde beobachten. Kallasch erzählte ihnen, dass man vor Vampiren keine Angst haben muss und erklärte, dass Blattnasen mit Vorliebe Obst fressen. Doch damit ist jetzt Schluss. Gestern brachte Kallasch 62 Tiere in Kisten in den Zoologischen Garten. Dort werden die Fledermäuse im Nachttierhaus ein neues Quartier beziehen. Warum sich der Verein von der Zitadelle zurückzieht, begründet Kallasch in einem Brief an Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU), den Hausherren der Zitadelle. Absprachen seien nicht eingehalten worden. "Wir waren uns einig, dass wir zu dem Schauraum einen zweiten Raum hinzubekommen", sagt Kallasch. Getan habe sich nichts. "Der jetzige Raum reicht bei den vielen Besuchern nicht aus." Allein im vergangenen Jahr wollten bis zu 20 000 Menschen die Fledermäuse sehen. Schwierigkeiten, sagt Kallasch, habe es auch mit den Finanzforderungen gegeben. So sollte der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) 1 000 Euro für eine Drehgenehmigung an den Bezirk zahlen. Der MDR winkte ab. "Derartige Hürden erschweren unsere Arbeit", sagt der Biologe.Der Verein hegt nun die Hoffnung, dass er woanders einen neuen Schauraum für Fledermäuse eröffnen kann. Mit dem Zoo hat er vereinbart, dass er dann seine Tiere zurückholen kann. Der Bezirk indes will den Raum an einen anderen Verein vermieten, heißt es. Kulturstadtrat Hanke war dazu gestern nicht zu sprechen. "Er ist auf dem Weg in die Zitadelle", hieß es in seinem Büro.Fliegende Säuger // Winterquartiere: Die Spandauer Zitadelle und die Kalkhöhle von Bad Seegeberg zählen zu den bedeutensten Winterquartieren von Fledermäusen in Norddeutschland. Allein auf der Zitadelle überwintern von Ende August bis Anfang April bis zu 10 000 Fransen-, Wasser- und Zwergfledermäuse sowie Große Mausohren und Braune Langohren.Schauraum: Die Tiere im 22 Grad warmen Schauraum halten keinen Winterschlaf. Sie kommen aus Südamerika und Afrika. Seit 1998 konnten sie im Keller der Zitadelle besichtigt werden.BERLINER ZEITUNG/TOM MAELSA Gefangen: Einer von zwei Flughunden aus dem Schauraum der Zitadelle kurz vor der Abfahrt in den Zoo.

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