Die Stralauer Orgel hat Asthma. Manchmal, mitten im Choral, pfeifen ein paar Töne nach und stören so ein bisschen die Andacht. Manchmal ertönt ein Heulen, mitunter klingt das Nebengeräusch wie ein wisperndes Mitsingen, hat Kantorin Heidegard Moll festgestellt. Doch im Januar oder Februar soll die letzte Phase der Restaurierung des Instrumentes beginnen. Dafür sammelt der "Förderverein Stralauer Dorfkirche" Geld. 8 000 Mark kamen im vergangenen Jahr zusammen, eine zweite Rate von 10 000 Mark übergab der Verein zu Weihnachten der Kirchengemeinde. 25 000 Mark werden für die Restaurierung insgesamt veranschlagt.Das älteste BaudenkmalDie Dorfkirche auf der zwischen Spree und Rummelsburger Bucht gelegenen Halbinsel Stralau wurde in den Jahren 1459 bis 1464 gebaut. Damit ist sie das älteste Baudenkmal des Bezirks Friedrichshain. Die Orgel ist sehr viel jünger. Sie wurde 1937 von der renommierten Potsdamer Firma Alexander Schuke gebaut. Bei der Zerstörung der Kirche in den letzten Kriegstagen 1945 nahm auch die Orgel Schaden. Erst 1952 wurde sie wieder aufgebaut.Der idyllische Standort der Kirche in Wassernähe schafft aber sowohl der Substanz des alten Bauwerks als auch dem wesentlich jüngeren Instrument Probleme. "Die Feuchtigkeit und die wechselnden Temperaturen im Kirchenraum lassen die Windladen reißen", erläutert Heidegard Moll, die seit 31 Jahren Kantorin in Stralau ist. Windlade heißt der hölzerne Kasten, auf dem die Orgelpfeifen aufgesetzt sind. Sechs solche Laden hat die Stralauer Orgel. Durch diese Risse strömt mitunter auch dann noch Luft in die Pfeifen, wenn das zugehörige Ventil schon wieder geschlossen ist. Manchmal transponiert die Kantorin ein Lied in eine andere Tonart, um einen defekten Ton "umspielen" zu können. Oder Heidegard Moll stopft die gröbsten Risse mit Papiertaschentüchern. Für eine komplette Restaurierung muss jede einzelne der über tausend in 18 Registern angeordneten Zinn- und Holzpfeifen abgebaut und kontrolliert werden.Für die Restaurierung des zweiten Manuals sammelt der Förderverein weiter Spenden. Die Aktivität des sieben Jahre alten Vereins hat in der Kirche unter anderem schon den Einbau einer Heizung und einer Schmutzwasserpumpanlage sowie die Sanierung von Fassade und Innenraum ermöglicht.Die Kirche // Die Stralauer Dorfkirche wurde 1459 bis 1464 gebaut und ist damit das älteste Baudenkmal in Friedrichshain.Der Turm wurde 1610 bei einem Orkan zerstört und 1823 neu errichtet. 1965 wurde sein Fundament mit Beton gesichert, da er sich wegen des sumpfigen Untergrunds stark geneigt hatte.Der Förderverein wurde 1992 gegründet und hat seitdem für die Sanierung der Dorfkirche 65 000 Mark gesammelt.Spenden für die Kirchenorgel können an den Förderverein (Tel. 24 72 15 23 oder 9 16 27 72) gerichtet oder bei den monatlichen Kirchenmusiken (am vierten Sonntag jedes Monats, 17 Uhr) abgegeben werden.
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