VERFOLGUNG - 4,4 Millionen Iraker mussten ihre Heimat verlassen. Die Nachbarländer sind mit dem Zustrom überfordert. Menschenrechtsorganisation appelliert an Europa.

Amnesty drängt zur Aufnahme von Flüchtlingen

Sigrid Averesch Martina Doering
2 Min

BERLIN. Angesichts fortgesetzter Gewalt und Verfolgung im Irak drängen Menschenrechtsorganisationen und Politiker aller Parteien die EU, möglichst schnell irakische Flüchtlinge aufzunehmen. "Amnesty international kritisiert, dass die Europäische Union die Entscheidung vertagt hat", sagte die Generalsekretärin von Amnesty International, Barbara Lochbihler, der Berliner Zeitung. Die EU hatte Ende Juli das Thema verschoben, weil sie erst die Lage im Land prüfen wollte. Lochbihler warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, ungeprüft die Aussage von Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki übernommen zu haben, dass sich die Situation im Irak verbessert habe. "Es ist unzulässig, die Situation zu verharmlosen", sagte Lochbihler. Amnesty lägen Berichte vor, die das Gegenteil belegten.Schäuble: Thema nicht erledigtBundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist von seiner ursprüngliche Idee, dass die EU-Staaten irakische Flüchtlinge, vor allem Christen, aufnehmen sollten, nach Bedenken des Premiers Maliki abgerückt. Die EU sei einer dringenden Bitte Malikis nachgekommen, den Irak beim Wiederaufbau zu unterstützen, sagte Schäuble der Berliner Zeitung. Der Premier habe darauf hingewiesen, dass sein Land gerade jetzt auf Menschen mit hohem Bildungsniveau angewiesen sei, zu denen im Irak vor allem die Christen zählten. "Das heißt aber nicht, dass sich das Thema erledigt hat", betonte Schäuble.Für die Aufnahme religiös verfolgter Flüchtlinge aus dem Irak sprach sich der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, Thomas Rachel, aus. "Der Westen darf nicht wegschauen", sagte Rachel der Berliner Zeitung. Er plädierte dafür, nicht nur christlichen Flüchtlingen Schutz zu bieten. Auch andere religiöse Minderheiten wie die Mandäer benötigten Schutz.Verständnis zeigte Rachel für die Sorge, dass durch die Aufnahme der Flüchtlinge im Westen aus dem Irak, in dem das Christentum entstanden ist, die christlichen Gemeinden verschwinden könnten. "Dies darf aber nicht als Vorwand dienen, den verfolgten Christen jetzt keine Hilfe zu geben", sagte Rachel.Auch der menschenrechtspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hellmut Könighaus wandte sich dagegen, nur Christen aufzunehmen. "Wir können nicht zusehen, dass Menschen Repressionen ausgeliefert sind oder ihr Leben gefährdet ist. Die Verfolgung muss das Kriterium sein, nicht die Religion", sagte der FDP-Politiker dieser Zeitung. "Es ist nicht unsere Aufgabe, die Religionsaufteilung in einem Land zu klären zulasten der Menschenrechte", sagte Königshaus.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner