Weltmächte

Verhindern Trump und Xi den KI-Krieg der Maschinen? Nun soll es eine Hotline geben

Trump braucht vor den Midterms Erfolge. Gleichzeitig ringen die USA und China um die KI-Führung und um Regeln für den Ernstfall. Bislang zeichnet sich kaum mehr als ein direkter Notfallkanal ab.

8 Min
US-Präsident Donald Trump (r.) und Chinas Präsident Xi Jinping nehmen an einer Begrüßungszeremonie auf der Joint Base Andrews in Maryland teil.

US-Präsident Donald Trump (r.) und Chinas Präsident Xi Jinping nehmen an einer Begrüßungszeremonie auf der Joint Base Andrews in Maryland teil.

© Alex Brandon/AP/dpa

Xi Jinping verhandelt an diesem Donnerstag im Weißen Haus mit Donald Trump. Künstliche Intelligenz steht neben Handel, Taiwan und dem Iran-Krieg auf der Tagesordnung. Washington hat einen Warnkanal für KI-Zwischenfälle vorgeschlagen. Peking schweigt dazu öffentlich.

Donald Trump fuhr für die Begrüßung von Chinas Präsident Xi Jinping am Mittwochabend persönlich zur Joint Base Andrews in Maryland. Es folgte ein pompöser Empfang: roter Teppich, Militärkapelle, Salutschüsse, Kampfjet-Überflug. Erstmals seit elf Jahren empfing damit ein amtierender US-Präsident einen ausländischen Gast direkt am Stützpunkt. Die politischen Gespräche finden am Donnerstag statt, der Staatsbesuch dauert bis Freitag. Es ist Xis erster Staatsbesuch in den USA seit 2015 und das dritte Treffen der beiden binnen eines Jahres.

Trump kann einen Erfolg gebrauchen. Sechs Wochen vor den Midterms sind seine Zustimmungswerte in einer Reuters/Ipsos-Umfrage auf 32 Prozent gefallen, den niedrigsten Wert seiner politischen Karriere. Der Krieg mit Iran ist höchst unpopulär und ein Ende nicht in Sicht, auch der Ukraine-Krieg dauert an. Der selbsternannte Dealmaker braucht deshalb sichtbare Erfolge – bei Handel, Verbraucherpreisen oder Geopolitik. Die Frage ist, ob ausgerechnet Xi ihm hilft, den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Eines der drängendsten Themen dieses Gipfels ist der Umgang mit den Risiken Künstlicher Intelligenz. Nun liegt ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch, und er stammt aus Washington. Der Finanzminister Scott Bessent und der Handelsbeauftragte Jamieson Greer trafen am Sonntag in New York Vizepremier He Lifeng und brachten einen „notification mechanism“ ins Spiel, ein gegenseitiges Meldesystem für KI-Vorfälle mit nationaler Sicherheitsrelevanz. „Der Übergang von Undurchsichtigkeit zu mehr Transparenz zwischen der Nummer eins und der Nummer zwei der KI-Mächte der Welt ist sehr wichtig“, sagte Bessent.

Soldaten nehmen ihre Plätze ein, bevor US-Präsident Trump und die First Lady der USA den chinesischen Präsidenten Xi und dessen Frau auf dem Südportikus des Weißen Hauses begrüßen.

Soldaten nehmen ihre Plätze ein, bevor US-Präsident Trump und die First Lady der USA den chinesischen Präsidenten Xi und dessen Frau auf dem Südportikus des Weißen Hauses begrüßen.

© Jacquelyn Martin/AP/dpa

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Laut Insidern ist die Konstruktion erheblich schlichter, als der Begriff vermuten lässt: eine offene Telefonleitung zwischen Bessent und He. Der amerikanische Finanzminister sagte bei CNBC, man habe die „USA-China AI Dialogues“ formalisiert und ein Treffen in etwa zwei Monaten in Shenzhen vereinbart. Greer stellte klar, dass Exportkontrollen für Hochleistungschips in den Vorgesprächen keine Rolle spielten.

„Wer die Superintelligenz gewinnt, gewinnt“

Vor der UN-Generalversammlung sagte Trump am Dienstag: „Wer die Superintelligenz gewinnt, gewinnt. Wir führen jetzt vor China, und zwar deutlich und vor allen anderen.“ Einen globalen Kontrollmechanismus lehnte er ab, kündigte aber eine „AI Force“ sowie einen „AI Czar“ an, die das Wachstum der Branche fördern sollen.

Im Senat wächst währenddessen der Druck auf Trump. 17 demokratische Senatoren um Chris Van Hollen aus Maryland fordern ihn auf, mit Xi über Grenzen für die leistungsfähigsten KI-Systeme zu verhandeln. Im Raum stehen eine Verlangsamung der Entwicklung oder sogar eine gegenseitig garantierte Pause. „Wie wäre es, wenn wir uns einfach darauf einigen, dass es keine sich selbst verbessernde KI geben darf?“, sagte der kalifornische Demokrat Ro Khanna am Mittwoch bei CNBC. Vertrauen allein reiche für ein solches Abkommen allerdings nicht. Es müsse überprüfbar sein – nach dem alten Prinzip: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Die Sorge ist längst praktisch. OpenAI und Anthropic haben bereits Fälle dokumentiert, in denen KI-Systeme Sicherheitsgrenzen überschritten oder Cyberangriffe automatisiert haben. Entsprechend wächst in Washington und Peking die Furcht vor autonom handelnden Systemen. Aalok Mehta vom Center for Strategic and International Studies in Washington sieht deshalb vor allem bei gemeinsamen Sicherheitsstandards und einem Notfallkanal Chancen auf eine Einigung.

Zwei Regierungen, zwei verschiedene Sorgen

Peking hält wenig von der amerikanischen Gefahrenrhetorik. Außenamtssprecher Guo Jiakun wies Warnungen von Anthropic-Chef Dario Amodei und OpenAI-Chef Sam Altman als „Angstmacherei, Konfrontation und bösartigen Wettbewerb“ zurück, die der globalen KI-Governance schadeten. Auch Chinas UN-Botschafter Fu Cong schlug in diese Kerbe und warf „bestimmten Großmächten“ vor, eine „Wir gegen die anderen“-Clique zu bilden.

An Regeln hat Peking durchaus Interesse. Laut Yun Sun, Direktorin des China-Programms am Stimson Center in Washington, ist das Ziel der chinesischen Führung, den Menschen in der Entscheidungskette zu halten. 2024 hatten Xi und der damalige Präsident Joe Biden vereinbart, dass über den Einsatz von Atomwaffen Menschen entscheiden, keine Maschinen. Amanda Hsiao, China-Direktorin der Eurasia Group, sagte dem Guardian, Chinas Führung lese amerikanische Forderungen nach Sicherheitsstandards häufig als Mittel zur Unterdrückung der eigenen Entwicklung.

Der Vorsprung schrumpft

Der Vorsprung der USA bei Künstlicher Intelligenz schrumpft allerdings. Laut dem AI-Index-Bericht 2026 der Stanford University lag Anthropics führendes Modell im März nur noch 2,7 Prozentpunkte vor dem besten chinesischen System. Gleichzeitig verfolgt China eine andere Strategie. Statt nur auf Spitzenleistung zu setzen, bringen Labore wie Moonshot AI mit Kimi K3 offene Modelle auf den Markt, die sich herunterladen, anpassen und vergleichsweise günstig einsetzen lassen.

„KI ist keine Mondlandung“, sagte Lizzi Lee vom Asia Society Policy Institute der BBC. Entscheidend ist also nicht nur, wer das leistungsfähigste Modell baut. Die USA könnten technologisch vorne bleiben, während China mit günstigen, offenen und breit verfügbaren Systemen wirtschaftlich stärker profitiert. Helfen dürfte dabei auch der vergleichsweise günstige Strom im Land.

Wie weit China in angrenzenden Zukunftstechnologien bereits ist, zeigt die Robotik. Nach Angaben von Chatham House kamen im ersten Halbjahr 2026 mehr als 90 Prozent der weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter von chinesischen Herstellern.

Huawei zog seinen neuen Chip Ascend 960DT auf das erste Quartal 2027 vor – drei Quartale früher als geplant. Auch Alibaba legte diese Woche nach und stellte den neuen Zhenwu V900 vor. Medienberichten zufolge soll DeepSeek zudem den bislang größten bekannten Cluster aus Huawei-Chips aufgebaut haben.

„Für Xi lautet der Hebel: Ihr könnt uns technologisch nicht einfach abschnüren“, sagte Lee. George Chen von der Beratung The Asia Group hielt auch den Zeitpunkt der Huawei-Ankündigung für bewusst gewählt: Sie kam kurz vor dem geplanten Treffen von Xi und Trump in Washington und sendete damit das Signal, dass China trotz Exportbeschränkungen der USA bei KI und Chips weiter vorankommt.

Besucher am Stand von Kimi, einem vom chinesischen Start-up Moonshot AI entwickelten KI-Sprachmodell, auf der World AI Conference in Shanghai.

Besucher am Stand von Kimi, einem vom chinesischen Start-up Moonshot AI entwickelten KI-Sprachmodell, auf der World AI Conference in Shanghai.

© IMAGO/LONG WEI / Utuku/Feature China / Avalon

Ganz aufgeholt hat China damit allerdings nicht. Huaweis SuperPoD-Architektur verbindet weniger Prozessoren als ursprünglich vorgesehen, und jeder einzelne Chip erreicht nur etwa die halbe Rechenleistung eines vergleichbaren Nvidia-Modells. Huawei-Chairman Eric Xu räumte zudem ein, dass die Produktion möglicherweise nicht einmal ausreiche, um die Nachfrage im eigenen Land zu decken.

Auch wirtschaftlich bleibt der Abstand groß. Chris Miller, Professor an der Tufts University und Autor von „Chip War“, verweist darauf, dass amerikanische Anbieter deutlich höhere Umsätze erzielen. Hinzu kommt der Streit darüber, wie chinesische Labore ihre Modelle trainieren. Washington wirft ihnen sogenannte Distillation vor – also das Lernen aus den Ausgaben leistungsfähiger amerikanischer Systeme. US-Finanzminister Scott Bessent sprach im Juli sogar von „Wasserzeichen unserer US-Sprachmodelle“ in chinesischen Modellen. Peking weist die Vorwürfe zurück.

Weitere Konfliktfelder: Handel, Taiwan und Iran

Im Handel gibt es zumindest Bewegung. Washington und Peking einigten sich am Mittwoch darauf, den Zollfrieden bis zum 10. Januar 2027 zu verlängern. Parallel verhandeln beide Seiten laut Chad Bown vom Peterson Institute for International Economics über Waren im Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar, die zu niedrigeren Sätzen gehandelt werden könnten. Doch die großen Streitpunkte bleiben: Seltene Erden, chinesische Agrarkäufe und mehr als 200 Boeing-Flugzeuge.

Auch bei den Themen Taiwan und Iran liegen die Interessen weit auseinander. Die US-Regierung hält ein vom Kongress gebilligtes Rüstungspaket für Taiwan über 14 Milliarden Dollar seit Monaten zurück. Beim Iran-Krieg hofft Washington auf Pekings Einfluss auf Teheran. China ist der wichtigste Abnehmer iranischen Öls, auch wenn Trump öffentlich erklärt, China in dieser Sache nicht um Hilfe bitten zu wollen.

Für Trump kommt das Treffen zu einem heiklen Zeitpunkt. Allen Carlson von der Cornell University verweist auf steigende Inflation, sinkende Zustimmungswerte, einen unpopulären Krieg und die näher rückenden Zwischenwahlen. Entsprechend groß ist der Druck, wenigstens begrenzte Erfolge vorweisen zu können.

Von einer neuen gemeinsamen Weltordnung sind beide Länder dennoch weit entfernt. Scott Kennedy vom Center for Strategic and International Studies bringt es knapp auf den Punkt. „Das ist keine G2.“ Washington und Peking stabilisieren ihre Beziehung, ohne zu strategischen Partnern zu werden. Da Wei von der Tsinghua-Universität spricht von einem „neuen Normal“ und plädiert für schnelle, umsetzbare Vereinbarungen. Amanda Hsiao von der Eurasia Group erwartet entsprechend viel gute Stimmung, aber keinen großen Wurf. Gelegenheiten zum Nachverhandeln gibt es genug: Weitere Begegnungen könnten im November beim Apec-Gipfel in China und im Dezember beim G20-Treffen in Miami folgen.

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