Verkehrskonzern beauftragte aber die selbe Firma, die im Zentrum der Bespitzelungsvorwürfe steht

Bahn: Wir sind kein zweiter Fall Telekom

Sebastian Wolff
3 Min

BERLIN. Die Deutsche Bahn hat Vorwürfe zurückgewiesen, ähnlich wie die Telekom mit Ausspähungen und illegalen Methoden gegen undichte Stellen im Unternehmen vorgegangen zu sein. Die Bahn räumte gestern allerdings ein, von 1998 bis 2007 Aufträge an Network Deutschland vergeben zu haben - eine der Firmen, die im Zentrum der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom steht. Es seien aber nur Aufträge im Rahmen der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Korruption an Network vergeben worden, sagte Bahn-Manager Wolfgang Schaupensteiner: "Der Eindruck, dass die Bahn in vergleichbare Vorgänge wie bei der Deutschen Telekom verwickelt sei, ist schlichtweg unzutreffend."Indiskretionen verhindernBei der Auftragsvergabe an Network habe es keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass dieses Unternehmen illegale Methoden anwende, so der Bahn-Manager. Über den Zeitraum von zehn Jahren sei Network in 43 Fällen beauftragt worden. Insgesamt belaufe sich das Auftragsvolumen auf 800 000 Euro. Nach 2007 sei die Zusammenarbeit mit Network nicht beendet worden, sondern es habe seitdem keine Notwendigkeit für Aufträge gegeben. Heute würde die Bahn allerdings genauer hinsehen, bevor sie einen neuen Auftrag an Network vergebe.Das Handelsblatt hatte berichtet, dass sich die Spitzelaffäre der Telekom auf die Bahn ausgeweitet habe. Network-Chef Ralph Kühn hatte zugegeben, für die Telekom Telefondaten ausgewertet zu haben. Es sei darum gegangen, telefonische Kontakt zwischen Journalisten und Mitarbeitern nachweisen zu können. Der Zeitung zufolge hat ein namentlich nicht genannter Subunternehmer Kühns erklärt, die Aufgaben für die Bahn glichen denen für die Telekom bis ins Detail. Telekom-Chef René Obermann hatte den Missbrauch von Telefondaten im Konzern eingeräumt.Bahn-Manager Schaupensteiner sagte hingegen, jeder Versuch eine Parallele zur Telekom-Affäre herzustellen, sei unsachgemäß. Die Bahn habe keine Aufträge zur Beschaffung von nicht öffentlich zugänglichen Daten erteilt. Ziele der Aufträge seien die Aufdeckung von Scheinfirmen und Kartellsachverhalten oder die Klärung des Verbleibs von Vermögensgegenständen - zum Beispiel Lokomotiven - gewesen. Die Bahn bemühe sich präventiv darum, Indiskretionen und die Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen zu verhindern, sagte Schaupensteiner. "Mit ihrem Auftrags- und Investitionsvolumen in Milliardenhöhe ist die Bahn besonders anfällig für Korruption und Wirtschaftskriminalität. Dies schadet Kunden, Steuerzahlern und Mitarbeitern. Daher stehen wir für Null Toleranz durch Korruption." Im Zusammenhang mit dem Verrat von Geschäftsgeheimnissen seien aber keine externen Dienstleister beauftragt worden.Grundsätzlich gebe es keinen Generalverdacht gegen Mitarbeiter. Auch der E-Mail-Verkehr im Konzern werde nicht überwacht. "Die bisher erreichten Erfolge bei der Aufdeckung von Indiskretionen sind ausschließlich auf rechtskonforme Ermittlungen zurückzuführen", so der Bahn-Manager. Network-Chef Kühn teilte mit, seine Firma habe zu keinem Zeitpunkt für die Bahn Telefonverbindungsdaten ausgeforscht oder ausgespäht.------------------------------Foto: Konzernzentrale der Bahn in Berlin am Potsdamer Platz: Nur rechtskonforme Ermittlungen vorgenommen

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