Verleger kritisieren Pläne für Gratiszeitung

Lieblingsfeind Post AG

Ralf Mielke
2 Min

Der schlimmste Feind der Zeitung ist die Zeitung. Genauer gesagt, die Gratiszeitung. Am schlimmsten ist es, wenn die Gratiszeitung von einem Staatsunternehmen verlegt wird, und am allerschlimmsten, wenn das Staatsunternehmen auch noch steuerlich besser gestellt ist als die private Konkurrenz. So jedenfalls sieht das der Verlegerverband BDZV, und entsprechend scharf fiel auf seiner gestrigen Jahrespressekonferenz die Kritik an den Überlegungen der Post AG aus, demnächst eine Gratiszeitung herauszubringen."Das ist ordnungspolitisch ein Skandal", sagte BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. "Die Politik spielt mit dem Feuer." Es handele sich um nichts anderes als einen staatlichen Vorstoß in den Pressemarkt. Schließlich sei der Bund größter Einzelaktionär der Post. Durch die Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht spare die Post zudem etwa 500 Millionen Euro pro Jahr - eine Summe, mit der sich prima eine Wochenzeitung finanzieren ließe. Wolff forderte die Bundesregierung auf, das Vorhaben der Post zu unterbinden.Ohnehin scheint die Post gerade der Lieblingsfeind der Verleger zu sein. Nicht vergessen ist der Mindestlohn für Briefzusteller, der zur Pleite der Pin AG führte. Aufgeben wollen die Verleger dieses Geschäftsfeld allerdings nicht. Viele Verteilnetze bestünden noch oder wieder, Teile der Pin AG seien von den früheren Miteigentümern zurückgekauft worden, sagte der für Verlagswirtschaft zuständige BDZV-Geschäftsführer Jörg Laskowski.Kritik gab es vom BDZV auch an den geplanten Regelungen für die Online-Aktivitäten der öffentlich-rechtlichen Sender. Die Neuauflage des Rundfunkstaatsvertrages gestatte ihnen, "presseähnliche Angebote" ins Netz zu stellen. Das müsse restriktiver gehandhabt werden. Außerdem müsse die Kontrolle der Online-Angebote von ARD und ZDF von einem unabhängigen Gremium und nicht, wie vorgesehen, von den Rundfunkräten ausgeübt werden.Die Lage der Zeitungen bezeichnete Wolff als nicht zufrieden stellend. Zwar habe der Umsatz der Zeitungen 2007 um ein halbes Prozent auf knapp 9,2 Milliarden Euro zugenommen, in den ersten fünf Monaten dieses Jahres sei aber ein Rückgang der Anzeigenumfänge um 0,1 Prozent zu verzeichnen. Die Gesamtauflage der Zeitungen sei mit minus 1,8 Prozent auf 25, 9 Millionen Exemplare ebenfalls rückläufig.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner