Vor zwei Jahren gab es in den sozialen Netzwerken das Spielchen, über zehn Tage lang täglich ein Album zu posten, das nach eigener Auffassung besonders prägend gewesen sei. Musikgeschmack als Distinktionsmerkmal, dieses Rennen kann man nicht gewinnen, also änderte ich die Regeln und wählte an einem der Tage ein anderes prägendes „Album“ – jenes von Panini, in das man Sammelbilder von Fußballspielern einkleben konnte. WM 1994, USA.
Das sorgte für mehr Aufmerksamkeit (drei Kommentare) als irgendwelche exzeptionellen Punkrockplatten der frühen 90er-Jahre (kein Kommentar), hier konnte jeder mitreden. Ein älterer Kollege mit einem sehr schlechten Vereinsgeschmack meinte, in der „verkorksten Berti-WM“ die Ursache für meine den seinen entgegengesetzten Klubpräferenzen erkennen zu können; ein Freund zählte auf, welche Bildchen er damals doppelt hatte.
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Es passt zur gefühlten Ödnis dieser WM, dass man sich kaum vorstellen kann, wie heutige Grundschüler in 25 Jahren nostalgisch auf ihr Sammelalbum blicken. Zumal auch hier schon seit längerem eine gewisse Verwässerung einsetzt – hatten die Panini-Tütchen einst einen Hauch von Einzigartigkeit, gab es zwischenzeitlich in jedem Supermarkt irgendwelche daran angelehnten Souvenirs, etwa in Form hässlicher Plastikkärtchen, die einem bei Ebay kein Mensch abkaufen will (0 Gebote). Zuletzt verschenkte Rewe seine Sammelalben im Zuge seiner Entpartnerung vom DFB an die Kunden. Das war vielleicht der vorläufige Höhepunkt der Verramschung. Einerseits.
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Andererseits zeigt sich in ebenjenen Supermärkten, dass ein anderer Klassiker der Fußball-Sticker offenbar aus dem Spiel genommen wurde. So mancher, der heute fantasiert, Klimaklebern eine zu kleben, klebte damals selbst ganz gern und zwar die überall verfügbaren Bildchen, die der Süßwarenhersteller Ferrero seinen Produkten beifügte. Wie oft blickte mich Andy Möllers weinerliche Visage von Laternenmasten an, wie oft musste ein grinsender Lothar Matthäus seine flauschige Heimat in einer Hanuta- oder Duplo-Packung mit einer Toilettentür tauschen?
Nun ist von alldem nichts mehr zu finden. Stattdessen gibt es beim Kauf bestimmter Produkte jetzt Sammelpunkte, die man gegen Kopfhörer oder Fußbälle umtauschen kann. Die kleinste Prämie ist ein Quartett-Spiel mit den Konterfeis der DFB-Kicker, also quasi die kompakte, aber eben erst nach Punkteeinlösung verfügbare Variante früherer Sammelbilder. Irgendwie war früher mehr Lametta – auf dem Platz und drumherum.
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