Eine seit mehr als acht Jahrzehnten verschollene Bronzeglocke der evangelischen Johanneskirche in Hoyerswerda ist an ihren Ursprungsort zurückgekehrt. Wie die Sächsische Zeitung berichtet, steht die 1812 von Josef Kittel aus Nixdorf in Böhmen gegossene Glocke nun im Vorraum der Johanneskirche in der Hoyerswerdaer Altstadt.
Die über 860 Kilogramm schwere Glocke war 1943 beschlagnahmt und in ein Hamburger Sammellager gebracht worden. Dort entging jedoch dem Einschmelzen zwecks Stahlerzeugung. Nach Kriegsende gelangte sie 1948 zunächst zurück nach Hoyerswerda, musste aber 1966 wegen Rissbildung abgenommen werden. Danach verlor sich ihre Spur. Vermutlich wurde sie beim Kauf einer Ersatzglocke in Zahlung gegeben und landete schließlich unerkannt auf dem Johanniskirchhof in Magdeburg.
Inschrift verrät die Herkunft der Glocke
Entscheidend für die Zuordnung war die Inschrift der Glocke: Der Name des früheren Hoyerswerdaer Superintendenten Johann Friedrich Benade sowie der Glockengießer und die Jahreszahl 1812 wiesen eindeutig auf die sächsische Gemeinde hin.
Der Magdeburger Stadtrat und Landtagsabgeordnete Olaf Meister von Bündnis 90/Die Grünen setzte sich für die Rückgabe ein. Am 28. August 2025 beschloss der Magdeburger Stadtrat die Rückgabe, obwohl die genaue Eigentumslage rechtlich unklar blieb.
Erklingen wird die Glocke vorerst nicht
Pfarrer Heinrich Koch zeigte sich dankbar, dämpfte aber zugleich die Erwartungen: Die Bronzeglocke werde nicht in das bestehende Geläut integriert. Die vorhandenen Eisenhartguss-Glocken seien intakt und die historische Glocke müsste erst überprüft werden. Es sei eher eine Aufgabe für kommende Generationen, sie mit passenden Bronzeglocken wieder zum Klingen zu bringen.
Neben der Hoyerswerdaer Glocke konnte auch die Herkunft zweier weiterer Bronzeglocken vom Magdeburger Johanniskirchhof geklärt werden. Eine davon wurde an die Gemeinde Nohra in Thüringen zurückgegeben. Dort passt sie exakt in den historischen Kirchenstuhl, wie ein Experte bestätigte.
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