Versicherung reicht nicht

Jeder vierte Pflegebedürftige braucht Sozialhilfe

Thorkit Treichel
2 Min

Jeder vierte der knapp 100 000 pflegebedürftigen Menschen in Berlin war im vergangenen Jahr auf Sozialhilfe angewiesen, teilte die Senatssozialverwaltung gestern mit. 70 Prozent von ihnen leben zu Hause und können aus eigener Kraft keine Einkaufshilfen oder häusliche Pflege finanzieren. Aber auch 16 000 der rund 23 500 Pflegebedürftigen, die Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten, benötigen staatliche Unterstützung. Das ist jeder fünfte anerkannte Pflegebedürftige."Mit der Einführung dieser Versicherung sollte ein Großteil der älteren Pflegebedürftigen aus der Abhängigkeit von Sozialhilfe geholt werden. Dennoch brauchen heute immer noch viele Menschen Hilfe zur Pflege", sagte Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linke). Dafür gab das Land voriges Jahr rund 285 Millionen Euro aus.Die Kosten für die Betreuung in einem Pflegeheim seien so hoch, dass auch bei vielen älteren Menschen, die mit der Pflegestufe III den höchsten Satz von 1 432 Euro monatlich bekommen, das Einkommen nicht reicht. "Gerade bei älteren Frauen steigt die Gefahr, auf die Unterstützung des Sozialamtes angewiesen zu sein. Das Risiko von Altersarmut ist bei ihnen nach wie vor besonders hoch", sagte die Senatorin und verwies auf die Notwendigkeit einer Reform der Pflegeversicherung: "Ambulante und stationäre Pflegeangebote müssen den individuellen Bedürfnissen entsprechend verbessert und vernetzt werden." So werde die Gesellschaft immer älter, immer mehr Menschen seien beispielsweise von Demenz betroffen. Demenzkranke erhalten aber bislang keine Leistungen aus der Pflegeversicherung.In Berlin sind besonders viele Menschen betroffen, weil hier mehr Ältere mit geringer Rente sowie ältere Singles als im bundesweiten Durchschnitt leben. Vor allem für Frauen, von denen viele verwitwet sind, ist dies ein großes Problem. Insbesondere in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte sind pflegebedürftige Menschen auf die Unterstützung angewiesen, in Treptow-Köpenick sowie in Steglitz-Zehlendorf die wenigsten. (tt.)

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