BERLIN. Der größte Berliner Gasversorger Gasag richtet sein Geschäft neu aus und will stark in die Energieerzeugung einsteigen, sowohl mit Bioerdgas als auch mit Strom. "Lokale Gas-Kraftwerke, die Wärme und Strom gleichzeitig produzieren, sind ein sehr vielversprechendes neues Geschäftsfeld für uns", sagte Gasag-Vorstand Andreas Prohl der Berliner Zeitung. Bei den sogenannten Block-Heizkraftwerken (BHKW) sei in den kommenden Jahren gewaltiges neues Wachstum zu erwarten, so Prohl. "Teils kommt es bei Bestellungen schon zu Engpässen der Lieferanten."150 000 Häuser in BetrachtBei BHKW handelt es sich meist um gasbetriebene Kolbenmotoren, die in verschiedensten Größen angeboten, anstelle der gewöhnlichen Gas- oder Ölheizung in den Keller eingebaut werden und lediglich etwas mehr Platz brauchen. Bei Warmwasser- oder Heizungsbedarf wird nebenher Strom produziert, der ins Netz eingespeist werden darf. BHKW-Strom wird staatlich bezuschusst, denn durch die gute Ausnutzung des Brennstoffs in der Kraft-Wärme-Kopplung wird der Treibhausgasausstoß deutlich gesenkt.Die Gasag betreibt derzeit BHKW-Anlagen mit knapp zehn Megawatt Stromerzeugungskapazität, nur etwa ein Hundertstel der Kapazität eines großen Kohlekraftwerksblocks. "Wir werden das allerdings innerhalb weniger Jahre multiplizieren", kündigte Prohl an. "Wir beabsichtigen zum Beispiel im Rahmen des Stadtvertrages mit dem Land Berlin in den nächsten beiden Jahren 100 weitere größere BHKW zu errichten. Bis 2015 werden wir unsere Investitionen in diesem Bereich vervierfachen." In Alt-Glienicke werde zum Beispiel ein Komplex mit 1 400 Wohnungen durch zwölf BHKW mit Wärme versorgt. "Die Heizkosten sind dort viel stabiler, weil nebenher noch der staatlich subventionierte Strom produziert wird", sagte Prohl.Doch auch bei kleineren Anlagen sieht die Gasag großes Potenzial. Für rund 150 000 Ein- und Zweifamilienhäuser in der Region kommen laut Prohl Mini-BHKW in Betracht. "Unsere Energie-Berater kommen in die Häuser nicht nur mit einem Gaskessel, sondern auch mit einem BHKW im Angebot." Nach einem erfolgreichen Testprojekt mit 20 Haushalten seien bereits von über 100 weiteren Kunden in Berlin Order für die Installation eines Mini-BHKW der Marke WhisperGen eingegangen. "Wir haben bis 2014 rund 20 000 Einheiten bestellt", sagte Prohl. "Für Berlin rechnen wir bis 2014 mit etwa 2 000 neuen Mini-BHKW pro Jahr." Die anderen WhisperGen sollen von der Gasag nicht installiert, sondern weiterverkauft werden, etwa an interessierte Stadtwerke.Die Gasag will sich unabhängiger vom direkten Gashandel machen. Bis 2015, so der Plan des Unternehmens, soll etwa ein Viertel des Umsatzes aus anderen Quellen, insbesondere aus Energiedienstleistungen, stammen. Der Konzern will auch direkt in die lokale Stromerzeugung investieren. Zuletzt hatte sie zusammen mit dem Berliner Solarmodulhersteller Solon eine Anlage in Mariendorf eröffnet. "Wir schauen uns im Photovoltaik-Bereich intensiv um, ob es neue interessante Möglichkeiten für uns gibt", sagte Prohl. Die Gasag hat sich gegenüber dem Berliner Senat verpflichtet, bis 2015 eine Million Tonnen Kohlendioxid pro Jahr im Vergleich zu 2007 einzusparen.Der Konzern will nicht nur zunehmend Strom-, sondern auch Biogas-Erzeuger werden. Derzeit ist nach dem Start der ersten Anlage in Rathenow eine zweite Bio-Erdgasproduktion der Gasag in Vorbereitung, ebenfalls in Brandenburg. Weitere Anlagen sind bis 2015 geplant. Das Gas wird an Gastankstellen, aber auch an Wärmekunden geliefert. "Seit dem Start am 1. Oktober haben wir bereits rund 600 Kunden in Berlin gewinnen können, die einen zehnprozentigen Bio-Gasanteil geliefert bekommen", sagte Prohl.------------------------------Doppelt nützlichTechnik: Aufgabe eines Blockheizkraftwerks ist es, Wärme für Wohnungen, Büros oder Industrie bereitzustellen. Im Inneren verbrennt ein Motor Gas und treibt einen Stromgenerator an. Anstatt die Wärme der Abgase und der Kühlflüssigkeit ungenutzt zu lassen, wird die Energie per Wärmetauscher an den Heizkreislauf abgegeben. Die Maximalnutzung des Brennstoffs (Wirkungsgrad) liegt über 90 Prozent.Förderung: BHKW sparen so fossile Brennstoffe ein. Der Staat fördert deshalb die Technik. Durch das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz gibt es einen Zuschlag auf eingespeisten Strom.------------------------------Grafik: Funktionsweise der Kraft-Wärme-KopplungFoto: Gasbetriebenes Block-Heizkraftwerk in Treptow: Die Gasag will in Berlin in den kommenden zwei Jahren 100 derartige Anlagen bauen.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]