DÜSSELDORF. Getrennt durch eine Panzerglasscheibe schäkert Fritz Gelowicz im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts mit seiner Ehefrau, die ein Kopftuch und ein bodenlanges, hochgeschlossenes Kleid trägt. Durch die 24 ringförmigen Löcher in der daumendicken Trennscheibe stecken sich die jungen Eheleute in einer Verhandlungspause zärtlich ihren kleinen Finger zu - streng beäugt durch einen der Richter und einen Gerichtsdolmetscher.Die 27-jährige Sachbearbeiterin aus Ulm sollte gestern, am zweiten Verhandlungstag des Düsseldorfer Terrorprozesses um die islamistische Sauerland-Zelle, als deren Rädelsführer Gelowicz gilt, über den Mann aussagen, mit dem sie seit zwei Jahren verheiratet ist. Die gebürtige Türkin verweigerte die Aussage. Sie verwies auf ihre Verwandtschaft zu dem 29-jährigen Hauptangeklagten, der bereits vor 13 Jahren zum Islam konvertiert und in den Augen der Bundesanwaltschaft ein hochgefährlicher Gotteskrieger ist. Wie Filic Gelowicz verweigern 16 weitere als Zeugen geladene Verwandte Aussagen über die vier Angeklagten, denen die Gründung einer terroristischen Vereinigung und die Planung verheerender Sprengstoffanschläge auf amerikanische Einrichtungen in Deutschland zur Last gelegt werden.Der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling mahnt die Zeugen, ihre Aussageverweigerung noch einmal zu überdenken. Denn er werde andernfalls Lehrer, Arbeitskollegen, Nachbarn und Freunde der mutmaßlichen Gotteskrieger vorladen müssen, um deren Lebenswege bis zu der Festnahme am 4. September 2007 erforschen zu können. Dennoch trifft das Gericht auf eine Mauer des Schweigens.Lautstark war es zu Beginn der Verhandlung zugegangen. Der Angeklagte Adem Yilmaz war mit einer einwöchigen Ordnungshaft "wegen Ungebühr" belegt worden, weil er sich am ersten Verhandlungstag geweigert hatte, beim Einzug des Gerichts in den Verhandlungssaal aufzustehen. "Ich stehe nur für Allah auf", hatte Yilmaz ausgerufen. Trotz mehrfacher energischer Ermahnung blieb der 30-jährige auch am zweiten Verhandlungstag beim Einzug des Senats sitzen.Als der Vorsitzende Breidling an die beiden Verteidiger von Yilmaz appellierte, auf das Temperament ihres Mandanten einzuwirken, antwortete die Anwältin Ricarda Lang: "Unser Mandant ist erwachsen und weiß selbst, was er tut." Dies sei eine "interessante Erklärung", erklärte Breidling, die Anwältin solle sie überdenken. "Schließlich sind wir hier nicht die Privatpersonen X Y, sondern Vertreter des Staates, des Rechts und des Gesetzes." Sein striktes Vorgehen gegen Angeklagte wegen ungebührlichen Verhaltens vor Gericht sei in der Vergangenheit vom Bundesverfassungsgerichtshof juristisch gedeckt worden, sagte Breidling. "Nicht in allen Fällen", erwiderte Ricarda Lang.Nach diesem Wortgefecht beantragte die Bundesanwaltschaft erneut eine einwöchige Ordnungshaft gegen Yilmaz. Als der Angeklagte laut "Dankeschön!" rief, erklärte der Richter, dies sei nun eine "Störung der Hauptverhandlung". Falls sich das wiederhole, müsse Yilmaz mit seinem Ausschluss aus dem Saal rechnen. Auch dass der Angeklagte dem Gericht nicht den nötigen Respekt durch seinen Erheben von der Anklagebank bezeuge, werde dieser Senat nicht länger hinnehmen, drohte Ottmar Breidling: "Wir werden uns etwas einfallen lassen."------------------------------"Ich stehe nur für Allah auf." Adem Yilmaz, Angeklagter------------------------------Foto: Die Zeugen wollen nichts sagen und auch nicht erkannt werden.
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