Infektionen

Vibrionen in der Ostsee: Drei Berliner betroffen, ein Todesfall

Winzige Bakterien im warmen Ostsee-Wasser können lebensgefährlich werden. In Berlin haben sich in diesem Jahr bereits drei Menschen mit Vibrionen infiziert – einer von ihnen starb.

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Drei Ostsee-Badegäste haben sich mit Vibrionen infiziert.

Drei Ostsee-Badegäste haben sich mit Vibrionen infiziert.

© Jens Büttner/dpa

Bakterien im warmen Ostsee-Wasser können für manche Menschen tödlich enden. Wie aus dem aktuellen Epidemiologischen Wochenbericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) hervorgeht, haben sich in dieser Saison haben sich bereits drei Berliner mit sogenannten Vibrionen infiziert – einer der Betroffenen ist gestorben.

Alle drei Erkrankten waren älter als 75 Jahre. Bei allen kam es zu einer Wundinfektion, zwei entwickelten ein schweres, sogenanntes septisches Krankheitsbild. Zwei der Infektionen gehen wahrscheinlich auf Kontakt mit Meer- oder Brackwasser in Mecklenburg-Vorpommern zurück – erworben vermutlich über eine Wunde oder die Haut.

Was sind Vibrionen überhaupt?

Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Süß-, Brack- und Salzwasser vorkommen. Sie sind kein Zeichen für verschmutztes Wasser, sondern gehören zur normalen Bakterienflora – auch in Nord- und Ostsee.

Gefährlich werden können sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen. Ein Vertreter, „Vibrio vulnificus“, kann schwere Wundinfektionen auslösen. Im schlimmsten Fall zerstört er Gewebe so rasch, dass Ärzte von einer nekrotisierenden Fasziitis sprechen – einer gefährlichen Weichteilinfektion.

Warum ausgerechnet die Ostsee? Die Bakterien vermehren sich besonders stark bei Wassertemperaturen über 20 Grad und einem Salzgehalt zwischen 0,5 und 2,5 Prozent. Die Ostsee hat mit durchschnittlich 0,8 Prozent einen für Vibrionen günstig niedrigen Salzgehalt.

Wie gelangen die Bakterien in den Körper?

Der häufigste Weg führt über offene Wunden. Kommt eine nicht verheilte Verletzung mit erregerhaltigem Meerwasser in Kontakt – etwa beim Waten oder Baden –, können die Bakterien eindringen. Auch Verletzungen, die man sich erst im Wasser zuzieht, sind ein Risiko.

Ein frühes Warnsignal ist ein lokaler Schmerz, der stärker erscheint, als die sichtbare Wunde vermuten lässt. Hinzu kommen können Fieber, Schüttelfrost und ein septisches Krankheitsbild. Solche Infektionen müssen dringend ärztlich versorgt werden.

Neben Wundinfektionen können Vibrionen auch Magen-Darm-Erkrankungen auslösen – etwa nach dem Verzehr von rohen oder unzureichend gegarten Meeresfrüchten oder Fisch. Diese verlaufen meist milder.

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Wer besonders aufpassen sollte

Nicht jeder ist gleichermaßen gefährdet. Zu den Risikogruppen zählen ältere und immungeschwächte Menschen. Ein erhöhtes Risiko haben zudem Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen oder schweren Herzerkrankungen.

Junge, gesunde Erwachsene erkranken dagegen nur selten und in der Regel nicht schwer. Bei Kindern treten meist lediglich Ohrinfektionen auf, die mit denen durch andere Erreger vergleichbar sind.
Die drei Berliner Fälle passen genau in dieses Bild: Alle waren über 75 Jahre alt und gehören damit zur bekannten Risikogruppe.

Warum die Saison in diesem Jahr früh startet

Für 2026 beobachten die Fachleute eine vergleichsweise frühe Saison mit im Inland erworbenen Infektionen. Der wahrscheinliche Grund: hohe Temperaturen, die die Küstengewässer früh erwärmt haben.

In Berlin wurden 2026 seit der 23. Meldewoche drei Fälle registriert. Im Mittel der Vorjahre war es bis zu diesem Zeitpunkt nur eine einzige Infektion. Bundesweit ist die Meldepflicht seit 2020 in Kraft; die Zahl der gemeldeten Fälle lag zwischen 13 (2020) und 95 (2024).

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