Die Funktionäre in Warschau wussten oft nicht weiter: "Was wollen die eigentlich?", fragten sie, wenn aus Ost-Berlin schon wieder Beschwerden über das Haus der polnischen Kultur eintrafen. Bücher und Schallplatten etwa, die in Polen völlig legal und allseits akzeptiert waren, erregten in der DDR den Zorn der Zensurbehörde. Und als im Sommer und Herbst 1956 die Unruhen in Posen und anderswo ausbrachen, intervenierte der SED-Apparat gegen den Verkauf selbst der Parteizeitung Tribuna Ludu im Laden des Kulturinstituts. Denn die DDR-Medien schwiegen über Monate zu den Ereignissen.Wenn das Polnische Institut in Berlin, wie es seit 1991 heißt, heute Abend seinen 50. Geburtstag feiert, dann ist das keine reine Jubelarie, sondern auch Erinnerung an 33 Jahre eines durchaus spannungsvollen Verhältnisses zwischen den Bruderrepubliken. Die DDR-Führung hielt Polen stets für einen unsicheren Kantonisten, unterstellte dem Regime dort immer wieder, einem verwässerten Sozialismus anzuhängen und die Verhältnisse nicht unter Kontrolle zu haben. Zdzislaw Owczarek, der stellvertretende Direktor des Polnischen Instituts, hat sich intensiv in die Akten der Außenministerien in Berlin und Warschau vergraben. Er kann viele Anekdoten erzählen über den Spagat, den das Haus über viele Jahre vollzog, aber auch über die Stasi-Observierung durch deutsche Mitarbeiter oder darüber, wie 1981 während der Solidarnosc-Streiks viele Stammgäste aus Angst fernblieben.Um den Argwohn zu entkräften, veranstaltete man bis in die Siebziger Propagandaveranstaltungen, die Polen strammer kommunistisch darstellten, als es zu Hause tatsächlich war. Andererseits zeigte man selbst in entlegenen Kulturhäusern und Betrieben auf dem Land die polnischen Filme, die sich ungeschminkt mit der Alltagsrealität oder mit heiklen historischen Themen auseinander setzten. Wenn die DDR-Zensur wieder mal einen Film untersagte, dann bettete man diesen bei der nächsten Gelegenheit eben in eine Diskussion ein.Seit den Sechzigern erregte der in seiner Heimat völlig unbeanstandete polnische Rock immer wieder die biederen Kulturstrategen: alles viel zu westlich. Doch war auch in Ost-Berlin nicht zu verhindern, dass etwa der Jazzrocker Czeslaw Niemen mit seinen rebellischen Songs zum Idol wurde und junge Leute sich um die Platten im Haus der polnischen Kultur rissen. Die Festveranstaltung heute - um 20 Uhr im Tränenpalast, schräg gegenüber des ersten Domizils - erinnert an den 2004 gestorbenen Niemen. Nach einer Podiumsdiskussion über ihn interpretieren Michal Gasz und andere seine Lieder und Improvisationen. Der Eintritt ist frei, volksnah wie einst.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]