Kabarett-Legende Dieter Hildebrandt ist zornig, aber nicht überrascht. Die Kündigung des Mietvertrages von Theater und Komödie am Kurfürstendamm durch eine Immobilientochter der Deutschen Bank setzt seiner Ansicht nach die erfolgreichen Aktivitäten von Immobilienfirmen zur Verödung der Innenstädte fort. Dem Angebot, auf einer anderen Etage des Einkaufszentrums ein neues Theater zu bauen, misstraut er heftig: "Das wird am Ende so aussehen wie der ganze Kurfürstendamm - eine Shoppingwüste, eine Klamotten-Avenue. Ab 20 Uhr tot." Außerdem stelle sich ja auch die Frage, wie sinnvoll es ist, noch ein Einkaufszentrum zu bauen: "Man kann doch gar nicht so viel Mist kaufen, wie man kaufen soll."Außerdem braucht diese Art von Theater nach seiner Überzeugung die Laufkundschaft: "Ein Boulevardtheater, das sich nicht an der Straße anbietet, hat gar keine Chance." Bei Gastspielen stand er selbst schon auf den beiden Kudammbühnen. Und als Zuschauer erlebte er hier Boulevardgrößen wie Harald Juhnke und Günter Pfitzmann.Eines hat Hildebrandt im Zusammenhang mit der Kündigung für die Theater und die Baupläne der Immobilienbesitzer dann doch verwundert: "Erstaunlich, wie machtlos Politiker sind."Direktion und Mitarbeiter von Komödie und Theater am Kurfürstendamm erfahren dieser Tage dennoch viele Solidaritätsbekundungen und Hilfsangebote. Heute kommt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ins Theater, um mit Direktor Martin Woelffer über die Probleme zu sprechen. Wowereit, der schon an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geschrieben hat, will sich weiter für einen Fortbestand der unsubventionierten Privatbühnen einsetzen. Seit Freitag kamen in beiden Häusern mehr als 9 000 Unterschriften für die Rettung zusammen. Einige Besucher waren durch die ganze Stadt gefahren, nur um unterschreiben zu können. Auch in vielen Geschäften der Nachbarschaft liegen Listen aus.Die Prominentengästeliste der nächsten Premiere "Ernst - und seine tiefere Bedeutung" unter der Regie von Katharina Thalbach am Sonntagabend in der Komödie ist lang wie nie. Neben Stammgästen wie Curth Flatow, Walter Plathe und Winfried Glatzeder hat die Bedrohung für die beiden Traditionstheater auch Kollegen wie Renan Demirkan, Dieter Hallervorden, Stefan Kurt, Katja Riemann, Otto Sander und Matthias Schweighöfer mobilisiert.In Frankfurt, bei der Deutschen-Bank-Tochter Real Estate, werden die hiesigen Solidaritätsbekundungen sehr wohl zur Kenntnis genommen. "Wir lesen Zeitung", sagt Sprecher Tim Oliver Ambrosius, "aber wir kommentieren die Kritik nicht." Noch nicht einmal einen Termin für ein Gespräch mit Theaterdirektor Woelffer mag Ambrosius nennen. In diesem Gespräch soll diskutiert werden, ob das Theater in den zweiten Stock des dann umgebauten Hauses ziehen könnte. Ambrosius sagt nur: "Das Gespräch soll bis Frühjahr stattfinden."------------------------------Foto: Dieter Hildebrandt, Kabarettist------------------------------Foto: Direktor Martin Woelffer verwaltet zwei Kudamm-Theater. Noch.
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