Eigentlich lautete der Befehl für die Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin stationiert waren, "No Fraternisation" (Keine Verbrüderung), was den Umgang mit den Deutschen betraf. Doch vor Ort sah die Sache anders aus, wie die Ausstellung "Es begann mit einem Kuß" im Alliierten-Museum zeigt: in den ersten Nachkriegsjahren kam es zu tausenden Eheschließungen. Als deutsche "Kriegsbräute" machten sich viele junge Frauen auf den Weg in die USA, nach Großbritannien oder nach Frankreich. Eine von ihnen war Anneliese T. Cofer.Raus aus der OstzoneAls sie mit 16 aus Luckenwalde nach Berlin kam, wollte sie endlich das Leben genießen. Geboren 1933 wuchs sie im Krieg auf, dann kamen die Russen und die Angst, wie die Nachbarinnen vergewaltigt zu werden. Anneliese hatte nur ein Ziel: raus aus der Ostzone. Also wählte sie eine Ausbildung zur Modezeichnerin, und weil es die im Osten nicht gab, durfte sie drei Jahre in Berlin leben. Dort stürzte sie sich fern vom Elternhaus in das Nachtleben rund um den Kudamm. Da sie im Gymnasium sechs Jahre lang Englisch gelernt hatte, konnte sie sich mit den Alliierten gut verständigen. Bald schon lernte sie einen amerikanischen Offizier kennen. "Der sah aus wie Clark Gable", erzählt Cofer. Der Offizier war allerdings schon über 40, bekam Ärger, weil er eine Minderjährige ausführte, war zudem verheiratet."Da er mich aber mochte, wollte er mich in gute Hände bringen", erinnert sich Cofer. Der Offizier gab eine Party und stellte Anneliese neu angekommenen Soldaten vor, sie verliebte sich in David. "Er war nicht gutaussehend, aber er war lieb, nannte mich immer Prinzessin", erzählt Cofer. Außerdem habe er einen guten Charakter gehabt und nach der Enttäuschung mit dem ersten Offizier sei ihr das wichtiger gewesen. Deutsche Männer im passenden Alter kannte Anneliese nicht. In dem Sohn eines Englischprofessors und einer Lehrerin, der vor seiner Zeit in der Armee Rechtsanwalt war, sah sie eine gute Partie. Er konnte sie außerdem davor retten, nach ihrer Ausbildung zurück in den Osten zu müssen. Die beiden ließen sich im Sommer 1953 trauen, im September ging es nach Texas, in Davids Heimatstadt Bryan."Ich hatte keine Ahnung wie es da ist, ich hatte Hollywood vor Augen und habe ihn nicht gefragt", sagt Cofer. Die Ankunft war ein Schock. Aus der Großstadt kam sie in eine religiös geprägte Kleinstadt ohne Tanzlokale und mit Schildern, die Alkohol verteufelten. Außerdem fand sie das Klima unerträglich heiß. Doch sie war schwanger, also musste sie sich in das Leben dort einfügen. Die Schwiegereltern waren nicht gerade begeistert, dass ihr Sohn eine "Nazifrau" geheiratet hatte. Vor allem die Mutter habe eine andere für ihren Sohn im Auge gehabt und sie das auch spüren lassen, erzählt Cofer. Modezeichnerinnen wurden in der Kleinstadt nicht gebraucht, was blieb, war die Rolle als Hausfrau und Mutter. Ihr Mann arbeitete als Rechtsanwalt, verdiente gut und nach und nach bauten sich die beiden eine wohlhabende Existenz mit Haus und Garten auf. Annelieses Mutter zog nach dem Tod des Vaters nach Texas, damit hatte sie keine Verbindung mehr in die alte Heimat. Auch wenn der Anfang im Westen ziemlich hart war, sagt Anneliese T. Cofer rückblickend: "Einen amerikanischen Soldaten zu heiraten, war das beste, was ich damals machen konnte."Ausstellung im Alliierten-Museum, Clayallee 135, Dahlem. Täglich außer Mi 10-18 Uhr, bis 19. März.------------------------------Foto: (2) Deutsche Kriegsbraut: Das Hochzeitsfoto von Anneliese T. Cofer und David Cofer. Die beiden heirateten 1953 in Berlin. Ihr Brautkleid ist in der Ausstellung im Alliierten-Museum zu sehen. Die 72-Jährige kam mit ihrer Tochter anlässlich der Ausstellung nach Berlin. Ihr Mann lebt noch, ist aber zu alt zum Reisen.
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